Sonntag, 19. Februar 2006

Orgelkonzert am 19.02.2006 in der St. Jodokus-Kirche Bielefeld

Bielefeld, 19.02.2006

Orgelkonzert am 19.02.2006 in der St. Jodokus-Kirche Bielefeld

Die ursprünglich 1653 von der Bielefelder Orgelbaufirma Reinking erbaute Orgel wurde im Laufe der Jahrhunderte erweitert. Das heutige Orgelwerk mit 42 Registern stammt aus den Werkstätten der Fa. Kreienbrink in Osnabrück (1974).

Erweitert im Jahre 1988 von der Orgelbauwerkstatt Fischer & Krämer in Endingen a. K. Mechanische Schleifladen mit elektrischer Registertraktur, sechs Setzerkombinationen, zwei Pedalkombinationen, Pleno, Tutti, Cymbelstern; Koppeln (elektrisch) I/II, III/II, III/I, I/P, II/P, III/P.Orgelpositiv der Orgelbauwerkstatt Claus Sebastian, Geesthacht, mit der Disposition: Metallgedackt 8‘, Rohrflöte 4‘, Prinzipal 2‘ und Quinte 1 1/3‘.Orgelpositiv der Orgelbauwerkstatt Klop, Garderen, mit der Disposition: Principal 8‘, Gedackt 8‘, Rohrflöte 4‘, Oktave 2‘ und Quinte 2 2/3



Kreienbrink-Orgel, St.Jodukus, Bielefeld von 1973, überholte Reinke-Orgel von 1653

Programm:

Wofgang Amadeus Mozart (1756-1791) Fantasie in f-Moll, KV 608

Jehan Alain (1911-1940) Variations sur un theme, de Clement

Jannequin Giroloma Frescobaldi (1583-1643 Toccata nona, aus dem 2.Buch der Toccaten, Canzonen

Jehan Alain ,Deux danses a Agni Yavishta, Allegro, Pas vite

Samuel Scheidt (1587-1654) Passamezzo, 12 Variationen über einen gleichbl. Tanzbass

Max Reger (1873-1916) 1. Sonate fis-Moll, op.33, Phantasie, Intermezzo, Passacaglia

Organist: Georg Gusia, Bielefeld

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Das von Mozart, in März 1791, in seinem Todesjahr, komponierte Orgelwerk, veranlasste ihn, sich von dem vollen Klang einer großen Orgel inspizieren zu lassen, lediglich im Bass, durch Vermeidung der gesamten untersten Oktave, sich zu beschränken. Es wird angenommen, dass Mozart eine Vorahnung seines Todes besaß, um mit dieser großen Fantasie für Orgel (Orgelwalze) sich ein Denkmal setzen zu wollen. Es ist sein bedeutendste Orgelwerk (für eine Orgelwalze), das immer wieder in der Orgelliteratur zu finden ist, da es zu den größten Orgelwerken, die unmittelbar nach Bach komponiert wurde, zuzurechnen ist. Eine gekonnte Interpretation und vorzügliche Registrierung erfuhr dieses Werk durch den Organisten Gusia, es war ein Highlight des Orgel-Programms.

Moderne Orgelmusik von Jehan Alain, Variations und Deux danses a Agni, erfuhr ebenso eine gekonnte und ansprechende Wiedergabe an dieser prächtigen Kreienbrink-Orgel.

Das Orgelwerk von Samuel Scheidt, Passamezzo, war ein absoluter Höhepunkt. Hier wurde farbenprächtige Barockmusik geboten. Die zwölf Variationen über einem gleich bleibenden Tanzbass, erlaubt einen Einblick in die Klangmöglichkeiten dieser Orgel. Ob in Terzen, colorierter Discant, colorierter Bass, Imitato Violistica, 3-oder 4-Stimmen oder der Dudelsack, dies alles gelang Gusia gleichermaßen erstaunlich gut mit einer feinen Kunstfertigkeit, die Beherrschung des Orgelspiels, die Fähigkeit, diese Vorgaben des Komponisten zu erspüren und dem Hörer nahezubringen, wurde gekonnt gemeistert und interpretiert.

Die 1. Sonate fis-Moll, op.33, im Jahre 1899 von Max Reger komponiert. Reger schrieb 1900 an Rheinberger, dieses Werk ist ein neues Verbrechen gegen Harmonie und Kontrapunkte. Fernab aller Sonatentradition heißt der 1, Satz Fantasie, der formal alles offen lässt. Fugenprinzip und passacagl. Reihungen lassen hier alle Möglichkeiten zu. Der 2.-Satz harmonisch reizvoll aber musikalisch recht zerquält anhörbar. Im Schlusssatz weist die Passacaglia alle Vorzüge und Schwächen des frühen Reger auf, harmonischer Reichtum, originelle Figurationsmuster und gelegentliche Aufhebung der Harmonik lassen dieses Werk nicht gerade als ein Optimum von Reger erklingen. Trotz dieser kompositorischen Unzulänglichkeiten erklang ein modernes Werk, in dem Gusia dieses Werk der Hörerschaft nicht vorenthalten wollte und die Möglichkeiten einer Orgel für das „Moderne“ den Besuchern aufzeigen wollte, was ihm auch zufrieden stellend gelang.

Herzlicher Applaus an den Organisten, für diese ungewöhnliche Werksauswahl, bekundete trotz alledem einen nicht unzufriedenen Besucher.


Link: CD-Einspielung St.Jodukus Bielefeld bei jpc


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