Freitag, 25. November 2005

Erstklassiger Interpret gab ein Orgelkonzert in der " Zionskirche Bielefeld-Bethel" im November 2005

Bielefeld-Bethel, 25.11.2005

Rezension über ein Orgelkonzert in der " Zionskirche Bielefeld-Bethel" im November 2005

mit dem französich-Libanesischen Star-Organisten Naji Hakim,

1998/99 wurde die Zionskirche zuletzt umfassend renoviert und wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt.


Foto: Zionskirche Bielefeld-Bethel

Sie erhielt zugleich eine große Schuke-Orgel mit drei Manualen und 45 Registern und 3.268 Pfeiffen.


Foto:
Schuke-Orgel, der Zionskirche Bielefeld-Bethel

Ein Orgel - Standort profiliert sich. So jung die Konzertreihe an der neuen Schuke - Orgel in der Zionskirche ist, so hervorragend präsentierte sie sich, als am Sonntag der liebenswürdige französisch- libanesische Star-Organist: Naji Hakim, zu einem Gastkonzert verpflichtet werden konnte.



Foto: Najim Hakin, Organist

Seit nunmehr 20 Jahren ist Naji Hakim einer der bedeutendsten Repräsentanten der großen französischen Tradition von Organisten, Komponisten und Improvisatoren. Geboren wurde er 1955 in Beirut (Libanon). Er studierte Orgel und Improvisation bei Jean Langlais und absolvierte ein Examen für Orgelunterricht am Trinity College of Music in London. Anschließend studierte er am Conservatoire National Supérieur in Paris in den Klassen von Roger Boutry, Jean-Claude Henry, Marcel Bitsch, Rolande Falcinelli, Jaques Castérède und Serge Nigg und erzielte dort sieben Erste Preise in den Kategorien Harmonielehre, Kontrapunkt, Fuge, Orgel, Improvisation, Analyse, Instrumentation und Orchestration.

Darüber hinaus erhielt er Preise bei internationalen Orgelwettbewerben in Haarlem, Beauvais, Lyon, Nürnberg, St. Albans, Straßburg und Rennes. Von 1985 bis 1993 war Naji Hakim Organist der Basilika Sacre Coeur in Paris, bevor er Olivier Messiaen als Organist der Église de la Trinité nachfolgte. Er ist sehr gefragt als Solokünstler, Improvisator und Lehrer; seine Engagements für Konzerte und Meisterklassen führen ihn rund um den Globus.

Vom Orgelwettbewerb 2005 in Bochum kommend, als Jurymitglied bestellt, gab Hakim ein grandioses Orgelkonzert auf der in 1999 neuerbauten Schuke-Orgel in der Zionskirche.

Sein Programm enthielt folgende Werke:

Naji Hakim: Le Bien-Alme (Eigenkomposition);

Naji Hakim: Salve Regina (Eigenkomposition);

J.S.Bach: Toccata und Fuge in F;

Cesar Franck: Priere;

Naji Hakim: Bach’orama-Improvisation (Eigenkomposition über Bachs-Orgelwerke);

Naji Hakim: Freie Improvisation über den Choral: „Ein feste Burg ist unser Gott“

Mit der Eigenkomposition „Le Bien-Alme“ beginnend, wurde eine mächtige neue französische Orgelmusik von Hakim an der Schuke-Orgel geboten. Nicht nur in der Interpretation, sondern auch beim Registrieren war deutlich spürbar, daß die Schuke-Orgel der Zionskirche trotz ihrer Klangkraft den interpretatorischen Ansprüchen eines an französische Kathedralenorgeln gewöhnten Organisten nicht gerecht wurde. Trotz dieser technischen Mängel wurde eine beeindruckende und virtuose Vorstellung durch einen großen Organisten geboten, der durch seine technischen und künstlerischen Fähigkeiten seines Spiels dieses Manko mehr als nur auszugleichen wusste. Eine grandiose Eigenkomposition, die er uns zu Gehör brachte; verspielt, fröhlich, leicht, bis hin zu gewaltig und das gesamte Klangreservoir der Orgel ausnutzend, bot er einen souveränen Umgang mit diesem wohl anspruchsvollsten "aller Musikinstrumente.“

Seine folgende Eigenkomposition „Salve Regina“ wurde in zarten pastellfarbenen und einer dezenten barocken Klangfülle ausgeführt. Hier konnte die Schuke-Orgel ihre barocke Klangpracht einmal ungehindert zur Geltung bringen.

In der Toccata und Fuge in F von J.S. Bach, sowie in dem Orgelstück von Cesar Franck „Priere“ gelang Hakim ein sehr ausgewogenes, wunderschön registrierendes in ein farbenprächtiges Klangbild verpackter Vortrag. Hier beherrscht Naji Hakim neben den eigenen Kompositionen selbstverständlich auch die Klassiker der Orgelmusik wie die mächtige Toccata und Fuge von Bach. Sie präsentierte er in Bielefeld mehr als nur perfekt, hier stellte sich ein absoluter Spitzenorganist vor, der seine künstlerische und ungemein virtose Art mehr als beweisen konnte.

Seine anschließende Eigenkomposition: „Bach’orama-Improvisation“, mit musikalischen Themen von J.S.Bach - wie u.a. aus der H-moll Messe; den Brandenburgischen Konzerten verpackt; - nicht allzu modern, aber in der Improvisation und der Harmonik ein unübertroffendes Orgelstück. Hier gibt sich der große Meister des Improvisierens zu erkennen, zumal sein virtuoses, künstlerisch auf hohem Niveau stehendes Spiel und seine Registrierung unübertroffen ist.

Das gleiche Kunststück gelang ihm in der freien Improvisation über den Choral: „Ein feste Burg ist unser Gott.“ Wunderschön ausnuanciert und facettiert im Thema; einmal in barocker Klangvielfalt, dann etwas moderner, aber im Klangbild entsprechend zurücknehmend, dann wiederum dem Wortlaut des Chorals entsprechend: Ein feste Burg“ mit wuchtigen Klangfarben untermauert, gelang ihm hier eine beispielhafte Interpretation- und Improvisationskunst der allersten Qualität. Hakim entwickelt hier seine ganz eigene musikalische und klangliche Sprache und formte aus dem Stegreif ein ausdrucksstarkes und geschlossenes Klanggemälde.

Die Zuhörer waren hingerissen, ob seines grandiosen Spiels, mit Standing Ovatione entließen sie diesen großartigen und liebenswürdigen Künstler in einen glückseligen Abend.

Link: Homepage von Najim Hakim, Einsicht in persönl. eingespielte Orgelwerke


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