Donnerstag, 29. März 2007

Archiv-Beitrag: Nach welchen Kriterien bewertet ihr die Gesangs-Solisten!

Hallo zusammen,

durch unsere Allgemeinäußerungen zu den Tenören möchte ich diese Fragestellung einmal erörtert wissen nach welchen persönlichen Kriterien ihr die Gesangs-Kultur von Sängerinnen und Sängern bewertet.

Ist es die Artikulation, Timbre, Volumen, Wortverständlichkeit……., etc.

Diese Frage beschäftigt mich ungemein, da eine allgemeingültige Bewertung auch durch persönliche Einstellungen zur Person des Gesangs-Solisten im Unterbewusstsein eine Rolle spielen könnte, oder seid ihr davon ganz frei und unvoreingenommen?

Grüße

Volker

1 Kommentar:

Volker hat gesagt…

7 Antworten auf “Nach welchen Kriterien bewertet ihr die Gesangs-Solisten!”

1. Volker /admin sagt:
29.3.2007 bei 17:00

Hallo an alle,

@ Muriel danke für deine Rückantwort

von hier: http://s138620504.online.de/archives/95

die Textpassage von Dir stelle ich hier noch einmal rein, sie lautet:


“Damit sind wir bei Deinen Fragen, Volker, wonach beurteilen wir solche großen Musiker? Es sind vor allem Gefühle, anerzogene und antrainierte Stilrichtungen. Manchmal finden wir in bestimmten Situationen plötzlich Sänger gut, die uns früher nie gefielen. Aber es sind ja wohl auch nicht die Solisten, die uns bei Gardiner anziehen, es ist eine Musikauffassung, die einfach neu ist.”
—————

Ich will einmal versuchen meine Kriterien eines guten Gesangs zu definieren:

An erster stelle nenne ich für mich “subjektiv” das Stimm-Volumen, ein dünnes Stimmchen kann ich nicht ausstehen. Die Artikulation des Gesangs, saubere Koloraturen - kein verschlucken - dann die Wortverständlichkeit, da lege ich sehr großen Wert darauf, nuschelnde Gesangstexte sind für mich ein Graus. Das sind subjektiv gesehen, für mich die drei wichtigsten Punkte.
Als einen Nebeneffekt nenne ich die Persönlichkeit. Wenn er mich einzunehmen weiß, hat er schon halb gewonnen.

Für weitere Statements wäre ich dankbar.

Gruß

Volker

2. Barbara sagt:
29.3.2007 bei 17:00

Hallo Volker,

da bin ich mal wieder. Viel wird es in nächster Zeit nicht sein, was Ihr von mir hört. Mir geht es nach wie vor nicht gut. Alle, die in der Zwischenzeit dazugekommen sind, begrüße ich ganz herzlich. Ich wünsche Euch so viel Freude an den Austasch hier wie mir - und das ist, auch wenn Ihr nicht viel von mir hört - ein ganze Menge.

Ihr zwingt mich wirklich, mein Hörverhalten zu überdenken. Ich höre - und lasse mich fangen oder auch nicht. Und denke nicht wirklich darüber nach warum. Und dann ist es mir auch egal, wer singt (vor allem, da ich ich mir eh keine Namen merken kann). Es springt einfach ein Funke über. Ich glaube, wichtig sind für mich vor allem Emotionen. Da kann es auch mal bei allem was Du oben genannt hast, vor allem live, haken. Wenn die Seele nicht blank liegt, fehlt einfach etwas. Vor allem liebe ich die tiefen Stimmen, vokal und instrumental. Soprane und Tenöre erzeugen bei mir eher Spannungen - trotz objektiv wirklich guter Stimmen, während die Alt (nicht Altus) und Bass eher Entspannung aufkommen lassen.

Ich sehe schon, wenn die Passionszeit vorbei ist und die Passionen wieder hinten im Schrank verschwinden, werde ich die Kantaten alle noch einmal ein wenig anders hören.

Einen schönen Abend
Barbara

3. Volker /admin sagt:
30.3.2007 bei 00:00

Hallo Barbara,

wenn es für dich eine stete Bemühung bedeutet hier zu antworten umso schöner finde ich es. wenn wir dich wieder willkommen heissen dürfen, ich hoffe, dass es gesundheitlich dir besser gehen möge, alles Gute!!

Deine Sichtweise des Hörens habe ich von vielen so gehört, es ist eigentlich auch schön, ganz unbefangen sich der Musik hinzugeben und sich daran zu ergötzen und nicht auf jede Kleinigkeit zu achten, ob der Solist nun ein tauglicher Sänger von Gottes Gnaden ist….!!

Wie oft bemerke ich beim Barockorchester von Gardiner unreine Instrumente und höre einfach darüber hinweg, weil mir seine Art des Musizierens einfach grandios gefällt.

Danke nochmals für deinen interessanten Bericht, der einmal eine ganz andere Hör- und Sichtweise darstellt.

Alles Gute weiterhin und
liebe Grüße

Volker

4. Alexander Behrens sagt:
30.3.2007 bei 10:00

Liebe Muriel, liebe Barbara und lieber Volker und andere Interessierte,

jetzt versuche ich auch mal zu schildern, wie ich rangehe. Für mich gibt es folgende Punkte:

1.Phraseologie und Artikulation
2.Musikalität. Hörfähigkeit („Verschmelzungsfähigkeit“), dynamische Gestaltungsfähigkeit, Intonation (mit wohltemperierten Abweichungen kann man mich jagen), Einsatz des Tremolo als musikalisches Mittel und aus dem Zwerchfell kommend – das Kehlkopfvibrato wie bei Mark Padmore mag ich nicht so sehr
3. ein Feeling für das Pathos. Selbst wenn Stephen Varcoe seinen Tremolo absolut nicht unter Kontrolle kriegt – ich habe das Gefühl, dass das Pathos seines Vortrags sich irgendwie in die Musik einfügt.

Wo ich nicht so genau hingucke, ist das Material und die Phonetik. Wenn die Hörfähigkeit da ist, können mehrere verkorkste Stimmen für mich im Verband mehr bringen als fünf Schokoladenstimmen. So höre ich.

Dann gab es allerdings noch so einen Satz: Kritiker sind Hühner, die gackern aber keine Eier legen. Andererseits irgendwie reagiert man als Nichtsänger ja trotzdem. (Manchmal muss ich mir nur so vorstellen, was der eine oder andere Sänger denken muss, wenn er liest, was irgendwelche Laien über ihn schreiben :-)

Gruß! Alex

5. Ritus sagt:
30.3.2007 bei 12:00

Hallo Alexander,

deinen Beitrag habe ich sehr interessiert durchgelesen. Als nicht professionelle Musikhörerin ist es für mich als Leserin dieser Beiträge sehr aufschlussreich, nach welchen Kriterien ihr das beurteilt.
Deinen Schlusssatz mit: “was der eine oder andere Sänger denken muss, wenn er liest, was irgendwelche Laien über ihn schreiben” finde ich schön formuliert !!!
Gruß
Ritus

6. Volker /admin sagt:
30.3.2007 bei 18:00

Hallo Alexander,

in etwa decken sich unsere Kritikkriterien, nach denen wir die Gesangs-Solisten beurteilen.
In deiner uns zur Verfügung gestellten Musikhörprobe ist die Kehlkopfstimme von Padmore deutlich raushörbar, dies ist mir aufgrund der räumliche Weite im Königsdom Königslutter nicht unbedingt aufgefallen.

Schönes Wochenende und Grüße

Volker