Sonntag, 22. Januar 2006

Konzert der Prüflinge der Aufbaustudiengänge Kirchenmusik A und künstlerische Ausbildung, Chor- und Orchesterleitung in Herford.

Herford, 22. Januar 2006

Heute erstelle ich einen Bericht über ein Konzert der Prüflinge der Aufbaustudiengänge Kirchenmusik A und künstlerische Ausbildung, Chor- und Orchesterleitung in Herford.

Sonntag, 22. Januar 2006, 20:00 Uhr

Marienkirche Stift Berg Herford

im Rahmen der Aufbaustudiengänge Kirchenmusik A und künstlerische Ausbildung, Chor- und Orchesterleitung.




St. Marienkirche Herford (Foto: V.Hege)

Zum Programm :

Johann Sebastian Bach (1685-1750) Kantate BWV 65 „Sie werden aus Saba alle kommen“

Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) Kantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“

Bara Grimsdottir, Isländ.Komponistin "Eg vil lofa eina ba" (geb. 1960)

Wolfgang Amadeus Mozart "Laurentische Litanei KV 195" (1756-1791)

Ausführende: Jutta Potthoff (Sopran), Wolfgang Tiemann (Tenor), Dorothea Ohly (Alt), Hartmut Ernst (Bass) KMD Jörg-Neithardt (Orgel-Positiv) Kammerorchester (Konzertmeister Burghard Schmilgun) Chor der Hochschule für Kirchenmusik Herford, Leitung: Benjamin Dippel (Bach), Annette Petrick (Mendelssohn) Sonja Lehmann (Grimsdottir, Mozart) Künstlerische Gesamtleitung: Hildebrand Haake

Für das Programm zeichneten die Prüfungskanditaten in Selbstauswahl der aufgeführten Werke. Das Programmheft, mit einleitenden persönlichen Textbeiträgen über die aufgeführten Werke oblag den Prüflingen. Optimale Bedingungen für die Kandidaten erwies sich das professionelle Orchester sowie der halbprofessionelle Chor, gebildet aus Studenten und Gastsängern.

Die Gesangs-Solisten waren aus den Reihen der ehemaligen Studentenschaft verpflichtet worden. Die Prüfungsbedingungen für die A-Examinanten sind so optimal wie sie sicher lange nicht mehr sein werden. Der Alltag eines Kirchenmusikers sieht entsprechend in der rauen Wirklichkeit anders aus.



St. Marienkirche Herford, Innenansicht (Foto: V. Hege)

Das ruhige Dirigat und die Umsetzung der Kantate BWV 65 "Sie werden aus Saba alle kommen" von Benjamin Dippel geleitet, erfuhr eine schöne Interpretation und Wiedergabe. Im Fugato des Eingangschores mit hervorragend lockeren Unter-und Mittelstimmen des Chores zeigte sich das Problem des Abends – der Konflikt zwischen dem Wunschtempo und dem des Kirchenraumklanges zu meistern - gelang ihm vortrefflich. Die Tenorarie (Satz 6) als Menuett, beginnt mit einer ungewöhnlich langen Orchesterein-leitung, die sehr schön in ihrer Klangpracht umgesetzt wurde, sowie im Dirigat und in der Interpreatation ohne Fehl und Tadel wirkte.

Die Aufführung der Kantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ von Mendelssohn-Bartholdy oblag der Kandidatin Annette Petrick. Diese Kantate wurde erst 1970 wieder Entdeckt. Ihr Dirigat schien ganz auf Sicherheit abgestellt zu sein. Ihr stetiger Blick in die Noten ohne grossen Kontakt aufnehmend zum Orchester sonder nur bei den Einsätzen des Chores den Blickkontakt aufzunehmen, erwies sich als Hemmschuh, zumal sie ein großräumiges Dirigat bei einem Mezzoforte bevorzugte. Hier wird sich ihr ein Problem stellen, wenn ein Fortissiomo entsprechend umzusetzen sein wird. Hier trat das Kammerorchester als ein hilfreicher Partner im Tempi und in der Wiedergabe auf. Eine faszinierende Art des Musizierens ergab sich mit einem Chor, der sich klanglich ausgeglichen und strahlend zeigte.

Die weitere Kandidatin Sonja Lehmann suchte losgelöst vom Notentext den Kontakt zum Chor und verstellte das Pult direkt vor ihnen. Bei ihrem A-Capella Stück der isländischen Komponistin Bara Grimsdotti;r "Eg vil lofa eina ba" erklang im Zweier- und Dreiertakt sowie wechselnden Rhytmen eine sehr moderne Werksfassung der in 1960 geborenen Komponistin. Hier überzeugte sie mit einem gekonnten Dirigat und einer glücklichen Hand in der Chorführung. Sehr gewöhnungsbedürftig diese moderne Art des Musikerklingens nach der Wiedergabe der schönen Kantaten unserer grossen Komponisten wie Bach und Mendelssohn.

Einen schweren Stand hatte sie mit ihrer „Litaniae Lauretanae de Beata Maria Virgine" KV 195 von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Solisten wechselten ständig ihren Platz, die Musik erklang im Wechsel zwischen den Chor und den einzelnen Solopartien, Solistenpaaren oder Quartett. Und alles in so rasantem Tempo das einige herrliche Streicherfiguren einfach hinwegmusiziert wurden. Die Dirigentin hatte den Chor fest im Griff, weniger den Solotenor, der seine Tonleitern im „Regina angelorum“ nicht immer stimmlich gekonnt ablieferte.

Stimmlich zueinanderpassend waren die Gesangssolisten der Grösse des Werkes nicht immer gewachsen, eine Ausnahme bildete hier die großartige Sopranistin Jutta Potthoff. Die vier Gesangs-Solisten sowie der Chor und Orchester reagierten flexibel und elegant, aber der eigentliche Höhepunkt wurde erst im „Agnus Dei“ erzielt. Hier wurde erfrischend und klanglich von allen Musizierenden ein gekonnter Abschluss gefunden.

Trotz gelegentlicher Schwächen kann den Prüflingen ein gutes handwerkliches Können bescheinigt werden was auch in einem grossen Beifall der Zuhörer zum Ausdruck bekundet wurde. Um unseren kirchlichen musikalischen Nachwuchs braucht uns nicht bange zu werden, das nötige künstlerische Können und Rüstzeug ist vorhanden nur ein anderes Problemfeld tut sich auf, wo werden sie unterkommen und ihr Können zu vervollständigen suchen, ob der rigiden Sparpolitik in der Kirche und den unzulänglichen Verdienstmöglichkeiten dort?



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