@Iris sagt:
Hallo,
mit etwas Verspätung melde ich mich wieder aus Old Germany. Verspätung deshalb: als wir wieder zu Hause ankamen, waren unsere Wasserleitungen zugefroren.

Foto: London City und die Themse
Am 6.1. 2009 sind wir gegen 8.00 Uhr bei strahlender Sonne in England gelandet, haben uns mit Freunden in der Westminster Central Hall (Methodisten Zentrum) getroffen und angefangen London zu erobern. Mit dem big eye (Riesenrad an der Themse in Westminster) haben meine Leute sich einen Höhenüberblick über London verschafft. Meine Tochter hat ganz tolle Aufnahmen gemacht. Ich selbst hab` während
der Zeit unsere Vouchers für Tube und Bus eingelöst - mein Höhenkoller erlaubt mir kein Riesenrad - und dann sind wir Tube gefahren - wie die Weltmeister.
Flyer von Spitafields
(Zur Vergrößerung in den Flyer klicken)
Zuerst nach
Spitalfields zur
Generalprobe am
06.01.2009 mit den English Barock Soloists, dem Monteverdi Choir und Sir John Eliot Gardiner.
Foto: Christ Church in Spitafields / England
Ich habe noch nie einen so gut aufgelegten, lockeren, teilweise übermütigen Sir Gardiner erlebt. Er witztelte mit seinem Chor, brachte sein Orchester und uns alle zum Lachen. Einer der Sänger kam ein paar Minuten zu spät. Der Sir: "Hallo, nice to see you!" Er hat eine akribische Probenarbeit geleistet und bei der Arbeit zur Motette "Jesu meine Freude" das allerletzte aus dem Chor heraus gekitzelt. Leider konnte ich nicht bis zum Schluss der Probe bleiben. Aber das Konzert am nächsten Abend am
07.01.2009 war einfach grandios - von Anfang bis Ende.
Foto Applaus in der Christ Church Spitafields
Auf dem Programm:
"Jesu meine Freude" Motette (BWV 227)
Brandenburgische Konzert Nr. 3 (BWV 1048)
Weihnachtsoratorium 5. Kantate "Ehre sei Dir Gott gesunden" (BWV 248)
Die Motette habe ich so eindrucksvoll noch nie gehört. Selbst die alte Motetteneinspielung von Gardiner kommt da nicht mit. Aber es lag wahrscheinlich an dem Live-Erlebnis. Wir saßen in der 1. Reihe, alles war
zum Anfassen nahe, wir waren einfach im Geschehen mitten drin - da konnte man sich nur mitreissen lassen.
Beim 3. Brandenburger saß der Sir ganz entspannt in der 1. Reihe - wie in Köthen - (neben uns) und lauschte seinem Orchester. Kati Debretzeni hat mir ihrem Spiel nicht nur geleitet sondern alle mitgerissen. Es war eine Freude zu sehen, wie sich die Spieler/innen die Bälle zuwarfen, sich gegenseitig mit Augenzwinkern und Lachen anfeuerten. Wir waren fasziniert.
Foto: Applaus in der Christ Church Spitafields / England
Das "Ehre sei Dir Gott gesungen" aus dem Weihnachtsoratorium war großartig. Julia Doyle / Katharine Fuge haben mit ihrem wunderschönen Sopran, Clare Wilkinson mit ihrer ausgewogenen und anrührenden Altstimme eine Klasse für sich geboten. Der Tenor Nicholas Mulroy war bei unserer Aufführung zu dominant - vielleicht lag`s auch daran, dass wir nur einen Meter von ihm entfernt saßen; am letzten Abend - wir saßen im Mittelschiff - war er richtig gut. Der Baß (Matthew Brook / Samuel Evans) war eine Freude. Bis in die tiefsten Tiefen, sauber, schön, klar - alles in allem: die Solisten waren große Klasse. Die Barock Soloists einfach super. Neben den vielen anderen war der Oboist Michael Niesemann eine "Hörweide".
Bis hierher erst einmal.
Liebe Grüße und eine schöne Woche.
Iris
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Liebe Bachfans,
hier nun meine Eindrücke von der letzten Aufführung, vom 08.01.2009 in Spitafields - die wir alle fünf miterlebt haben:
Programm:
„Singet dem Herrn ein neues Lied“ Motette
Brandenburgische Konzert Nr. 1 BWV 1046
„Wenn die stolzen Feinde“ 6. Kantate Weihnachtsoratorium BWV 248
„Singet dem Herrn ein neues Lied“ hat uns im wahrsten Sinne des Wortes von den Kirchenbänken geholt. Mitreißend, swinging, der Chor grandios in Akzentuierung und Aussprache, Gardiner dirigierte ohne Partitur und hat alles, aber auch alles aus seiner Schar herausgeholt. Für mich war dies schon eine Höhepunkt schlechthin.
Das 1. Brandenburger Konzert dirigierte er diesmal selbst – mußte er auch – seine Corni waren mal wieder auf der Galopprennbahn. Es war mitreißend und ich mußte stellenweise ein lautes Lachen unterdrücken.
Herzstück und Höhepunkt der 6. Kantate (Weihnachtsoratorium) war für mich der Choral: „Ich steh` an deiner Krippen hier“. Der Chor hat es so einfühlsam, so überirdisch schön gesungen, dass ich den Schluss der Kantate nur noch wie in einem Rausch erlebt habe. Beim Schlussapplaus war`s dann mit meiner Fassung vorbei. Ich konnte und wollte mir nicht vorstellen, dass all das Schöne schon vorbei sei und habe bitterlich geweint.

Foto: Schlussveranstaltung in der Christ Church Spitafields am 8.1.2009
Unter dem Namen „Spitalfields Music 2008“ haben die Musik- und Gardinerfreunde ein riesen Programm absolviert:
800 Stunden Musik
250 workshops
103 Aufführungen
25.000 Besucher
bis zum nächsten Lebenszeichen alles Liebe und Gute!
Gruss
Iris

