Donnerstag, 6. September 2007

Archiv-Beitrag: Hier ist der Mitleser angesprochen, nach welchen Kriterien wird ein Counter-Tenor oder Altistin eingesetzt !

Hallo,

eine interessante Frage an alle Mit-Leser und Mitglieder im Blog stellt sich hier!

In vielen Kantatenwerken von J.S. Bach und anderen Komponisten setzt u.a. Sir John Eliot Gardiner und andere Dirigenten einen Counter-Tenor anstelle einer Altistin ein. Gibt es hierfür eine gezielte Begründung, wann ein Counter-Tenor eingesetzt wird und in anderen Werken die Altistin diesen Part übernimmt.

Diese Frage kann auch von nicht registrierten Mitgliedern in einem Kommentar beantwortet werden.

Über eine eingehende Begründung dieser gestellten Anfrage würde ich mich freuen.

Grüße

Volker

1 Kommentar:

Volker hat gesagt…

10 Antworten auf “Hier ist der Mitleser angesprochen, nach welchen Kriterien wird ein Counter-Tenor oder Altistin eingesetzt !”

1. Alexander Behrens sagt:
8.9.2007 bei 20:00

Dieser Blog braucht einen Spezialisten! Als Counter in die Mode kamen, kann ich mich erinnern, wurde in der DDR plötzlich Jochen Kowalski rumgereicht. Irgendwelche aufführungspraktische Überlegungen waren da nicht zu sehen. In beispielsweise BWV 64 Nr. 3 hat Gardiner 1998 einen Frauenalt eingesetzt und 2000 einen Counter. Hm.

2. Volker /admin sagt:
9.9.2007 bei 01:00

Hallo Alex,

ob uns da Spezialisten weiterhelfen können? Zu der gestellten Frage erhielt ich im Internet folgende Antwort:

“Countertenöre werden vor allem im Rahmen der Historischen Aufführungspraxis zur Darstellung entsprechender Partien Alter Musik eingesetzt, häufig auch für solche, in denen früher Kastraten gefordert waren.”
Meine Meinung: wird hier nach Lust und Laune des Interpreten entschieden, wen er als Besetzung heranzieht, Fragen über Fragen…….

Grüße
Volker

P.S. Nähere Angaben zu Jochen Kowalski:

“Entdeckt” wurde er während des Gesangstudiums (als Tenor) an der Ostberliner Musikhochschule, als er für eine Kommilitonin beim Vortrag der für eine Alt-Stimme geschriebenen Orpheus-Arie “Ach, ich habe sie verloren” von Christoph Willibald Gluck einsprang. Nach der Ausbildung bei Marianne Fischer-Kupfer, der Ehefrau des bekannten Regisseurs Harry Kupfer, gelang ihm an der Komischen Oper Berlin der Durchbruch mit der Titelrolle in Georg Friedrich Händels “Giustino”. Nach seinem Wiener Debüt in der Rolle des Prinze Orlowsky in Johann Strauß’ Operette “Die Fledermaus” äußerte Brigitte Faßbaender als vielleicht bedeutendste Darstellerin dieser Hosenrolle: “Jetzt möchte ich den Orlowsky nie wieder singen.”

3. Alexander Behrens sagt:
9.9.2007 bei 08:00

Ich glaube, dahinter stand teilweise auch die Überlegung, dass Bach für seine Sopran- und Alt-Partien reifere (geschulte) Thomaner verwendet hat, und man diesem Timbre näher kommen wollte. Stimmbruch in der Zeit: etwa 17 Jahre! Heute liegt er bei 12 oder 13. D. h. das waren nicht die kindlichen Knabensoprane von heute. Gardiner selbst hat in einem Leipziger Interview allerdings mal gesagt, dass er den Klang von damals nicht vollständig rekonstruieren kann und will. Der Zink wurde in der Renaissance gerne als jenes Instrument eingesetzt, das der menschlichen Stimme am nächsten kommt. Wenn ich heute einen Zink höre, denke ich: Mann o Mann.

4. Montanus sagt:
9.9.2007 bei 12:00

Hallo Volker,
Deiner Bitte um “eingehende” Begründungen bin ich soeben gefolgt und habe einen etwas längeren Kommentar zum Thema geschrieben.
Leider wurde ich den dann nicht los mit dem Hinweis “Der WP-Hashcash-Test schlug fehl”.
Gibt’s irgendwie eine maximale Wortzahl, soll ich meinen Beitrag stückeln, oder wie kann ich vorgehen?
Viele Grüße
Montanus.

5. Volker /admin sagt:
9.9.2007 bei 14:00

Hallo Montanus,

das Problem kann bei einem größeren Kommentar aus Zeitgründen passieren. Dann kopiere ich diesen WP-Hashcash-Test als Fehler-Hinweis in Word und gehe anschließend in den Kommentar-Bereich zurück und kopiere aus Word den verfassten Text wieder in den Kommentarbereich, das ist leider eine Macke von 1 & 1 bzw WordPress, versuche das einmal, die übrigen Fehlerhinweise lassen sich in dem eingefügten Kommentarbereich löschen!!

Viel Erfolg und einen schönen Sonntag.

Herzliche Grüße
Volker

6. Alexander Behrens sagt:
9.9.2007 bei 20:00

Hallo Montanus, das mit dem Hashcash-Fehler hatte ich auch eine Weile, Volker wird sich erinnern können. Bei mir war es aber nicht der Editierzeit geschuldet, sondern ging schlicht und einfach nicht; das kann hartnäckig sein. Hoffentlich bist du im Browser einen Schritt zurück gegangen und hast deinen Text gerettet. Im Cash war er sicher noch drin.

Alex

7. Volker /admin sagt:
23.9.2007 bei 13:00

Hallo zusammen,

ich habe mich weiter schlau gemacht und Experten befragt, hier einige Stellungnahmen dazu:

1. Stellungnahme:

Beim Altus gibt es verschiedene Möglichkeiten:

a. Knabenalt
b. Sehr hoher Tenor
c. Falsettierender Bariton

Jede Bestzung klingt anders. Ich falsettiere sehr gerne und schätze den Klang. Der ist sehr weich. Die hohen
Contertenöre klingen metallischer und schärfer. Ich würde bei Besetzungen heutzutage nicht allzu dogmatisch vorgehen. Nehmen was man hat und was gefällt.

2.)Stellungnahme:

- Bach hatte vertraglich mit Knaben die Sopran und Alt-Parts zu besetzen
- Altus bedeutet im übrigens hoch, also keine tiefe Frauenstimme.
- Bach hätte lieber mit Frauen gearbeitet, da kann ich mich gut hineinfühlen
- Ausserdem müssten die Soli von Chorsänger und nicht von Sologäste gesungen werden.

….., was einem Dirigent oder ein andere dazu bewegt so oder so zu machen muss man jeden fragen. Wir freuen uns allerdings, dass wir heute die Qual der Wahl haben.

Meine persönliche Anmerkung zu diesen Aussagen:

“Es ist heute wohl so an der Tagesordnung, dass je nach Belieben des Ausführenden ein Altus oder Altistin eingesetzt wird, eine zwingende Vorgabe, wie zu besetzten ist, gibt es demnach wohl nicht….

Grüße
Volker

8. Volker /admin sagt:
24.9.2007 bei 00:00

Hallo,

zur Abrundung des Themas habe ich noch einen interessaten Artikel in der Berliner Zeitung als Archiv vom 10.7.1888 gefunden.
Hier sagt der Autor u.a. fogendes:

“Im 15. und 16. Jahrhundert hatten die Falsettisten zu den allgegenwärtigen Stimmen der europäischen Musik gehört: Sie übernahmen den hohen Part in der Polyphonie, von Ockeghem über Josquin zu Palestrina.

“Bach ließ, einer alten theologischen Tradition entsprechend, den Heiligen Geist mit der Stimme des Altus singen, etwa in der Kantate “Geist und Seele wird verwirret”.

Zum ganzen Artikel der Berliner Zeitung setze ich den Link:

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1999/0710/magazin/0001/

Eine weitere Rezension von einem Weihnachtsoratorium ergab folgende Kritik:

“Bereite dich, Zion”: Wunderbar konzertieren Oboe d´amore und Altus miteinander. ”

Oder in einem Interwiev mit Andreas Scholl:

Die Zeiten, da man als Counter einen Exotenbonus hatte, sind längst vorbei. Wenn ich mich an manche Bachproduktion aus den Achtzigern und frühen Neunzigern erinnere, wo jeder Kantor, weil es gerade schick war, zu Passionsaufführungen einen Countertenor engagierte, dessen Qualitäten neben denen der Kollegen in der Regel deutlich abfiel, sind weitestgehend überstanden.

Link zum Interwiev:

http://portraits.klassik.com/people/interview.cfm?KID=11023

Interessante Links und Beiträge, schaut es Euch einmal an, der Einblick auf die Counter wird geschärft.

Grüsse
Volker

9. Volker /admin sagt:
24.9.2007 bei 01:00

Ein weiterer Link mit Auszügen daraus:

http://www.personal.uni-jena.de/~p1zaul/Countertenor/countertenor.htm

Man findet verschiedene Begriffe, die für diese Stimmlage verwendet werden:
Falsettist, Sopran, Altus, Sopranist, Contralto, Mezzo-Sopran, Alto und Counter-Tenor.
Wie ein Mezzo-Sopran taucht auch der Countertenor nur gelegentlich in das tiefere, volle Register ein, um einen dramatischen Effekt in den tieferen Passagen einer Arie zu erzielen. Countertenöre versuchen üblicherweise, ohne die Vollstimmfunktion auszukommen.

Seit kurzem liegt es im Trend, sich zum Countertenor ausbilden zu lassen, insbesondere seitdem Countertenöre wie David Daniels Weltkarrieren gemacht haben.

Im Bereich der alten Musik gibt es ein Bedürfnis, in das Zeitalter der Kastraten zurückzuhorchen. Einen männlichen Alt, Mezzo oder Sopran in einem Konzert zu hören, bringt einen Schatten der Vergangenheit in unsere Zeit.

Bach und Händel haben sehr viel Musik geschrieben. Ich hoffe, dass jeder, der ein Countertenor werden möchte, diese beiden Komponisten wirklich liebt. Von diesen Komponisten gibt es auf jeden Fall sehr viel Repertoire für Sänger, und es gibt noch ältere Musik, die Sänger studieren können.

Trotzdem ist es nur realistisch zu erwähnen, dass der Countertenor haupsächlich alte Musik aufführen wird.

Ich würde es begrüßen, wenn den Countertenüren mehr Möglichkeiten offen stünden, aber die Erwartung der Zuhörer ist, dass er Bach, Händel und andere alte Musik aufführt. Deshalb empfiehlt es sich, die barocke Verziehrungspraxis sehr detailiert zu studieren. Es ist zwingend notwendig, dass der Countertenor in erster Linie ein Barockspezialist wird.