Sonntag, 27. Januar 2008

Impressionen von der Mozart Gala am 15. Oktober 2006 in der Royal Opera London

4.2.2007 von Barbara.

Hallo,

mein Konzerterlebnis in London:

Szenen aus Idomeneo, Entführung aus dem Serail, Zauberflöte, La Clemenza di Tito, osi fan Tutte, Le Nozze di Figaro und Don Giovanni.

Sir John Eliot Gardiner, Conductor

The Monteverdi Choir
The English Baroque Soloists
Alison Bury, Leader
Stephen Medcalf, Director

Anna Chierichetti, soprano
Elin Manahan Thomas, soprano
Camilla Tilling, soprano
Lina Markeby, mezzo-soprano
Anne Mason, mezzo-soprano

Kurt Streit, tenor

Christopher Maltman, baritone
Kyle Ketelsen, bass-baritone
Matthew Brook, bass
Julian Clarkson, bass
Brindley Sherratt, bass


Wie es der Zufall wollte, fand genau zu der Zeit, als wir in den Herbstferien mit unserer Tochter ein paar Tage in London waren, dieses Konzert statt. Bach, Händel oder Haydn wäre mir zwar lieber gewesen, aber wenn es sein muss, tue ich mir auch mal für einen ganzen Abend Mozart an. Ich bekam netterweise frei, dazu das nötige Kleingeld, um mir eine ordentliche Karte zu kaufen und hatte einen wunderschönen Abend.


Foto: Aufführungsstätte: Royal Opera in London (Fotorechte bei: sauter.de)

Schon in das Opernhaus zu kommen, war überwältigend. Leider wurde der Zuschauerraum erst 10 Minuten vor Beginn geöffnet, so konnte ich die plüschige Pracht nur kurz genießen. Dafür erkundete ich das hohe großzügige Foyer, Pausenraum, was auch immer mit seinem Covent Garden entsprechenden Glasdach. Sehr beeindruckend

Wegen der Ankündigung als halbszenisches Konzert erwartete ich ein “Konzert” mit dem Orchester auf der Bühne und im engen Rahmen agierenden Sängern. Nun – dem war nicht so. Das Orchester war, wo es hingehörte – im Orchestergraben und Chor und Solisten agierten aufs munterste auf der spartanischen Bühne. Hier wurde mit minimalem Einsatz von Requisiten eine stimmige Atmosphäre für die einzelnen Opernausschnitte geschaffen, wobei die Übergange fließend waren und es recht hilfreich war, die einzelnen Opern zu kennen. Ganz nett am Rande: jeder Sitz hatte einen kleinen Bildschirm, auf dem die – englische- Übersetzung des Textes mitlief. Meinen habe ich sofort ausgeschaltet, aber die der Reihen vor mir lagen genau in meinem Blickfeld beim Blick auf die Bühne. Und eine Arie aus der Zauberflöte auf Deutsch zu hören und auf Englisch mitzulesen, hat schon seinen besonderen Reiz.

Immer wieder gab es überraschende Moment, sei es im Figaro, als Julian Clarkson in Frack und Gummistiefeln über die Bühne stolperte oder in der Zauberflöte die 3 Knaben (natürlich Mädels) derart flegelhaft um Papageno und Papagena herumwirbelten, dass eigentlich nur noch die Kaugummis gefehlt hatten. Und um mich herum wurden all diese Kleinigkeiten von den Zuschauern lautstark kommentiert. Nichts von englischer Zurückhaltung… Da die Bühne anscheinend nicht groß genug war, wurde auch der Zuschauerraum mit ins Geschehen mit einbezogen. Einiges spielte sich direkt vor meinen Augen ab. Am beeindruckendsten war die Schlussszene des Don Giovanni, gleichzeitig der Schluss des Konzertes. Die Posaunen kamen buchstäblich aus der Tiefe hinter dem Parkett und trieben Don Giovanni vor sich her durch die Zuschauer bis auf die Bühne. Eine Gänsehautszene, die die Spannung bis zum Schluss hielt.

Und musikalisch? Irgendwann zwischendurch hatte ich den Gedanken: So muss das sein, es geht gar nicht anders. Jeder einzelne Ton kam, als wäre er in diesem Augenblick erfunden worden, so spontan und frisch. Deshalb möchte ich auch keinen einzelnen der Sänger besonders herausheben. Es war ein absolut perfekter Abend. So mag ich auch Mozart.

Grüße
Barbara

1 Kommentar:

volker hat gesagt…

1. Volker /admin sagt:
4.2.2007 bei 19:00

Hallo Barbara,

dieser Bericht aus Deiner persönlichen Sicht ist Dir aufs Vortrefflichste gelungen. Schon die Einleitungssätze über die Royal Opera lassen einem einen Eindruck gewinnen, die dieses prächtige Opernhaus wohl zu bieten hat, sicherlich alles großzügig dimensioniert bis auf die Opernbühne. Wie Du berichtest, wurde der Zuschauerraum mit einbezogen,ist sie denn tatsächlich so klein geraten oder war es Absicht, das Bühnenspektakel in den Zuschauerraum mit einzubeziehen?

Gardiner betätigt sich ja im laufe des Jahres, wenn er nicht mit den Baroque Soloists und Monteverdi Choir auf Reisen ist, als Gastdirigent an zahlreichen Opernhäusern in Europa. Sein Standardopernhaus ist in Zürich aber genauso Mailand, London, etc. ist er zu Hause, ein gefragter Dirigent für die Zeit des Barocks und der Klassik.

Hier ist Dir ein einfühlsamer Bericht gelungen, der das Geschehen wiedergibt, wie es ein Leser von einem guten Rezesenten gewohnt ist, wunderbar gelungen! Ich habe den Bericht mit sehr großem Interesse gelesen, da es einmal eine ganz andere Art eines Berichtes darstellt wie wir es normalerweise nicht gewohnt sind, da wir über seine Kantatenaufführungen sonst nur berichten.

Dafür noch einmal ganz herzlichen Dank, für Deinen so gelungenen und aufschlussreichen Bericht, der einmal die andere Seite von Gardiners Tätigkeit beleuchtet.

Hier sollten wir in Zukunft auch im Blog mehr darauf eingehen und beschreiben zu versuchen, wie universiell und vielseitig Gardiner in seinem Tätigkeitsfeld ist.

Einen schönen Sonntagabend und herzliche Grüsse
Volker
2. Ritus sagt:
4.2.2007 bei 21:00

Hallo Barbara,

der Mozartbesuch in London als Deine Einstiegsbewertung hat mir sehr gefallen. Hier betritts Du Neuland und hast es prima uns zu schildern vermocht, wie so eine Opernwelt unter der Leitung von Sir J.E. Gardiner zu sehen und zu empfinden ist. Gratulation!

Liebe Grüsse von
Ritus
3. meinhardo sagt:
5.2.2007 bei 13:00

Hallo Barbara,

beneidenswerter Besuch des “Königlichen Opernhauses” London hast du unternehmen können, das geschieht nicht alle Tage.

Hier stellst du in einer packenden Form das Erleben vor und es macht Spaß, daran teilzunehmen. Diese Form einer Operndarbietung habe ich noch nicht erleben können, dass die Handlung sogar in den Zuschauerraum mit verlegt wurde.

Aber was geschieht heutzutage nicht alles in der Opernwelt, um die Besucher wieder in die Bühnenhäuser zurückzuerobern!

Du hast deine riesige Freude an der Veranstaltung famos rübergebracht und dem Blog einmal eine ganz neue Welt des Sir dargestellt, prima.

Grüsse
meinhardo