Montag, 1. Januar 2007

Archiv-Beitrag: Weihnachtskantaten Braunschweiger Dom Dez. 2005

Braunschweig, 15.12.2005

Weihnachtskantaten erklangen unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner im Braunschweiger Dom.

Am Donnerstagabend, 15.12.2005, um 21:00 Uhr erklangen Weihnachtskantaten von Johann Sebastian Bach im altehrwürdigen Dom zu Braunschweig.

Braunschweiger Dom

Aufgeführt vom Monteverdi Choir und The English Baroque Soloists unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner.

Folgenden Kantaten wurden aufgeführt:

„Unser Mund sei voll Lachens“ BWV 110; „Süßer Trost, mein Jesus kömmt“ BWV 151; „Magnificat“ BWV 243a ( in der Frühfassung von 1723); Als Zugabe: Die wiederentdeckte Arie in der Anna Amalia Bibliothek im Juni 2005 in Weimar; „Alles mit Gott und nichts ohn’ ihn“ BWV 1127

Man kennt nur wenige Bachinterpreten, die über Jahrzehnte auf so einheitlich und hohem technischen Niveau ihr musikalisches Können unter Beweis stellen. Gardiners typische Art der Eleganz und schwungvollen Geschmeidigkeit in seiner Interpretation zu Gehör zu bringen ist immer wieder beeindruckend. In seinen schönsten Momenten entfaltete dieser Abend alles, was man von einer hochrangigen Bach-Interpretation erwarten durfte. Dass aus seinen Reihen sämtliche Vokalsolisten dem Monteverdi Choir entstammen unterstreicht einmal mehr, aus welch hochrangigen, professionell und stimmlich ausgebildeten Reservoiar er schöpfen kann. Ein Chor aus höchst präzisen Solostimmen, der die Choräle in den Kantaten zu voluminös strahlenden Glaubensbekenntnissen machte.

In den Koloraturen des Eingangslieds vergoss sich die Freude über die Christgeburt in wahren Lach-Kaskaden über die Zuhörer. Ruhiger und inniger strömte der Choral “Heut’ schleußt er wieder auf die Tür” in der zweiten Weihnachtskantate “Süßer Trost, mein Jesus kömmt” (BWV 151). Vortrefflich disponiert in ihrer gesanglichen Darstellung ist die Sopranistin Elin Manahan Thomas zu erwähnen. Mit der gleichnamigen Eingangs-Arie gelang ihr auch das eindruckvollste Solo des Abends: Elin Manahan Thomas sang mit wahrhaft engelsgleich reinem, vibratolosem Sopran diese Botschaft wie aus einer anderen Welt. Inniger kann eine Arie nicht umgesetzt werden hier hat Bach einen Ton der Innigkeit gefunden, in dem sich der silbrige Glanz der Traversflöte mit dem der Sopran-Stimme zu einer Einigkeit verband, die in der Musikliteratur einmalig erscheint.

Nicht alle Solisten vermochten gleich, aber alle hochkarätig zu überzeugen. Bassist Matthew Brook überzeugte ob seiner Stimmeskraft und Volumen und zeigte sich den Anforderungen mehr als gewachsen. William Towers konnte mit seinem klaren Altus natürlich nicht die weiche Fülle einer Altistin bieten, sang aber im “Magnificat” mit schöner Linie. Gardiner hatte für das Marienlob die D-Dur-Fassung von 1733 mit den weihnachtlichen Einlagen der Frühfassung von 1723 gewählt. Seidenfein spannte er die verweilenden Arien, gestaltete das “Deposuit potentes”, das vom Sturz der Mächtigen handelt, scharf und energisch.

Der Schluss des Magnificats (BWV 243) erklang ebenso wie der Eingangssatz mit den hochrangig besetzten Trompeten zu einem grandiosen Klangfinale. Stürmisch wurde der Chor im Finalsatz „Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto“ gesanglich von Gardiner im Dirigat durchgezogen, es war beeindruckend, wie mühelos das Orchester und der Monteverdi Choir diese Tempo-Klippe meisterten.

Die English Baroque Soloists gehören zu den wenigen Spitzenensembles, die auch auf historischen Instrumenten absolut perfekte Töne erzeugen.

Ein schmetternden Glanz der unfassbar sicheren Trompeten-Trias zu Beginn der Weihnachtskantate “Unser Mund sei voll Lachens”, (BWV 110) und in dem Magnificat (BWV 243), überzeugender kann der Part nicht erklingen sowie die weich und warm klingenden Flöten bis zum wohlig harmonierenden Basso continuo ein perfektes Klangerlebnis, die mehr als das Herz berührten.

In der Zugabe, der erst jüngst aufgefundenen Arie “Alles mit Gott”, die durch Zufall durch den Musikwissenschaftler Michael Maul im Juni 2005 in den Beständen der Anna Amalia Bibliothek im Weimar entdeckt wurde, ist die Komposition 1713 von Bach anlässlich des 53. Geburtstages von Wilhelm Ernst, Herzog von Sachsen-Weimar komponiert worden. In dieser Sopran-Arie brillierten die Sopranistinnen Elin Manahan Thomas, Charlotte Mobbs und Katherine Fuge ohne Dirigent mit einer zart erfüllten Interpretation. Als ein Juwel für die Zukunft ist die engl. Sopranistin “Elin Manahan Thomas” zu erwähnen!

engl. Sopranistin Elin Manahan Thomas!

Sir John Eliot Gardiner erhielt die ehrenvolle Aufgabe, die Arie „Alles mit Gott und nichts ohn’ ihn“ als erster aufzunehmen. Den Sopranpart sang dabei Elin Manahan Thomas; erschienen ist die CD kürzlich auf Gardiners Label „Soli Deo Gloria.“

Riesiger Applaus im weiten Rund des voll besetzten Domes bezeugten wiederum davon, dass die Besucher zwei Stunden einer Bach-Aufführung mit Weltniveau erleben konnten.

Kommentare:

Volker hat gesagt…

15.1.2007 von Ritus.

Hallo Forum!

Ich lese interessiert den geschrieben Artikel von dem Gardiner-Konzert im Braunschweiger Dom von Dezember 2005.

Mir hat das Konzert sehr gut gefallen was die Besucher mit ihrem Schlussapplaus auch frenetisch zum Ausdruck brachten.

Stark fand ich den Monteverdi-Chor in seiner Ausdrucksstärke und seinen gesanglichen Qualitäten, absolute Spitzensänger die ihm zur Verfügung stehen. Das Barockorchester mit seinem Timbre an Klang, erzeugte bei mir eine Gänsehaut, schöner kann Bachmusik nicht vorgetragen werden, einfach wunderbar, wie man sich daran berauschen kann.

Störend fand ich Anfangs die Kirmesmusik, die vom Weihnachtsmarkt in den Dom drang, deshalb wohl auch der späte Beginn des Konzertes um 21:00 Uhr? Hier sollte sich der Veranstalter für die Zukunft etwas anderes einfallen lassen.

Überzeugt war ich wiederum von dem Dirigat Gardiners, wie souverän er mit ruhiger Hand seinen Chor und sein Orchester leitete, einfach ein Genuss.

Ein SDG auf alle Mitwirkenden, es war rundherum ein herrlicher Bach-Abend mit überragenden Künstlern und schönen Weihnachts-Kantaten.


Ritus.

Volker hat gesagt…

Weitere Antworten auf “Weihnachtskantaten Braunschweiger Dom Dez. 2005”

1. Ritus sagt:
18.1.2007 bei 18:00

Hallo Martin,

von meiner Seite auch ein herzliches Willkommen im Neuforum von Gardiner. Ich habe mich gefreut, dass Volker dieses Forum über Gardiner geschaffen hat und man sich mit Interessenten austauschen kann.
Wie ich schon erwähnt hatte, fand ich das Konzert im Braunschweiger Dom bewegend und werde weitere Konzerte in Zukunft besuchen.
Schöne Stunden im Forum und Grüsse

Ritus

2. volker /Admin sagt:
18.1.2007 bei 18:00

Hallo Martin,

fantastisch Deine Konzerteindrücke von Ludwigsburg. Bevor ich näher im Forum darauf eingehe, sende ich Dir noch eine PN zu, da es mit der Veröffentlichung der Beiträge noch nicht so recht klappen will. Ich Benutze das Tool von Google-Blog mit dem Beiträge gesucht werden können.
Weiterhin schöne Stunden bis nachher.

Grüße
Volker /admin

3. Volker /admin sagt:
20.1.2007 bei 19:00

Hallo Martin,
Dein Zitat: Die beste Möglichkeit ist aber, sich im “Friends of Monteverdi Scheme” anzumelden.
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Genau das hatte ich auch angenommen, dass es über diese Schiene möglich ist, wird ja auch ausführlich beschrieben, das man als Friends die Möglichkeit eines Probenbesuches und
Treffen mit Chor- oder Orchestermitgliedern erhalten kann.

Wie Du erwähnst, warst Du in Königlutter 2005 auch, da haben sich unsere Wege ja schon wieder einmal gekreuzt, ich saß vorne in der 3. Reihe und hatte einen guten Einblick auf die Ausführenden.

Ich will mit Ludwigsburg beginnen und meinen Bericht einmal suchen und reinstellen.

Martin beachte bitte meine Mail, wenn Du einen Beitrag geschrieben hast und veröffentlichen willst muss der Buton
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Grüsse und schönes Wochende

Volker.