Sonntag, 3. September 2006

Ergreifende Orgelmusik erklang zum Beginn des Sommerzyklus in der Kollegiumskirche Brig-Schweiz

Brig-Wallis, Schweiz, 03.09.2006

Ergreifende Orgelmusik erklang zum Beginn des Sommerzyklus 2006 in der Kollegiumskirche Brig.



Ansicht der Kollegiumskirche Brig / Wallis-Schweiz (Copyrigth: V. Hege)




Ansicht der Flüglister-Orgel in der Kollegiumskirche Brig / Wallis-Schweiz (Copyrigth: V. Hege)

Programm:

J.S. Bach Toccata und Fuge in D-Moll, BWV 565

Wolfgang Amadeus Mozart Adagio-Allegro-Adagio in F, KV 594

Franz Liszt Evocation a la Chapelle Sixtine

(mit Zitat „Ave Verum“ von Mozart, KV 618)

Robert Schumann Zwei Fugen über B-A-C-H op.60

Nr.3 in G-Moll (mit sanfter Stimme)

Nr.2 in B-Dur (Lebhaft)

An der Flüglister-Orgel: Hilmar Gertschen, Naters

Titularorganist der Kollegiumskirche Brig / Schweiz

Als ein wahrer Meister seines Faches erwies sich Hilmar Gertschen an der vielseitigen Flüglister-Orgel in der Kollegiumskirche Brig / Wallis. Die Programmauswahl reichte vom Spätbarock bis zur Romantik und wurde Interpretatorisch und gekonnt wiedergegeben.

Über Toccata und Fuge in D-Moll, BWV 565, von J.S. Bach ist laut der Überlieferung erst mit der Abschrift aus der Feder von dem Kellner-Schüler Johannes Ringk (1717-1778) das Werk bekannt geworden. Über die Probleme ihrer Überlieferung und Autorenschaft ist hinweislich viel geforscht und geschrieben worden.

Ein phänomenaler Spannungsbogen gelang dem Organisten in der Registrierung und Klangwiedergabe in der Einleitung des 1.Satzes, im Mittelsatz der Fuge kontrastiert er wunderschön die Sechzentel als fugiertes Zwischenspiel und im Schlusssatz gelingt ihm die Harmonik der überschriebenen Kadenz im Tempo und Bewegungswechsel vortrefflich. Eine in sich kaum zu überbietende Wiedergabe dieses grandiosen Orgelwerkes durch einen profunden Bachkenner.

Zum Mozartjahr erklingt die kleine Fantasie f-Moll, KV 594; W .A. Mozart benennt es „Ein Stück für ein Orgelwerk in einer Uhr“. Zur Ehre von Feldmarschall v. Laudon, Sieger von Belgrad in den Türkenkriegen, dürfte dieses Werk als Trauermusik für das Mausoleum in Wien entstanden sein. Das Adagio leitet das Werk ein, im Mittelteil in F-Dur erklingt eine kleine Sonatensatzform. Die beiden Themen werden sehr prägnant durchgeführt sodass ein klangliches Kabinettstück entsteht. Das Anfangs-Adagio beschließt das Werk. Hier erweist die Flüglister-Orgel ihre Vielseitigkeit und wurde durch Gertschen gekonnt und in einer wahren Innigkeit im Klangspiel und einer bewegenden Registrierung zu Gehör gebracht.

Durch einleitende Worte zum Anfang des Konzertes machte Gertschen die Besucher mit dem Werk von

Franz Liszt: Evocation a la Chapelle Sixtine, (mit Zitat „Ave Verum“ KV 618 von W.A. Mozart) vertraut. Folglich soll Mozart während seines Italienaufenthaltes (1770) in Rom in der Sixtinischen Kapelle ein Vokal-Werk eines italienischen. Meisters gehört und abgekupfert haben. Als Hommage an Mozart angedacht, komponierte Liszt dieses Orgelwerk. Im 2. Satz war vortrefflich das „Ave Verum“ von Mozart zu hören. Eine gekonnt historische Wiedergabe in all ihren klanglichen Facetten gelang hier dem Organisten vortrefflich.

Zum Abschluss erklang von Robert Schumann: Zwei Fugen über B-A-C-H op.60;

Nr.3 in G-Moll (mit sanften Stimmen); sowie Nr.2 in B-Dur (Lebhaft).

Das op. 60, besteht aus sechs Fugen über den Namen B A C H. Schon früh setzte sich Schumann mit “Der Kunst der Fuge” von Bach auseinander und bezeichnete sein op.60 als ein wahrhaft poetisches Gebilde. Gertschen spielte aus diesem op.60 – beginnend mit Nr.3 in G-Moll (mit sanften Stimmen) -. In einer andachtsvollen Meditation wurde diese Fuge sehr gekonnt vom Organisten umgesetzt. Die zweite Fuge Nr.2 in B-Dur besticht durch Ihr motorisch-bewegliches und energisches Hauptthema und steht dem Typus einer Toccata nahe. Der Schlussteil entspricht wieder dem beweglichen Motiv des Hauptteiles und setzt so wieder den Glanz der virtuosen Fuge frei. Auch in dieser Interpretation des großen und einzigen komponierten Orgelwerkes von Robert Schumann erweist sich der Organist als ein Kenner der Materie und wusste in der Registrierung und der Klanggestaltung zu gefallen.

Eine gut gefüllte Kirche von Zuhörern – im Gegensatz zum Vorjahr - dankten dem Organisten Hilmar Gertschen mit einem nicht enden wollenden Applaus für eine großartige Orgelstunde.

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