Sonntag, 18. März 2007

Archiv Beitrag: Diskussion über Solisten der BCP von @ Alex am 18.3.2007 verfasst!

Hallo,

eine sehr gute idee ist es, hier auch einmal die einzelnen Solisten zu besprechen.
Die für mich herausragende Sopranistin der Tour ist Katherine Fuge. Zu dieser Zeit hatte Gardiner sicher keine Bessere (seitdem ich inzwischen Julia Doyle erleben durfte, sehe ich dies heute anders :)).


Von Joanne Lunn war ich ehrlich gesagt nur sehr bedingt begeistert, ihre Sternstunde war sicher die Serie Berlin, Potsdam, Wittenberg, wo sie unschlagbar war. Ansonsten hatte man vielfach den Eindruck, sie war mit dem Programm restlos überfordert. Eine so dünne Stimme paßt für mich auch nicht in die Barockmusik, ein bißchen mehr Fundament sollte schon da sein.


Zu den Alti fällt mir zu allererst auch der meist hervorragend disponierte William Towers ein. Sicher dicht gefolgt von Daniel Taylor. Nathalie Stutzmann erwähnte ich ja bereits in meiner Leipzig Rezension. Ihre etwas hausbackene Optik und das Riesenvibrato überzeugten mich zu keiner Zeit.


Bei den Tenören war der Star der Tour der hier schon erwähnte James Gilchrist, dieser Meinung schließe ich mich restlos an. An zweiter Stelle für mich ganz klar Christoph Genz, der im Weihnachtsoratorium einen umwerfenden Evangelisten gibt.


Zu den Bässen fällt mir immer nur ein Name ein: Peter Harvey; Stephen Varcoe habe ich nicht live erlebt, auf den CDs macht er keine schlechte Figur. Live erlebt habe ich auf der Tour Gotthold Schwarz und Dietrich Henschel. Gerade bei letzterem hatte ich oftmals den Eindruck, er wolle unbedingt zeigen, daß er Schüler von Fischer-Dieskau war. Sein Dauerforte war vielfach einfach unpassend und an der Musik vorbei.


Peter Harvey ist und bleibt für mich die Topbesetzung für Bach. Eine solche Innigkeit und Wärme habe ich bei keinem anderen Bass je gehört. Ganz deutlich wird das in der Liveaufnahme der Kantate “Ich habe genug” BWV 82 von DG. Wer diese CD noch nicht hat, osllte sie sich dringend kaufen. Sie ist ein weiteres Juwel der Serie.


Viele herzliche Grüße,
Alex

P.S. Volker /admin, diesen Kommentar von @ Alex habe ich am 19.3.2007 in eine neue Kategorie als einen eingenständigen Beitrag verschoben, hier hat @ Alex ganz spezifisch die Solisten der BCP angesprochen und das sollte zu einer regen Diskussion führen. Danke für euer Verständnis! Volker /admin

1 Kommentar:

Volker hat gesagt…

8 Antworten auf “Diskussion über Solisten der BCP von @ Alex am 18.3.2007 verfasst!”

1. Volker /admin sagt:
19.3.2007 bei 19:00

Hallo Alex,

dein Einverständnis vorausgesetzt habe ich von deinem Kommentar an @ Muriel einen eigenständigen Beitrag gemacht und in eine neue Kategorie: “Diskussionen über Solisten der BCP-Tour und Gegenwart” verschoben, Das sind so inhaltsreiche und beschriebene Angaben deinerseits dass ich es schade finde, wenn dieser tolle Beitrag unter Kommentare
verschwinden würde.

Ich werde mich morgen erst dazu äußern können, weil ich z.Zt. noch mit anderen administrativen Arbeiten beschäftigt bin. (Cantatafinder, etc.)

Schönen Abend und herzliche Grüsse
an alle

Volker

2. Alexmusician sagt:
19.3.2007 bei 19:00

Hallo Volker,

kein Thema. Ich hoffe, es gibt eine rege Diskussion zu diesem sicher spannenden THema.
Viele Grüße,
Alex

3. Alexander Behrens sagt:
19.3.2007 bei 22:00

Hallo Alex und andere Blogteilnehmer,
will gleich mal mein Debüt geben als Neuer im Blog.
Alex’ Begeisterung von Katherine Fuge teile ich. Dass Joanne Lunn im Projekt überfordert war, sehe ich aber nicht so. Es mag wahr sein, dass sie kein besonders belastbares Material hat (oder vielleicht verschleißreich singt? habe ich keine Ahnung von sowas), aber die überragende Musikalität und Intelligenz ihres Vortrags wiegen für mich viel mehr.

Sie versteht die Dramatik der Musik und setzt den Tremolo als musikalisches Ausdrucksmittel ein, er führt kein unkontrolliertes Eigenleben bei ihr. Und ist BWV 155 keine Wucht?! Was haltet ihr übrigens von Gillian Keith (SDG 127) und (ähnlich in Timbre und Phraseologie) Lisa Larsson (SDG 121)? Ich bin von beiden begeistert, wie seinerzeit von Magdalena Kozena (BWV 199).

William Towers hat einen schönes, zum Instrumentarium passendes Timbre, bei ihm fehlt mir aber die Musikalität des Vortrags. Wie man die Dramatik einer BWV 81 dermaßen boykottieren kann … ich kann’s nicht verstehen. Mein “Lieblingscounter” Robin Blaze war leider nicht in der Tour mit dabei, wie es scheint. Am besten hat mir in der SDG-Serie bislang Robin Tyson, jetzt zweiter Counter bei den King’s Singers, gefallen, seine Phraseologie und Kunst, Spannungen aufzubauen und zu lösen.
James Gilchrist ist auch einer meiner Favoriten. Kantabler, spannungsreicher Vortrag, feine Ohren.
War Dietrich Henschel wirklich Schüler von Dieskau? Würde ich sofort glauben. Das mit dem Dauerforte, da ist freilich was dran, aber irgendwie klingt der Mann. Er schlägt immer an wie ein Idiophon. Mir gefällt zum Beispiel SDG 101.
Alexander Behrens

4. Volker /admin sagt:
19.3.2007 bei 23:00

Hallo Alexander,

ich bleibe einmal beim ‘Du’ als Anrede, da es bei uns im Blog so üblich ist und ich dein Einverständnis voraussetze.

Ich heisse dich ganz herzlich Willkommen im Blog und freue mich sehr, dass Du meiner Einladung gefolgt bist, toll !!

Dein fundierter Start-Kommentar lädt uns direkt ein, eine hoffentlich anregende Diskussion über dieses spannende Thema zu führen, vielen Dank.

Aufgrund der späten Tageszeit werde ich erst einmal nicht weiter darauf eingehen sondern morgen dazu Stellung beziehen.
Eine persönliche Mail werde ich Dir noch zuschicken

Herzliche Grüsse nach Leipzig

Volker

5. Ritus sagt:
20.3.2007 bei 16:00

Hallo zusammen,

erst einmal möchte ich Alexander ebenfalls recht herzlich im Blog begrüssen und bewundere den schönen Start-Kommentar!

Ich bin, wie bekannt, eine lesende und musikhörende Genießerin
von Gardiners Musik.
Mit großen Interesse verfolge ich hier die Diskussionen über
die Solisten und bin weiterhin sehr gespannt auf eure Beiträge.

Grüsse
Ritus

6. Volker /admin sagt:
23.3.2007 bei 18:00

Hallo zusammen,

zu der Aussage von @ Alex, ich zitiere:”Dietrich Henschel. Gerade bei letzterem hatte ich oftmals den Eindruck, er wolle unbedingt zeigen, daß er Schüler von Fischer-Dieskau war. Sein Dauerforte war vielfach einfach unpassend und an der Musik vorbei.”
————
@ Alexander seine Aussage, ich zitiere: “War Dietrich Henschel wirklich Schüler von Dieskau?”
————
Ja, er hat Gesangsuntericht bei Fischer-Dieskau genommen!

Mir hat sein Lehrherr absolut besser gefallen, er war internaional einer der Grossen, ich erinnere an die Einspielungen der Oratorien und Kantaten von Bach, was er da meistert, gehört zur absoluten Spitze, hiervon ist Henschel doch noch ein Stück von entfernt, aber er ist ja erst um die 40 Jahre alt und noch Entwicklungsfähig, was er auch von sich behauptet.

Seine neuste Liebe ist die eines Dirigenten, ein Studium dessen hat er auch vorgenommen.

Grüße
Volker

7. muriel sagt:
26.3.2007 bei 10:00

Grüß Gott, liebe Foristinnen/Foristen,

mal wieder eine Frage an die Kennerinnen und Könner. Steel Perkins ist ein toller Trompeter. Ich hörte ihn original bei der H-Moll-Messe in Köthen, ganz wunderbar, da sitzt jeder Ton. Nebenbei, bei einer Aufnahme des Brandenburgischen Konzerts Nr.2 mit Koopmann spielt Perkins so, dass man weder das Brandenburgische noch Perkins richtig wiedererkennen kann. Gleichgültig, ein Bekannter von mir behauptet, die Engländer würden beim Blech “schummeln”, indem sie die Instrumente enger mensurieren, dadurch gäbe es einen helleren, strahlenderen Klang, als bei unseren Trompetengrößen (Immer, Friedrich, Sauter…) Wer kann dazu etwas sagen?

Bitte seid nicht so stumm, liebe Grüße
muriel

8. Volker /admin sagt:
26.3.2007 bei 15:00

Hallo Muriel,

eine Frage meinerseits vorab, da ich gestern aus Köthen zurückgekehrt bin würde es mich einmal interessieren, wann Du dort warst und die H-Moll-Messe mit Steel Perkins gehört hast.

Englischer Trompeter: Crispian Steele-Perkins (Foto: Hyperion)

Perkins ist bekannt als Sammler von alten Instrumenten der verschiedensten Bauart und spielt sie dann auch.

Eine Aussage von ihm:
Ich genieße, auf der modernen Trompete zu spielen und ich genieße es, auf der Kompromißtrompete zu spielen.

Da ich kein ausgesprochener Fachmann des Trompetenspiels bin, kann ich hier nur allgemein gültige Aussagen wiedergeben.

Dass er ein wunderbarer Trompeter ist, kann ich meinerseits nur bestätigen ich bin begeistert von seiner virtuosen Fertigkeit, die er besitzt. Fantastische Einspielungen von Hummel, Händel, Haydn belegen seine Qualitäten.

Grüsse
Volker