Sonntag, 14. Mai 2006

Archiv Beitrag: AD FESTUM II "Festkonzert zum Mozartjahr Kloster Corvey

Abtei-Kirche, Schloss Corvey, 14. Mai 2006

AD FESTUM II

Festkonzert zum Mozartjahr 2006 17.00 Uhr


Abteikirche, Schloss Corvey (Copyright: V.Hege)

Programm:

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Suite Nr. 2 für Violoncello solo in d-Moll, BWV 1008

Suite Nr. 4 für Violoncello solo in Es-Dur, BWV 1010

Wolfgang Amadeus Mozart (1765-1791)

Missa da Requiem in d-Moll, KV 626 (1791) (vervollständigt von Franz Xaver Süßmayr)

Ausführende:

Peter Bruns, Violoncello solo (J.S. Bach)

Detmolder Kammerorchester (W.A. Mozart; Requiem)

Chor und Solisten der Hochschule für Musik, Detmold (W.A. Mozart; Requiem)

Leitung: Prof. Gerhard Weinberger (W.A. Mozart; Requiem)

Auch Ostwestfalen möchte in einem würdigen Rahmen das Mozartjahr mit einem AD-Festum begehen, dass in der alt-ehrwürdigen Abteikirche des Klosters Corvey einen angemessenen Rahmen besitzt und in Folge II - am Sonntag, 14.Mai 2006 - veranstaltet wurde. Für den 1. Programmpunkt, Violincello solo von J.S. Bach, konnte eine Koryphae in der Person von Peter Bruns, Professor und Dozent an der Musikhochschule in Leipzig, verpflichtet werden. Peter Bruns spielt auf einem Cello von Carlo Tononi, Venedig 1730, das sich im Besitz des legendären spanischen Cellisten Pablo Casals befand.



Peter Bruns , Cello (Copyright: V.Hege)

J.S. Bach schrieb 6 Suiten für Violincello solo, es wird vermutet, dass sie in zeitlicher Nähe zu den Sechs Sonaten und Partiten für Violine solo komponiert wurden. Die Entstehungszeit wird auf den Zeitraum der Köthener Jahre von 1717 bis 1720 datiert. In diesen schwierigen solo Werken von J.S. Bach beherrschte ein hochrangiger Künstler sein Instrument mit aller dazugehörenden technischen und künstlerischen Perfektion. Die Akustik war phänomenal und perfekt, der Solist wurde auf einem erhöhten Podest in den Altarraum der Abtei-Kirche platziert. Ohne Partitur diese zwei Solostücke in einem Zeitrahmen von ca. vierzig Minuten den Besuchern zu Gehör zu bringen, ohne einer großen Pausenunterbrechung, bezeugt von einer absoluten Spitzenklasse an Konzentrationsfähigkeit, die nur zu bewundern ist. Das Cello erwies sich in den Resonanzbögen als das „Non plus Ultra“ für eine perfekte und gekonnt erklingende Wiedergabe Bachscher Violincello Solo-Musik. Stürmischer und verdienter Applaus für einen Künstler, der das Publikum zu begeistern wusste.

Der anschließende Höhepunkt wurde mit dem Mozart-Werk „Missa da Requiem in d-moll, KV 626“,(Süßmayr-Fassung) geboten. Hier wurde Spät-Barockmusik in einer feinen und kleinen Besetzung wiedergegeben, die den baulichen Gegebenheiten perfekt angepasst wurden. Das Detmolder Kammer-Orchester (ca. 40 Mitwirkende) sowie der Chor (25 Sängerinnen und Sänger) nebst den vier Gesangssolisten, erfüllten vollends den Erwartungen, die man von dieser hochrangigen Musikhochschule bereits in der Vergangenheit her erleben durfte. Das Kammerorchester wusste zu überzeugen durch ein virtuoses Spiel, und perfekte Ausstrahlung, Sensibilität, Temperament, Beweglichkeit und falls erforderlich die Leichtigkeit und Eleganz als Attribut mit einzubringen.


Die vier Gesang-Solisten (ehemalige Studierte der Hochschule), Sabine Ritterbusch (Sopran), Gerhild Romberger (Alt), Wolfgang Tiemann (Tenor) und Markus Köhler (Bariton), sangen ihren Part gekonnt und perfekt auch in der stimmlichen Artikulation und Wortaussage.



Gesangssolisten: Markus Köhler,Wolfgang Tiemann,Gerhild Romberger,Sabine Ritterbusch, (Foto: NW)

Zu bewundern ist der kleine Hochschul-Vokal-Chor, (bestehend aus 25 Mitgliedern und Studenten der Musik-Hochschule Detmold) der restlos zu überzeugen wusste. In den einzelnen Stimmlagen gut ausgebildete Sängerinnen und Sänger, die diesem Requiem mehr als gewachsen waren. Hier erklang das Mozart-Werk in einer kleinen und feinen Besetzung, wie man sie nicht alle Tage zu Gehör bekommt. Wie wohltuend ist so ein kleiner Besetzungskreis, einmal losgelöst von einer sonstigen Aufführungspraxis des Größenwahns (Orchesterbesetzung von 60-80 Mitstreitern, Chöre von 100 und mehr Mitgliedern), erklingt dieses großartige Werk in ganz anderen Dimensionen.

Das Empfinden für die klangliche Wiedergabe durch das Orchester und Gesangsdarbietung erlebt der Hörer viel intensiver, nuancenreicher und in einer viel innigeren Form.

Auf forciertes Pathos verzichtend, verlieh Weinberger Mozarts so ganz und gar nicht depressiv wirkender, gleichwohl abgründiger Vertonung der Totenliturgie Transparenz. Plastisch formende Führung feuerte zu glühenden Steigerungen an und erzwang mit jähem Piano suggestiv Zartheit. Kraftvoll gelang der Einsatz der gewaltigen Doppelfuge im Kyrie. Erregt wogende Stimmen erweckten die Vorahnung kommender Schrecken, bevor das Jüngste Gericht mit Wucht hereinbrach. Herrlich leuchtete das „lux aeterna“. Diese Aufführungsform ist dem Leiter Prof. Gerhard Weinberger mehr als zu danken, zumal er durch sein umsichtiges und gekonntes Dirigat zu dieser Aufführung das Wesentliche mit beizutragen im Stande war. In Zukunft sollte diese Aufführungspraxis Bestand haben und die Form einer Mammut-Veranstaltung von "Gestern" sein.

Eine musikmeisterliche Sternstunde in der Abteikirche. Ehrfurchtsvolles verharren der Besucher nach dem Schlussakkord um dann von dem entzückt Erlebten mit einem stürmischen und lang anhaltenden Applaus den Vortragenden für ein Konzert der absoluten Spitzenklasse zu danken.


Detmolder Mitwirkende und Dirigent Gerhard Weinberger (Copyright: V.Hege)

Link für Orgel-CD's von Prof. Weinberger bei j p c !

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