Sonntag, 20. Januar 2008

J.S. Bach Weihnachtsoratorium, BWV 248, was bevorzugt ihr, Nostalgie oder "Historische Aufführungspraxis"

Neue Aktualisierung am: 26.11.2008

mit neuen oder alten Veröffentlichungen am Themen-Ende angeführt.

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8.12.2007 von Volker /admin.

Hallo zusammen,

Weihnachten steht vor der Tür, da frage ich mich, welche CD soll es heute sein, die ich mir anhören möchte, greife ich zur Nostalgie oder doch lieber zur “Historischen Aufführungspraxis.” Die Auswahl an Einspielungen ist überwältigend, teilweise befinden sie sich in meinem Besitz, manche CD könnte der Sammlung noch hinzugefügt werden.

Über Befindlichkeiten und Empfindungen zu den Einspielungen, die ich nachstehend aufführe, sollten wir sprechen, was wird abgelehnt und was sind Eure Favoriten zum Hören?

Ich beginne mit der “Nostalgie”

In den Jahren 1723 bis 1750 war Johann Sebastian Bach Thomaskantor.

Es folgten u.a. Friedrich Doles, Johann Adam Hiller, Gottfried Schicht, Karl Straube und Günther Ramin in der Neuzeit. Beide zuletzt genannten Kantoren waren entscheidend prägend für die Entwicklung und auch für die Vervielfachung der Bekanntheit des Thomaner-Chores in aller Welt. Ihnen ist es zu verdanken, daß sich Leipzig zu einem Zentrum der Kirchenmusikpflege auf höchstem künstlerischem Niveau herausbilden konnte.

Die unter Karl Straube begonnenen regelmäßigen Aufführungen der Bachschen Passionen, des Weihnachtsoratoriums und der h-Moll-Messe wurden unter Günther Ramin, Kurt Thomas, Erhard Mauersberger und Hans-Joachim Rotzsch stets zu einem nachhaltigem Erlebnis für alle Hörer.

Günter Ramin ist gewissermaßen der Vater der nachfolgenden Thomaskantoren, denn er hat ihren Stil stark geprägt und auch den des Thomaner Chors.



“Weihnachtliche Chormusik” aus Leipzig, Doppel-CD Mauersberger + Rotzsch

bei amazon 13,95 € o h n e WO

Weitere Aufnahmen mit Ramin und Mauersberger, sind ebenfalls ohne dem WO erhältlich, es sind 10 CD’s


im Vertrieb von amazon zum Preis von 39,95 €. Die ersten beiden CDs enthalten die Johannes-Passion in einer Aufnahme mit Günther Ramin als Leiter. Die drei folgenden CDs enthalten Magnificat, Kantaten und Motetten unter der Leitung von Kurt Thomas.

CD 6 und 7 enthalten Kantaten mit Erhard Mauersberger Leitung. CD 8, 9 und 10 enthalten Kantaten unter Leitung von Hans Joachim Rotzsch.

Von Karl Straube, Günter Ramin, Erhard Mauersberger, bin ich auf keine CD-Wiederveröffentlichung des WO im Internet gestoßen, weiß jemand eine Bezugsquelle oder bleiben sie für immer verschollen oder als Neueinspielung wird davon Abstand genommen, weil sie für die Neuzeit als nicht anhörbar einzustufen sind?

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WO “Historische Einspielung” von Kurt Thomas 1958

Die obige CD ist eine Historische Einspielung von 1958 mit Kurt Thomas aus der Thomas Kirche in Leipzig, sie wurde als erste Stereo-Aufnahme berühmt, neu aufgelegt am 15.11.2006, 1-3. Teil

zu beziehen bei jpc für 5,99 €,

ein Fabel-Preis, mit Hörproben und als Download zu beziehen.

3-CD’s / 1. bis 6. Teil des WO / Preis: 9,99 €

bei jpc zu beziehen mit Hörproben !

Wiederveröffentlichung der legendären Aufnahme
aus dem Jahre 1958 am “authentischen
Aufnahmeort” - der Leipziger Thomaskirche.
Diese erste Stereo-Aufnahme des Weihnachts-Oratorium mit hochkarätigen Solisten gilt
als “Jahrhundert-Produktion”.

Mitwirkende: Agnes Giebel, Marga Höffgen, Josef Traxel, Dietrich Fischer-Dieskau, Thomaner Chor, Leipziger Gewandhaus-Orchester. Für unsere heutigen Hörgewohnheiten sehr gewöhnungsbedürftig eine Einspielung, wo die Choräle sehr ausgesungen werden, kein Tempo sondern noch “Sächsisches Traditionssingen.”


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Die nun folgende CD war die Top-Einspielung des WO in den 60-er bis 70-er Jahren, sie gehörte einfach auf den Gabentisch, eine legendäre Einspielung zu der Zeit von Karl Richter.

Karl Richter wuchs in der sächsischen Kantorentradition auf, übte auf Silbermanns Freiberger Domorgel, wurde noch von Karl Straube als Schüler angenommen und als ganz junger Mann Organist an der Leipziger Thomas Kirche bis zu seinem Wechsel nach München . Mit Top-Gesangs-Solisten, bis auf den Massen-Laien-Chor besitzt die CD ihre Feinheiten mit den hervorragenden Gesangs-Solisten wie: Gundula Janowitz, Christa Ludwig, Fritz Wunderlich und Franz Crass.

Karl Richter, Münchener Bach-Chor und Bach Orchester, 3 CD’s

bei jpc für 16,99 €

Die Aufnahme wird sehr oft verfehmt und gemieden, als eine Oper-Aufnahme abqualifiziert trotzdem besitzt sie bei mir einen hohen Stellenwert, sie ist meine ARCHIV-Aufnahme des Jahrhunderts, wer von den heutigen Interpreten ist noch in der Lage, solche Qualitäts-Gesangs-Solistinnen / Solisten aufzubieten? (Gundula Jowanowitz, Christa Ludwig, Fritz Wunderlich, Franz Crass), einfach ein Genuss!!

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WO Karl Münchinger, Stuttgarter Kammerorchester

bei amazon sind die CDs erhältlich

Karl Münchinger ging es ähnlich wie Karl Richter. Sie waren zentrale Mitstreiter der sechziger Jahre, als Harnoncourt noch Aussenseiter war. Elly Ameling, eine wunderbare Bach-Sängerin, warmer, klarer Sopran. Helen Watts, höchst erfahrene Oratoriums-Sängerin mit sehr angenehm dunklem Timbre.

Elly Ameling, Helen Watts, Tom Krause, diese herrliche Solisten lohnen allemal, diese Aufnahme zu kennen. Bei heutigen Aufnahmen wird dieses Niveau der Sänger selten erreicht.

Diese Aufnahme ist im Bestand meines Altarchivs als LP, sie höre ich immer wieder gerne und besitzt den gleichen künstlerischen Wert, wie die obige Karl Richter-Einspielung. Diese Aufnahmen waren in den 60-er Jahren die Tops und besitzen bei mir persönlich einen hohen Stellenwert.

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Die ersten und weitere neuzeitliche Einspielungen der “Historischen Aufführungspraxis”

Als LP; Weihnachts-Oratorium BWV 248 Leitung: Gerhard Schmidt Gaden, Tölzer Knabenchor, Collegium Aureum,
Theo Altmeyer Tenor, Barry Mc.Daniel Bariton, Andrea Stein Alt, Hans Buchhierl Sopran, auf Originalinstumenten aus dem Jahr 1973, wurde im tiefen Kammerton der Leipziger Zeit Bachs eingespielt, gibt es ebenfalls neuerdings als 3-CD’s von: Deutsche Harmonia Mundi zu beziehen.

als LP / Gerhard Schmidt Gaaden und Tölzer Knabenchor

als CD bei jpc erhältlich!

Die hier genannte Aufnahme bekommt einen neuen Stellenwert, abseits der gewohnten Interpretation
durch Karl Richter…. durch Verzicht auf die voluminösen und sinnlicheren Frauenstimmen und modernen
Instrumenten und vergrößerten Klangkörper. Gerhard Schmidt Gaden, (Mitstreiter von Harnoncourt, der als der Urvater der “Historischen Aufführungspraxis gilt), versucht hier den Begriff des Authentischen zu vermitteln mit dem Willen, zum historischen Befund des Werkes zurückzukehren.

Die Streichinstrumente sind vorwiegend italienische Instrumente des 17. und 18. Jahrhunderts, mit Darmseiten bespannt in kurzer Mensur und leichtem Bogen gespielt.

Eine für die 70er Jahre revolutionäre Aufnahme, die für damalige Verhältnisse als gelungen betrachtet werden kann. Diese Einspielung ist als LP in meinem Besitz und werde sie mir aus nostalgischer Sicht einmal wieder anhören.

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CD’s bei amazon erhältlich / Neueinspielung in 2007 des WO von Nikolaus Harnoncourt,


Hierüber kann ich keine weiteren Angaben dazu machen, diese Aufnahme ist nicht in meinem Besitz.

Dazu Angaben von Sony BMG:

Der große Dirigent Nikolaus Harnoncourt hat sich mit dem brillanten Concentus Musicus, dem großartigen Arnold Schönberg Chor und einer fantastischen Solistenriege einer neuen Einspielung von Bachs Weihnachtsoratorium angenommen. Christine Schäfer, die durch ihre Auftritte bei den diesjährigen Salzburger Festspielen Kritiker aus aller Welt begeisterte, führt die Riege der hochklassigen Solisten an, bestens ergänzt durch den Bariton Christian Gerhaher, Bernada Fink als Mezzosopran und den Bass Gerald Finley.

Die Aufnahme entstand begleitend zu Konzerten im Wiener Musikverein, die von der Wiener Presse euphorisch gefeiert wurden. Die herausragende Interpretation und der einzigartige Klang des Wiener Musikvereins wurden in optimaler Weise aufgenommen.

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CDs WO von Ton Koopman bei amazon erhältlich aus 1996 mit Pregardien, Mertens und E. von Magnus

Diese Aufnahme besitze ich nicht, es liegen Stellungnahmen vor von langweilig bis sehr ordentlich gelungen eben eine persönliche Geschmacksfrage, Koopman scheint unbeteiligt und der Barockchor singt langweilig…, das Amsterdamer Barockorchester macht seine Sache insgesamt gut, vieles bleibt aber undeutlich…., vortrefflich die Gesangs-Solisten wie Pregardien und Mertens….!!

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CD bei amazon erhältlich !

WO von Helmuth Rilling, Gächinger Kantorei, Mitschnitt des SWF zum Jahreswechsel 1999-2000; mit Müller-Brachmann, Ingeborg Danz, James Taylor. Drei CD’s.

Diese Aufnahme ist ebenfalls nicht in meinem Besitz. Eine Bewertung dieser oder einer vorangegangener Einspielung von Rilling überlasse ich den Blog-Teilnehmern unter Kommentare…!!

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WO von Rene Jacobs, RIAS Kammerchor,

Akademie für Alte Musik Berlin. Aufnahme von 2001.

Zu beziehen bei j p c zum Preis von 19,99 €für 2 CD’s

Hervorragende Solisten geben sich hier ein Stelldichein: von Dorothea Röschmann und Klaus Häger hin zu dem hier wirklich hervorragenden Werner Güra, der einen Evangelisten abgibt, wie es heute wohl wenige gibt, Andreas Scholl in einer überzeugenden Altpartie wissen hier zu glänzen.

Zusammen mit der Akademie für Alte Musik Berlin - mit exzellente Trompeten besetzt - unter dem überzeugenden Dirigat von Jacobs gelang hier eine Einspielung, die für Furore gesorgt hat, eine wirklich empfehlenswerte Einspielung der Neuzeit, die das Prädikat “absolut empfehlenswert” besitzt.

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Nun mein ganz persönlicher Favorit der “Historischen Aufführungspraxis”

DVD Aufnahme von Dezember 1999 in der Herder-Kirche in Weimar.

Leitung: J.E. Gardiner, English Baroque Soloists, Monteverdi Choir !

DVD zu beziehen bei a m z o n !

Diese DVD-Einspielung zum Beginn der “Bach Cantata Pilgrimage 2000″ aufgenommen begeistert mich immer wieder, das ist Hören und sehen in exellenter Qualität.

Ein Hör- und Sehgenuss per excellence. The English Baroque Soloists brillieren mit einem wunderschönen barocken Glanz. Über die Musikalität, das Können und berauschend schönen Stimmen des Monteverdi Choirs braucht eingentlich nicht mehr diskutiert werden.

Erwähnen möchte ich noch das Blech, auf alten historischen Instrumenten spielend erklingen Trompeten der Extra-Klasse als ein vortrefflicher Hörgenuss, die Oboe mit dem barocken belgischen Weltstar Marcel Ponseele besetzt…, sein Spiel und Klangfarbe des Instrumentes vom Feinsten, ein Traum, ebenso die 1. Geige. mit Alison Bury besetzt sowie das gesamte Barock-Orchester ist unübertroffen im Schwung und Drive, in herrlichen Barockklangfarben musizierend zu hören, bleiben sie in dieser Art unübertrefflich.

Die Gesangs-Solisten: Claron McFadden (Sopran), Bernarda Fink (Alt), Christoph Genz (Tenor), Dietrich Henschel (Bass). Die Besetzungsliste kann als geglückt bezeichnet werden, leichte Probleme habe ich mit dem Sopran von Claron McFadden, hier ist die Wortverständlichkeit nicht sehr glücklich und hätte mir eine kraftvollere Stimme gewünscht.

Die Aufnahme- und Bildqualität kann als sehr gut bezeichnet werden. In dieser DVD kommt Gardiner selbst zu Wort und gibt eine Einführung in das Werk und seinen Proben, sowie berichtet er über seine anschließenden Tour durch Sachsen und Thüringen, wo er historische Stätten von Bach aufsuchte.

Für die Bach-Freunde ein sehr schönes Dokument der Neuzeit mit einer herrlichen Musik und einen in den Bachwerken total beseelten und inspizierten Gardiner, ein hervorragender Bach-Interpret der Gegenwart gibt sich hier ein Stelldichein.

Eine Alternative zur DVD-Einspielung!

WO mit J.E. Gardiner als CD, veröffentlicht in 1987 als Doppel-CD.

CD erhältlich bei amazon für 30,97 €

Das war meine erste CD von Gardiner überhaupt, gekauft Anfang der neunziger Jahre, für meine Hörgewohnheiten sehr gewöhnungsbedürftig, hier begann meine eigentliche Auseinandersetzung mit der “Historischen Aufführungspraxis” der ich mich stellen wollte. Nun kann ich nicht mehr anders, er hat mich mit seinem Interpretations-Stil total inspiriert, ich mag kaum andere Interpreten mir anhören, seinen Schwung und Drive, die künstlerische Bach-Auslegung, sowie seine filigrane Ausarbeitung, Umsetzung und die Durchhörbarkeit fesseln mich ungemein, dass ist für mich Musikerlebnis vom Feinsten und kann kaum noch getoppt werden…..!!

Nun möchte ich etwas von Euch dazu hören, dieser Beitrag hat mir zwar viel Arbeit gemacht, aber viel Freude dabei erfahren dürfen.

Ein schönes Advent-Wochenende wünsche ich allen zusammen,

herzliche Grüße

Volker

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P.S. Hier werde ich noch weitere WO-Einspielungen aufführen, die erwähnenswert mir erscheinen !! (Letzte Aktualisierung; 13.12.2007)

Eine weitere WO-Einspielung von 2007 die heute von jpc im Angebot erschien:

WO; Capella Amsterdam, Leitung: Jan Willem de Vriend

Angaben von jpc, der Preis wurde von 27,99 € auf 19,99 € neu festgelegt!

Deluxe-Edition in Buchformat, 72 Seiten.

Mit einem Essay
über die Rhetorik der wortgebundenen Musik Bachs von Boris
Kehrmann und einem Aufsatz über den liturgischen Kontext
der sechs Kantaten von dem renommierten Bach-Forscher
Robin A. Leaver. Die Fotos des reich illustrierten Bandes
stammen von Eddy Posthuma de Boer und gehen dem Thema Mutter
und Kind rund um den Erdball nach.)

Solisten:
Malin Hartelius, Kristina Hammarström, Jörg Dürmüller,
Detlef Roth, Capella Amsterdam, Combattimento Consort
Amsterdam, Leitung: Jan Willem de Vriend

Sound: stereo & multichannel (Hybrid)
Label: Challenge , DDD, 2006
Bestellnummer: 2750613

Hörproben bei jpc hier klicken!

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Nun eine Einspielung aus der Neuzeit von 1999 mit dem Thomaner Chor und fantastischen Gesangs-Solisten:

WO 2 CD’s für 21,99 €

zu beziehen bei jpc mit Hörproben !!

Gesangs-Solisten: Schlick, Pregardien, Naef, Mertens,
Thomaner Chor, Gewandhausorchester Leipzig,
Leitung: Georg Christoph Biller

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Eine weitere Einspielung des WO von Philippe Herreweghe, die von vielen Hörern gelobt wird !

Die Gesangs-Garde, die da zu hören ist, ist schon großartig………..

Schlick, Chance, Crook, Kooy,

Collegium Vocale Ghent, Leitung: Philippe Herreweghe

2 CD’s / bei jpc zu beziehen für 29,99 € mit Hörproben !!

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Zur Ergänzung und Information füge ich die von @Alex, erwähnte und vorgestellte WO-Einspielung von Diego Fasolis, Coro della Radio Svizzera hier mit ein.

WO; 2 CD’s Neueinspielung von 2005, Diego Fasolis

Gesangs-Solisten:

Lynn Dawson, Bernhard Landauer, Charles Daniels, Klaus Mertens

Vorstellungs-Thread über Diego Fasolis von @Alex, hier über den nachstehenden Link :

Die CD’s mit Hörprobe sind zu beziehen bei j p c zum Preis von 34,99 €

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Aktualisierung mit neuen oder älteren Veröffentlichungen am: 26.11.2008

Heute stolperte ich über eine ältere Einspielung des WO vom "Dresdener Kreuzchor" unter der Leitung von Martin Flämig aus dem Jahre 1984, als eine historische Juwel-Einspielung.


Dresdener Kreuzchor WO, Leitung: Martin Flämig

CD erhältlich bei amazon für 14,97 €


Dazu eine Kunden-amazon-Rezension:

Viele Versionen des Weihnachtsoratoriums habe ich bereits gehört - die hier vorliegende Aufnahme empfinde ich als unerreicht. Sie ist die 1984 von der VEB aufgenommene Einspielung mit der exzellenten Besetzung Augér (Sopran), Burmeister (Alt), Schreier (Tenor) und Adam (Bass), die sowohl perfekt singen als auch unter Martin Flämigs Leitung eine Interpretation dieser Musik erreichen, die die Tiefe der Bach'schen Komposition unvergleichlich auslotet.

Diese Aufnahme war erstmals als LP erschienen, wurde im Jahr 2004 als Audio-CD neu aufgelegt und wird in höchsten Tönen gelobt, allein wegen den hervorragenden Gesangs-Solisten...!!

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Eine weitere WO-Einspielung aus Fernost von Masaaki Suzuki, zwei CD's.


Masaaki Suzuki, WO J.S. Bach

CD erhältlich bei amazon für 29,95 €

Bei dieser Einspielung handelt es sich um eine Veröffentlichung aus 1998 die ebenfalls gut Kritiken bekam.

Die Musik hat ihren natürlichen Fluss. Sie wirkt feierlich - aber nie pathetisch. Die Aufnahme hat eine perfekte Klarheit und wirkt in jedem Detail durchdacht und nuanciert.

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Falls mir in nächster Zeit weitere Aufnahmen zur Kenntnis gelangen, werde ich sie hier vorstellen.


Webnews




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Kommentare:

volker hat gesagt…

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Abgegebene Kommentare zum obigen Hauptbeitrag "Weihnachtsoratorium BWV 248"

1. muriel sagt:
8.12.2007 bei 19:00

Das ist eine ganz hervorragende Zusammenstellung.
Man muss darüber nachdenken aber zumindest der
Tenor Altmeyer war eine Klasse für sich. Ich hörte
ihn im Konzertsaal der Hochschule für Musik - als
Grenzgänger.
Koopmann ist wicht schlecht. Kennst Du die Aufnahme
mit Herrenweghe? Die hat mir immer gefallen wegen
des Chores und der Musikalität
Du erwähnst mit dem Thomanerchor auch Hans-Joachim
Rotzsch. Zuletzt Thomaskantor und dann leider
wegen Stasigeschichten zurückgetreten. Rotzsch war
seiner Zeit ein ganz hervorragender Oratoriensänger.

Das nur als erste Reaktion, vielen Dank!

Liebe Grüße
muriel
2. Volker /admin sagt:
8.12.2007 bei 20:00

Hallo muriel,

die Herreweghe-Aufnahme kenne ich leider nicht. Die könntest Du unter Kommentar als eine Zusatzangabe reinstellen.

Zu Rotzsch kann ich Dir sagen, dass ich vor einiger Zeit eine Aufzeichnung des MDR mit der Matthäuspassion aus der Nicolaikirche in Leipzig aufgezeichnet habe, dabei habe ich ihn kennengelernt, war eine beeindruckende Wiedergabe aus den 90-er Jahren.

Liebe Grüße und einen schönen Abend

Volker
3. Volker /admin sagt:
8.12.2007 bei 20:00

Hallo zusammen,

aus aktuellem Anlass stelle ich den Termin von J.E. Gardiner für Köthen im September 2008 zur Kenntnisnahme hier mit rein.

@Martin, hatte schon einmal vor einigen Wochen darauf hingewiesen, dafür nochmals danke….

Gruß
Volker
4. Alexander Behrens sagt:
8.12.2007 bei 21:00

Hallo allerseits, ein großes Lob für Volker, der wieder einmal mit Aufwand nicht geknausert hat. Für das WO empfehle ich diese Adresse:
http://www.bach-cantatas.com/IndexVocal.htm#BWV248

Dort findet man die Einspielungen des WO unterteilt in recordings …
Until 1950
1951-1960
1961-1970
1971-1980
1981-1990
1991-2000
From 2001

Zudem detaillierte Kommmentare zu den folgenden Aufnahmen:
Collegium Aureum
Harry Christophers
John Eliot Gardiner (alt und neu)
Nikolaus Harnoncourt
René Jacobs (eine sehr interessante Aufnahme - vor allem die Evangelisten-Passagen im Continuo mit Laute statt Orgel sind unglaublich heimelig und machen die Rezitative zu einem Erzähl-Erlebnis, übrigens wieder mit der erst kürzlich diskutierten Dorothea Röschmann)
Nicholas McGegan
Ralf Otto
Karl Richter
Helmuth Rilling
Peter Schreier (meine erste eigene Aufnahme!)
Kurt Thomas
Jos van Veldhoven
Masaaki Suzuki

Immer noch empfehle ich Fasolis, ich kenne einige, die diese Aufnahme nicht ausstehen können; aber sie steckt voller guter Ideen und gelungener Passagen, deswegen: hören!

Alex
5. Volker /admin sagt:
8.12.2007 bei 23:00

Hallo Alex,

danke für deine interessanten Link-Angaben zum WO.

Meine Angaben zu WO-Einspielungen sind von mir gewollt von unvollständiger Natur, es sollte über andere Veröffentlichungen innerhalb der Kommentare zur Geltung gebracht werden, was Du mit der Fasolis-Einspielung schon getan hast, oder wie @muriel, mit Herreweghes Einspielung.

Ich kann jedem nur empfehlen, @Alex, seine Linkangabe zu Fasolis WO einmal anzuklicken, eine Neuzeitliche WO-Einspielung, ein Hörerlebnis purer Qualität,

Link zur Hörprobe:

http://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/hnum/2841173/iampartner/m37

Grüße
Volker
6. Alexander Behrens sagt:
9.12.2007 bei 09:00

Muss gleich mal anlehnend an Volkers URL einen Verweis zu Jacobs legen, wo man sich anhören kann, wie sich eine Laute zum Evangelisten macht:
http://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/hnum/1398133/iampartner/m37
Muss mich korrigieren, Laute ist nicht statt Orgel sondern zusätzlich. Trotzdem toll. Alex
7. Volker /admin sagt:
9.12.2007 bei 13:00

Hallo,

ich ergänze einmal von @Alex, die Angaben zur Hörprobe des Evangelisten mit Laute und Orgel:

bitte Track 10 und Track 16 anklicken !!

Gruß
Volker
8. Volker /admin sagt:
11.12.2007 bei 18:00

Hallo zusammen,

heute kam ein reduziertes Angebot einer Einspielung des WO von 2006,von jpc, Interpret: Jan Willem de Vriend, Capella Amsterdam. Die Angaben dazu habe ich unter P.S. dem Hauptbeitrag hinzugefügt.

Hörproben können bei jpc genommen werden!

Grüße
Volker
9. Alexander Behrens sagt:
13.12.2007 bei 00:00

Hallo allerseits, habe Volkers Verweis folgend in den Jan Willem de Vriend reingehört. Jedenfalls interessante Aufnahme, werde mich noch durch die Hörbeispiele durchbeißen. Teilweise wirkt es auf mich etwas martialisch, besonders die Pauken. Andererseits werden all jene aufhorchen, die in den aufführungspraktischen Aufnahmen die alten teutonischen Tempi vermissen. Nene, in der unprätentiösen Art schon angenehm zu hören. Und, hört, hört wieder die Laute! Alex
10. Volker /admin sagt:
13.12.2007 bei 17:00

Hallo zusammen,

@Alex, erst einmal danke für deinen Kommentar zu der WO-Einspielung von Jan Willem de Vriend.
Da muss ich auch noch weiter reinhören und mir ein Bild verschaffen von der Einspielung!

Ich möchte darauf Aufmerksam machen, dass ich diesen Beitrag um weitere WO-Einspielungen ergänzen werde, die mir hörenswert erscheinen, klickt von Zeit zu Zeit einmal in den Hauptbeitrag, da werde von mir unter P.S. weitere Angaben erfolgen so wie heute mit einer Einspielung von 1999 mit dem Thomaner Chor und namhaften Gesangs-Solisten.

Des weiteren ist mir aufgefallen, dass ich die historische Aufnahme mit Kurt Thomas aus 1958 nur mit dem 1. bis 3. Teil aufgeführt hatte, ich habe die Angaben mit Cover-Abbildung für Die Einspielung vom 1. bis 6. Teil ergänzt, der Preis bei jpc mit Hörproben 9,99 €, für Historiker-Fans ein günstiger Preis.

Mich würde einmal interessieren, welches WO ist Euer Favorit und hört ihr bevorzugt?

Grüße zusammen

Volker
11. Alexander Behrens sagt:
13.12.2007 bei 21:00

Gesetzt: Fasolis.
12. Volker /admin sagt:
14.12.2007 bei 01:00

Hallo Alex,

der Vollstädigkeitshalber habe ich deine Angaben zu Diego Fasolis im Hauptbeitrag unterhalb von P.S. hinzugefügt und ergänzt, ich schließe mich der Meinung von Dir an und finde die Aufnahme ebenfalls reizvoll mit schönen Feinheiten.

Das Orchester Radio Svizzera macht in der letzten Vergangenheit Furore, die Hörproben sollte sich jeder einmal zu Gemüte führen, die Aufnahme besitzt eine exellente Aufnahmequalität.

Gruß
Volker
13. Volker /admin sagt:
14.12.2007 bei 01:00

Hallo zusammen,

gestern fand ich im Internet eine Konzert-Rezension von Ton Koopman, veranstaltet im Baden Badener Festspielhaus, schon die Überschrift zeigt so manch Eigentümliches auf und möchte diese Rezension einmal zur Diskussion stellen.
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Ich zitiere Auszüge daraus:

Überschrift: Konzertsaalreligion

Ton Koopman mit dem „Weihnachtsoratorium“ in Baden

Kritik von Tobias Pfleger

Johann Sebastian Bach

Heftig umjubelt war der Auftritt von Ton Koopman mit seinem Amsterdamer Barockorchester und -chor im Baden-Badener Festspielhaus, als er die ersten vier Kantaten aus Johann Sebastian Bachs ‘Weihnachtsoratorium’ BWV 248 aufführte. Grund zum Jubeln lieferten Koopman, sein Ensemble sowie das Solistenquartett allemal; aber dass der Publikumssturm das Voraufgegangene schlichtweg in einem Beifallsgewitter begraben konnte, hatte mehrere Gründe.

Bevor diese anzusprechen sind, einige Worte zur Aufführung. Wie zu erwarten, bot Koopman eine lichte, bewegte – und gleichzeitig bewegende – Aufführung, die vor allem dadurch auffiel, dass interpretatorisch nichts negativ auffiel. Diese Beschreibung ex negativo mag die Qualität des Abends kaum adäquat beschreiben, drückt aber den Kern von Koopmans Zugang zu Bachs geistlicher Musik aus.

Hier wird nichts effektvoll ausstaffiert, nichts in überzogener Weise auf die klangliche Oberfläche geholt, nichts um des bloß Neuen willen forciert. Nein, bei Koopman scheint einfach alles zu stimmen. Und das ist schwer genug.
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Jetzt folgt eine Passage, die für mich unverständlich ist und ans Gemüt geht:
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Der religiösen Funktion entkleidet

Wieso nun konnte der Schlussapplaus alles Vorhergegangene schlucken? Weil hier Bachs ‘Weihnachtsoratorium’ aus seiner religiösen Funktion gelöst und zu einem Konzertstück wurde, das nicht nur mit freudigem, einem Virtuosenkonzert ebenso gut anstehenden Jubel belohnt wurde, sondern das, eben weil es zu einem reinen Werk für den Konzertsaal wurde, auch für Zwischenapplaus (nach der Echo-Arie ‘Flößt, mein Heiland, flößt dein Namen’) offen stehen konnte.

Spätestens hier wurde deutlich, dass die musikalische Darbietung gegenüber der religiösen Botschaft im Vordergrund stand.

Zitat-Ende!

Das lasse ich einmal unkommentiert so stehen, und bitte um Euren Kommentar zu so einer Rezension….!!

Grüße
Volker
14. muriel sagt:
14.12.2007 bei 22:00

Meint ihr nicht, dass Applaus alles kaputt machen
kann? Matthäuspassion, Johannespassion, Bachkantaten, ich bin über die Beifallsstürme keineswegs glücklich und würde das auch auf Aufführungen generell ausdehnen.

Damit liege ich wohl schief.
liebe Grüße
muriel
15. Barbara sagt:
15.12.2007 bei 13:00

Hallo Volker,
sorry, dass ich mich erst so spät zu dem Thema melde, aber meine Kräfte sind zur Zeit nun mal arg begrenzt. Aber das ist eine großartige Zusammenstellung, die Du uns da geliefert hast - und gleichzeitig eine Anregung für Ignoranten wie mich, mal über den Tellerrand hinaus zu hören. Ich oute mich als eine, die nur 2 Aufnahmen im CD-Schrank und eine im DVD-Schrank stehen hat.
Heißt, die alte Thomas-Aufnahme, die ganz hinten stand, bei der ich jetzt mal wieder reingehört habe und mühevoll 2 Kantaten geschafft habe. Es sind Erinnerungen pur, aber ich bekomme einfach Bauchschmerzen, wenn ich diese Art des Musiszierens höre. Die Aufnahme ist wieder ganz hinten im Schrank und in ein paar Jahren höre ich vielleicht wieder anders.
Die andere Aufnahme ist - natürlich die alte Gardiner-Aufnahme. Wenn ich WO höre, singe ich immer innerlich mit, manchmal auch nicht nur innerlich. Und bei dieser Aufnahme finde ich einfach genau das, was ich selbst ausdrücken möchte.
Aber mit Deinem Anstoss, Volker, mache ich mich mal auf, meinen Ohren ein wenig Abwechslung zu bieten. Das Radioprogramm bietet in den nächsten Tagen dazu reichlich Gelegenheit. Zusätzlich zu den vielne WO-Übertragungen bieten vorallem die Kantate-Sendungen der verschiedenen Sender, wie sie auch immer heißen mögen, viele wenig aufgeführte Schmuckstücke an. Ich habe mal einiges herausgeschrieben ohne Anspruch auf vollständigkeit. Bei einigen Sendungen werde ich sicher meinen Recorder anwerfen, aber vieles wird “familiären Verpflichtungen” zum Opfer fallen. Zu den Livestreams noch ein paar Hinweise: HR2 kappt nach 45 min aus Kostengründen die Leitung - sehr ungünstig für Konzertaufnahmen. Dasselbe habe ich jetzt beim NDRKultur festgestellt - da kam nach 90 min plötzlich nichts mehr. Ob das standardmäßig so ist, habe ich noch nicht ausprobiert.
Hier meine Zusammenfassung:
16.

17.

NDR
24.12. WO1-3 Dresdener Kreuzchor
25.12. WO 4-6 NDR Chor, Quasthoff, Robin Gritton
8:00 Kantate Kuhnau Kings Consort, Peter Harvey

http://www.ndrkultur.de/programm/programmueberblick/programmuebersicht/nkult828.pdf

Nordwestradio
25.12. WO 1-3 Gardiner
http://www.radiobremen.de/ueber_uns/presse/pdf/nwradio_2007_kw52.pdf

HR2
21.12.
20.05 Das Musikereignis
Aus Dresden: Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“ Kantaten 1 - 3
Susanna Pütters, Sopran / Elisabeth Wilke, Alt / Jörg Mammel, Tenor / Klaus Mertens, Bass
Dresdner Kreuzchor
Dresdner Philharmonie
Leitung: Roderich Kreile
(Aufnahme vom 16. Dezember 2007 aus der Kreuzkirche)
25.12.
15.05 Klassik-Zeit
Bach: Weihnachtsoratorium, Kantaten 1 - 3 (Christine Schäfer, Sopran / Bernada Fink, Alt / Werner Güra, Tenor / Gerald Finley, Bass / Arnold Schönberg Chor / Concentus musicus Wien / Nikolaus Harnoncourt) •

SWR2
24.12.
20.03 SWR2 Weihnachtsoratorium
Johann Sebastian Bach:
Weihnachtsoratorium BWV 248
in 6 ausgewählten Interpretationen
Mit Meinrad Walter
Präsentiert von Bettina Winkler
und Dagmar Munck-Sandner

Weihnachten ist heute für viele Menschen trotz Skepsis gegenüber der Kirche immer noch eines der wichtigsten Feste. An kaum einem anderen Tag sind die Gottesdienste so gut besucht. Ein fester Bestandteil der musikalischen Ereignisse rund um dieses Fest ist hierzulande die Aufführung von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium BWV 248, eine Tradition, die auch SWR2 pflegt. Zu Heiligabend gibt es in diesem Jahr das komplette Werk in sechs verschiedenen Aufnahmen, ergänzt und eingeleitet durch Gedanken und Überlegungen zum Text und Inhalt der einzelnen Teile sowie zur Aufführungspraxis. Meinrad Walter, Bettina Winkler und Dagmar Munck-Sandner vertiefen sich in den Kosmos dieses Zyklus und gehen der Bedeutung der Worte und Bilder nach, die sich natürlich auch musikalisch niederschlagen.

BR

23.12. 20:05 Stölzel Te Deum aus dem Weihnachtsoratoium
http://www.br-online.de/programme/woche/heft_52_07_01_08.pdf

In diesen Tagen morgens in der Sendung Kantate WO mit Chor und Orchester der niederländischen Bachgesellschaft, Ltg. Jos van Veldhoven mit Gerd Türk und Peter Harvey

RBB

25.12. 17:04 WO 1-3, Harnoncourt-Aufnahme mit Christine Schäfer
26.12. 17:04 WO 4-6 –”-
26.12. rbb 9:05 Röschmann, Quasthoff Bach
http://www.daskulturradio.de/_/_servlet/de.blueorange.xred.util.getfile/db=rbb/imgcol=xred_file/key=id/keyval=6703882/tbl=int_xredfile/kw+52.pdf

WDR
25.12.
16:00 Weihnachtsoratorium

Johann Sebastian Bach
Weihnachtsoratorium, BWV 248, Kantaten 1-3
Christine Schäfer, Sopran; Bernarda Fink, Alt; Werner Güra, Tenor;
Gerald Finley, Bass; Arnold Schoenberg Chor Wien; Concentus Musicus
Wien, Leitung: Nikolaus Harnoncourt

Falls ich Euch jetzt erschlagen habe, tut mir das leid, aber der eine oder andere von Euch wird sicher ein “Schmankerl” finden. Gsnz besonders möchte ich Euch den WO-Ausschnitt von Stölzel ans Herz legen. Stölzel war einer der wenigen Komponisten, die Bach geschätzt hat und das, was ich von dem WO kenne, ist sehr schön.
Einen schönen 3. Advent
Barbara
18. Volker /admin sagt:
15.12.2007 bei 15:00

Hallo muriel,

Zitat: Meint ihr nicht, dass Applaus alles kaputt machen
kann? Matthäuspassion, Johannespassion, Bachkantaten, ich bin über die Beifallsstürme keineswegs glücklich und würde das auch auf Aufführungen generell ausdehnen.
—————–

Eine Aussage eines bedeutenden Gesang-Solisten las ich die Tage mit folgendem Wortlaut:

“Die Leute klatschen sich heute die Finger wund, auch wenn die Aufführung noch so schlecht ist, unterlassen sie nicht das frenetische Klatschen, ihnen scheint eine kritische Einstellung verloren gegangen zu sein…..!”

Diese Einschätzung möchte ich auch auf geistliche Werke übertragen, die Besucher haben kein feines Gespür mehr dafür, wann und wie eine Beifallskundgebung zu erfolgen hat.

Schönen 3. Advend und Grüße

Volker
19. Volker /admin sagt:
15.12.2007 bei 16:00

Hallo Barbara,

Danke für Deinen netten Zuspruch, das war meine Absicht, losgelöst von jeglicher Doktrin oder Einstellung, das meist gehörte Oratorium zu Weihnachten, in seiner Vielfalt und Aufführungspraxis, vorzustellen.

Ich wüsste kein Werk der Geistlichen klassischen Musik, das in so einer Vielfalt von Interpreten des Inn- und Auslandes je eingespielt wird und wurde, darüber können wir uns als Bachfreund nur freuen.

Gedankt sei für Deinen immensen Aufwand, uns die Sendungen zu Weihnachten wiederum zur Verfügung zu stellen.

Ja, Weihnachten überschlagen sich die Sender mit hervorragender Weihnachtsmusik und aus der Vielfalt an Angeboten muss sich der Hörer dann entscheiden, was schwer sein wird, aufgrund der zur Verfügung stehenden persönlichen Zeit, die Familie darf auch nicht zu kurz kommen…!!

Die Angaben dazu von Dir erstellt sind von so vielfältiger Art, dass ich es der Übersicht wegen, als einen eigenständigen Beitrag in den Blog stellen möchte und hoffe, dass Du zustimmend Dein o.K. mir gibst.

Schönes Wochenende und 3. Advent wünscht

Volker
20. Barbara sagt:
15.12.2007 bei 19:00

Hallo Volker,
danke, dass Du die Radioempfehlungen in einen eigenen Beitrag gestellt hast. Da gehören sie auch eigentlich hin. Ich wollte nur alles irgendwie unterbringen und hatte wohl ein Brett vorm Kopf.
Danke schön
Barbara
21. Barbara sagt:
15.12.2007 bei 19:00

Hallo Muriel, hallo Volker,
das Thema Applaus ist wirklich sehr ausdauernd - und auch hier nicht zu lösen. Es kommt so viel auf die innere Einstellung an. Und die ist bei jedem nun einmal anders. Für mich ist Applaus immer befreiend, auch in einer Kirche und nach meinem Verständnis auch gerade da.
Bei der von Dir veröffentlichten Kritik, Volker, mit dem Schlagwort “der religiösen Funktion entkleidet” würde ich gerne auch einmal zu drastischen Worten greifen, aber das ist ja nicht so ganz mein Stil. Ganz egal, wo ich ein Werk höre - die Aussage, die dieses macht, ist doch überall gleich, durch den Raum vielleicht beeinflusst, aber es ist immer noch dasselbe Stück, das mir etwas ganz bestimmtes sagen will. Und ob es für mich nur großartige Musik oder großartige Musik mit einer glaubensmäßigen Aussage ist, hängt von MIR ab und nicht vom Raum und nicht vom Applaus. Und wenn ein Stück so überirdisch schön musiziert wurde, dass sich einige Zuhörer durch Applaus Erleichterung schaffen mussten, heißt das meiner Meinung nach nicht, “dass die musikalische Darbietung gegenüber der religiösen Botschaft im Vordergrund stand”. Aber das ist wieder so ein typischer Punkt, wo man endlos streiten kann, weil einfach jeder das anders empfindet. Und ganz klar - Karfreitag in Wolfenbüttel könnte nicht einmal ich Applaus ertragen.
Und jetzt klappe ich meinen Laptopdeckel runter,gehe ins Konzert (WO, 1. Kantate und Rutter, Magnificat) und werde hinterher applaudieren, bis mir die Hände wehtun. Ganz einfach, weil ich weiß, wieviel Arbeit darin steckt, für einen Laienchor so ein Konzert auf die Beine zu stellen, und wie gut der Applaus hinterher tut.
Euch auch einen schönen Abend
Barbara
22. Montanus sagt:
15.12.2007 bei 21:00

Guten Abend!

Zunächst mal vielen Dank für vielfältige, ausführliche, fabelhaft kommentierte Hinweise zu Veröffentlichungen und Sendungen des Weihnachts-Oratoriums im täglich studierten Forum!

Welche Aufnahmen ich bevorzuge? Nun, ganz aktuell NOCH gar keine. Das WO gehört für mich zum Christfest wie der Baum und die Krippe – und solange kommt vorrangig Adventliches auf den Plattenteller (ich hör ja auch nicht „Christ lag in Todesbanden“ in der Karwoche).

Und wenn dann Weihnachten ist, fühlt sich jeder Radiosender verpflichtet, das Weihnachts-Oratorium zu senden. Da bin ich gern dabei, weil doch manche mir nicht bekannte Aufnahme zu hören ist, die das Ohr öffnet für andere Sichtweisen und neue Sängerstimmen. Nach der Weihnachtszeit hat man dann schließlich erst mal genug von einem Werk, das einem „zum Mitsingen“ vertraut erscheint. Es gibt ja sooo viel andere gute Musik!

Wenn ich mich recht erinnere, waren meine ersten Begegnungen mit dem WO in den 50er Jahren Aufführungen in Kirchen beider Konfessionen.

Dann waren plötzlich die ersten Platten da: bei „Concert Hall“ erschien recht billig Teil 1 bis 3 unter der Leitung von Günter Ramin mit den Thomanern, dem Hamburger (!) Kammerorchester und den Solisten Helga Gabriel, Ursula Boese, Leo Larsen und Jakob Stämpfli. Diese Aufnahme habe ich seit –zig Jahren nicht mehr aufgelegt, zumal ich den Evangelisten als eine (gelinde gesagt) deutliche Fehlbesetzung in Erinnerung habe.
Und erstaunlicherweise finde ich nun eben diese Produktion im Programmheft von „Deutschlandradio Kultur“: am kommenden Heiligen Abend ab 20.03 Uhr! Das werde ich mir unbedingt (ohne Platten-Knistern) anhören.

Etwas später kam dann bei der Archiv-Produktion der DG eine Gesamtaufnahme der sechs Teile auf den Markt, 3 Platten in feiner Leinenkassette für stolze 72 DM, was damals ein Heidengeld war. Aber sehr gut angelegt! (Ich war damals noch Schüler, aber die Familie durfte sich zu Weihnachten ja mal was Exquisites leisten…)
Die Solisten Gunthild Weber, Sieglinde Wagner, der vor wenigen Monaten in hohem Alter verstorbene Helmut Krebs (damals führender Bach-Tenor) sowie Heinz Rehfuss, der Berliner Motettenchor, der RIAS Kammerchor und die Berliner Philharmoniker (erste Sahne!) standen unter der Leitung des verdienstvollen Fritz Lehmann, der während der Produktion plötzlich verstarb; Günther Arndt steuerte deshalb Teil 5 und 6 bei.

Soviel zum Thema „Nostalgie“. Inzwischen haben sich meine Hörgewohnheiten deutlich geändert, und „schlanke“ Aufnahmen in „historisch informierter“ Musizierpraxis sagen mir mehr zu.
(Dazu aber jetzt mal nichts, der Beitrag ist ohnehin schon recht lang geraten.)

Einen gesegneten dritten Advent!
Montanus.
23. Volker /admin sagt:
16.12.2007 bei 03:00

Lieber Montanus,

ein sehr inhaltsreicher Kommentar mit nostalgischen Zügen, wunderbar gelungen, die 50er Jahre entstehen wieder vor meinen Augen.

Die Ramin-Aufnahme ist mir noch geläufig und habe im Internet versucht, ob sie noch zu erhalten ist, bisher ohne Erfolg, ich schwärme für Nostalgie-Aufnahmen, da sie mich in die Jugendzeit zurückversetzen, die Thomaner hatten in der Zeit einen hervorragenden Ruf, die Aufnahme mußte man besitzen….

Deine elegante Beschreibung der ARCHIV-Aufnahme ist auch für die Veröffentlichung mit Karl Richter geschehen, die Aufmachung war ein Prachtstück, aber wie von Dir bereits erwähnt, sündhaft teuer.

Grüße und einen schönen 3. Adventssonntag wünscht
Dir
Volker
24. Volker /admin sagt:
3.1.2008 bei 17:00

Hallo,

diese Rezension wird wohl @Alex interessieren:

J.S.Bach (1685-1750)
Weihnachtsoratorium BWV 248

Gesangs-Solisten:
Lynn Dawson (Sopran)
Barnhard Landauer (Alt)
Charles Daniels (Tenor)
Klaus Mertens (Bass)

Coro della Radio Svizzera, Lugano
I Barocchisti
Leitung: Diego Fasolis

CD bei ARTS 47714-8 (2 Hybrid SACDs)

„Jauchzet, frohlocket“: Bachs festlicher
Eröffnungschor zum Weihnachtsoratorium
beginnt mit Pauken und Trompeten!
Welch phänomenaler Einstieg!

Der Coro
della Radio Svizzera und die Barocchisti
unter der Leitung von Diego Fasolis legen
mit atemberaubenden Tempi eine einma-
lige Eröffnung vor. Ungewohnt schnell
und faszinierend klingt, was bei anderen
Einspielungen eher getragen und langwei-
lig wirkt.

Und trotzdem vermögen es Chor
und Orchester, exakt zu agieren, bleiben
im Tempo und Metrum, die Textbehand-
lung ist absolut vorbildlich, Koloraturen
kommen sauber und die Interpretation ist
immer transparent.

Fasolis nutzt seine
Chance, aus dieser Tempovorgabe etwas
ganz Großes zu gestalten. Er bleibt der
schlanken Interpretation treu, zieht das
Tempo auch bei den Chorälen an, ver-
scheucht das bislang eher Nachdenkliche
und reduziert den Choral zur reinen Aus-
sage, so dass er eindringlicher wirkt als
gewohnt.

Die Solisten Lynn Dawson,
Bernhard Landauer, Charles Daniels und
Klaus Mertens nehmen Fasolis’ Vorgabe
auf und gestalten damit ihren Vortrag vor-
züglich und mit sagenhafter Gesangs-
technik. Geprägt von unwiderstehlicher
Vitalität und schallendem Frohlocken ist
dieses Weihnachtsoratorium wahrlich
suchterregend!

Grüße
Volker
25. Alexander Behrens sagt:
5.1.2008 bei 22:00

Hallo Volker, wo auch immer du sie her hast, ich freue mich, dass jemand meine Begeisterung teilt! Dir noch einen guten Start ins neue Jahr! Alex
26. Volker /admin sagt:
6.1.2008 bei 02:00

Hallo Alex,

von CLASSaktuell als PDF herunterladbar, Heft 4 von 2007

Link: http://www.class-germany.de/archiv.htm

Gruß
Volker

Anonym hat gesagt…

Hallo,

eben bringt mir ein Bekannter die WO-Aufnahme von Gardiner zurück und ist ziemlich entsetzt über Tempi (Ehre sei Gott) oder die Schlamperei, dass der Anfangschor von Teil 3 "Herrscher des Himmels..." einfach auch als Schlusschor des Teils verwendet wird. Ob das stimmt? Fakt ist jedenfalls, dass Anfangs- und Schlusschor genau dieselbe Zeit haben. Wenn das stimmt, dann können ja alle da capos einfach rangehängt werden. Das spart natürlich mächtig Zeit ist aber wohl musikalisch illegal.

Liebe Grüße
muriel

Anonym hat gesagt…

Hallo Muriel,
na ja, die Tempi bei Gardiner sind schon z.T. gewöhnungsbedürftig. Als ich die Aufnahmen zum ersten Mal gehört habe - 92/93 muss das gewesen sein, ist mir einfach die Luft weggeblieben, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, wie man in dem Tempo singen kann. Gleichzeitig war ich ob dieser Lebendigkeit einfach hin und weg. Ich hab mal in meine Aufnahme geguckt: die beiden Chöre sind 1:50 und 1:55 lang. Aber das können auch andere Dirigenten. Bei der neuen Harnoncourt-Aufnahme, die ich Weihnachten ich glaube bei SWR aufgenommen habe, die mich aber nicht voll überzeugt hat, sind die Chöre 2:03 und 2:07 lang. Bei Gelegenheit schaue ich mal auf der Live-DVD aus Weimar. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Zeiten ähnlich sind. Ein guter Dirigent hat das einfach im "kleinen Finger".
Schönen Abend
Barbara

Anonym hat gesagt…

Hallo, Barbara,

in der Aufnahme von 1987 sind in Teil III Eingangs- und Schlusschor mit 1,53 min angegeben.

Liebe Grüße
muriel

Anonym hat gesagt…

Hallo allerseits, also ich habe mal reingehört. Die Sache ist mir ein Rätsel. Die ersten Takte wirken auf mich unteschiedlich - von der Kürze der Werte her; aber auch die akustische Umgebung scheint anders, die Instrumente wirken beim Schlusschor näher an den Mikros. Was dann aber folgt, scheint wirklich dasselbe zu sein. Wurde geschnitten? Die unterschiedliche Tracklänge resultiert aus dem Nachspann - der ist beim Schlusschor länger.
Ich fand die Aufnahmen des Meisters aus dieser Zeit teilweise etwas steril, und solche Sachen verstärken für mich diese Wirkung. Wörter wie "Schlamperei" und "illegal" finde ich aber ziemlich heruntermachend. Gruß von Alex

Volker hat gesagt…

Hallo zusammen,

ich habe mir eingehend die DVD vom WO aus Dezember 1999, Herderkirche in Weimar, Start der Pilgrimage-Tour 2000, angesehen und konnte feststellen, dass im 3. Teil (Satz 35), nach dem Choral "Seid froh dieweil" die Trompeter Stellung beziehen für den von Gardiner nochmals eingefügten (Satz 24), "Herrscher des Himmels."

Ebenso auffällig ist der Abgang von Christoph Genz von der Kanzel während des Wiederholens von Satz 24. Also ist das kein Doubel vom vorher aufgeführten Satz 24, es muss ein von Gardiner gewolltes nochmaliges Aufführen
des erwähnten Satzes sein.
In der Aufführungslänge und Schnelligkeit, (ca. 1.45 Min.), sind beide Wiedergaben in etwa gleich, der Schlussapplaus für das Ende des 3. Teils zieht das Ganze in die Länge.

Dass der Sir öfters ein atemberauschendes Tempo an den Tag legt, ist hin längst bekannt, wird oft vernichtend kritisiert oder auch stillschweigend hingenommen und akzeptiert, meiner Meinung nach setzt er gewollt solche Fixpunkte, um das Werk nicht zu Einfältig und ohne Nuancen zu setzen erklingen zu lassen. An welcher Stelle er diese Fixpunkte setzt, lässt sich vortrefflich streiten, aber das er sie setzt, finde ich fantastisch und finde deshalb seine Interpretationen immer so spannend.

Grüsse an alle

Volker

Anonym hat gesagt…

Guten Morgen,

ich bezog mich ganz eindeutig auf die Aufnahme des WO von 1987. Und über Tempi ist ja wohl nicht nur einmal zu reden - oder? Das sind doch keine Angelegenheiten, die mit einem Beitrag erledigt sind.

Liebe Grüße
muriel

Anonym hat gesagt…

Mich wundert schon mindestens seit 10 Jahren, dass Gardiner immer mit schnellen Tempi assoziiert wird. Zum einen wählen auch andere schnelle Tempi (man denke an Jacobs oder Fasolis), zum anderen wählt Gardiner auch ganz unspektakuläre Tempi oder sogar ungewöhnlich langsame. Warum nur wird immer gerade an Gardiners Tempi rumgenörgelt? Er selbst hat in einem Interview (s. WO-Weimar-DVD) laut über Tempi nachgedacht und hat Richter mit Goebel in einem Brandenburgischen Konzert (glaube ich) verglichen. Letzterer hatte wohl genau das doppelte Tempo von Ersterem. Gardiners Urteil: wahrscheinlich hatten beide Recht! Bachs Genie lässt so viele Interpretationen plausibel erscheinen. Alex

Anonym hat gesagt…

Hallo zusammen,
zu den Tempi: DAS richtige Tempo gibt es doch gar nicht, es ist doch entscheidend, was jeder einzelne für richtig empfindet, wo es bei einem selbst zu schwingen anfängt. Ergo gibt es keinen Grund, auf irgend jemandem warum auch immer herumzuhacken.

Ich habe mir die beiden Chöre aus der 1987iger Aufnahme mal im Frequenzbild angesehen. Nicht dass ich davon irgendeine Ahnung habe. Aber das Schneiden von unzähligen Stunden Rundfunkaufnahmen gibt doch eine gewisse Einsicht. Die Amplitude (im Prinzip die Lautstärke) ist bei dem Zweiten Chor deutlich niedriger, aber ansonsten sind die Frequenzbilder doch so ähnlich, dass ich schon davon ausgehen würde, dass es sich um eine einzige Aufnahme handelt. Bevor es jetzt wieder einen Aufschrei gibt: dies ist eine Studioaufnahme, kein Konzert. Es ist dasselbe Stück und die Frage ist, ob sich an der Aussage, die zu Beginn der Kantate mit "Herrscher des Himmels" sich irgendetwas im Laufe der Kantate geändert hat. Wenn nein, finde ich es legitim, die gleiche Aufnahme zweimal zu spielen. Vielleicht ändet sich ja etwas in Art, wie ich das Stück höre....
Schönen Tag
Barbara

Anonym hat gesagt…

Ja klar, weil es "das richtige Tempo" nicht gibt, darf (muss) darüber geredet werden. Aber ob das noch Bach ist, wenn ich die Wiederholungen einfach ranklebe, also dasselbe Stück zweimal sende, das darf gefragt werden. Genau so gut könnte Gardiner ja alle da capos sparen, indem er einfach den 1.Teil wieder verwendet. Ich kenne noch Zeiten, da ließ man das da capo im Konzert einfach weg, wegen der Zeitersparnis.

Liebe grüße
muriel

Anonym hat gesagt…

Hallo Muriel,

"Aber ob das noch Bach ist, wenn ich die Wiederholungen einfach ranklebe, also dasselbe Stück zweimal sende, das darf gefragt werden."

Also - in meinem Klavierauszug steht nach No 35 (choral)- und ich gehe davon aus, dass das "Bach ist" -: Chorus I ab initio repetatur et claudatur (Chorus I vom Anfang wird wiederholt und (die Kantate) beendet). Nr. 36 gehört dann ja schon zu Kantate 4. Und wenn ich die Anweisung ganz genau nehme (Kann man auch anders interpretieren, muss man sogar im Konzert), heißt das, ich nehme den Chorus I, wie ich ihn aufgenommen habe und das Ganze ist zu Ende. Peng. So einfach.
Gruß Barbara

Anonym hat gesagt…

Alles sehr interessant. Im Heft zum WO von 1987 steht nach Nr.35 Nr.24 "Coro da capo". Weshalb soll dann die Wiederholung schon zum nächsten Teil des WO gehören? Bitte um Erklärung.

muriel

Anonym hat gesagt…

Hallo Muriel,
gern doch.
Ich beziehe mich auf meinen Klavierauszug aus der Reihe "Neue Ausgabe sämtlicher Werke" herausgegeben vom Johann-Sebastian-Bach_Institut Göttingen und vom Bach-Archiv Leipzig unter der Federführung von Alfred Dürr. Diese Ausgabe liebt auch der CD zugrunde.

III. Teil
24. Coro Herrscher des Himmels
.
.
.
35. Choral Seid froh dieweil
darunter steht:
Chorus I ab initio repetatur et claudatur

IV. Teil
36 Chorus Fallt mit Danken

Dies ist für mich aussagekräftiger als das CD-Booklet, dass ja auch nur auf das entsprechende Notenmaterial zurückgreift.

Schönen Abend Barbara

Volker hat gesagt…

Hallo muriel,

die da capo Form am Schluss des 3. Teils des WO mit der Wiederholung von No. 24 "Herrscher des Himmels", ist von Bach gewollt und absolut legitim. In meinem Klavierauszug entnehme ich folgenden Hinweis.

(Da Capo il Coro Pag. 53) mit der Zahlangabe 53 ist die Seite des Klavierauszuges gemeint mit dem "Herrscher des Himmels."

In der Karl Richter-Fassung des WO heisst es nach dem Choral-Satz Nr. 35 mit dem "Seit froh dieweil" zum Schluss des Teil 3 wie folgt:

Nr. 24 da capo
"Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen"

Sollte Gardiner in Wirklichkeit in seiner Aufnahme aus dem Jahr 1987 den Anfangs-Chorsatz Nr.24 als da capo zum Ende des 3. Teils verwendet haben, finde ich daran nichts verwerfliches, zumal es sich wohl lt. @Barbara, um eine Studioaufnahme handeln müsste.

Es wird doch in Studioaufnahmen getrickst, dass einem das Sehen und Hören vergeht, dass ist doch gängige Praxis bei allen Aufnahmen und hat mit Gardiner nichts zu tun, betroffen sind alle Interpreten, ob wir es wollen oder nicht, die Wirklichkeit sieht anders aus.

Gute Nacht und Grüsse

Volker

Volker hat gesagt…

Hallo,

habe es ganz vergessen, wenn noch Kommentare zu Gardiners Vorgehensweise in der Schnelligkeit der Werks-Wiedergabe handeln sollte, bitte ich alle, diese Kommentare nicht hier unter dem WO sondern unter dem neuen Thema:

Wird der Dirigent J.E. Gardiner immer mit zu schnellen Tempi assoziiert ?

Bitte den nachstehenden Link anklicken zm neuen Haupt-Thema:

Hier klicken

Gruss
Volker

Anonym hat gesagt…

Lieber Volker,

wir missverstehen uns. Natürlich ist das da capo von "Herrscher..." von Bach gewollt. Aber er wollte doch wohl nicht, dass die Nachfolger das Stück einmal singen und dann dasselbe als da copa noch irgendwie ranpeppen. Das ging ja damals noch nicht.

Liebe Grüße
muriel

Anonym hat gesagt…

Hallo muriel,

Aber er wollte doch wohl nicht, dass die Nachfolger das Stück einmal singen und dann dasselbe als da copa noch irgendwie ranpeppen. Das ging ja damals noch nicht.

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Das ist wahrlich wahr, aber aber, unser großer Meister Bach war einer der größten Copysten seiner Zeit, zwar üblich aber aus Zeitgründen hat er ebenfalls davon sehr oft Gebrauch gemacht.

Genau so sehe ich das in der heutigen Zeit, warum soll bei einer Studio-Aufnahme nicht auch kopiert werden, hier wird keiner betrogen, weil es sich nicht um eine öffentliche Veranstaltung handelt.

Du musst Dir einmal die Mühe machen, wenn möglich ein Aufnahme-Studio besuchen und Dir dann die dortigen Gepflogenheiten ansehen, was da getrickst und manipuliert wird, aber das gehört zum Alltagsgeschäft und ist nicht verwerflich, wenn dann das Produkt überzeugen kann, davon profitieren wir doch alle, wenn selbst an der Klangbildung manipuliert wird und dann ein hervorragendes Hörerlebnis-Produkt entsteht.

Ich kenne Interpreten, die einen Mittschnitt eines öffentlichen Konzertes absolut ablehnen und nur ins Studio gehen, um ihrer Meinung nach ein perfektes Produkt auf den Markt bringen zu können was bei einer öffentlichen Veranstaltung mit seinen unwägbaren Zwängen nur bedingt möglich ist.

Lieben Gruß

Volker

Anonym hat gesagt…

Liebe Freunde des WO!

Als aktiver Chorsänger, der sich auf seine Mitwirkung beim WO (I+VI-VI) am 28.12. 18 Uhr in der wunder-lichten St.Marien-Stiftberg Kirche freut, möchte ich noch einige Beobachtungen zur Chor-Musik und ihrer theatralischen (sic!) Umsetzung darlegen.

Eingangschor IV.Kantate 'Fallt mit Danken' erfordert vom Chorsänger ein innerliches auf die Knie fallen (Proskynese).Zu solcher ganzheitlichen Annahme der Chormusik fordert uns Kantor Dietrich immer wieder auf.
Oder der Chortenoreinsatz I/Nr.1 Takt 155:'Dienet dem Höchsten ...', der ein 'Darbringen von Opfergaben aus herrlichen Chören' meint.
Viele von euch sind ja aktive Musiker gewesen und immer wieder mit dem Herzen dabei. Gerade das WO fordert den Chorsänger zur inneren Bereitschaft auf: aufmerksam sein, sich immer wieder Bleistift-Notizen in die Noten zu schreiben,musikalische Linien in anderen Chorstimmen zu verfolgen, nicht zu schwätzen und trotzdem mit dem NebenmannFrau und den anderen Chorsängern Kontakt zu halten, vor allem, selbst richtig zu singen. Bei uns im Chor freue ich mich immer über das hohe a in V/Nr.1 Takt 19 u.w. und sage das auch zum Lob manchen Sopransängerinnen. Auf der anderen Seite braucht unser Chorbass manchmal Ermutigung, da der Bass sehr verhalten singt und ich manchmal denke, "die traun sich zuwenig". Die Sprünge im Chorbass sind für mich nämlich atemberaubend großartig. Aber auch das Libretto des WO ist theologisch sehr aussagefähig und wert, es dem Hörer zu erklären. So z.B. VI/Nr.63: Das Solistenquartet stellt fest: 'Was will der Höllen Schrecken nun', was kann nun noch Dir, du andächtiger und verstehender Hörer in der Welt passieren? Antwort: 'Ihr seid wohl gerächt! D.h Von Gott entlastet und richtig in die Welt gestellt.'Sag Dir doch mal! Ich bin richtig!!! Ich brauche keine 'Seelenauffrischer'! Das altdeutsche 'gerochen' muß also erklärt werden.

Wir im Tenor sind in der komfortabelen Sitution, 8 Tenoristen zu haben. D.h., ich brauche mich nicht so sehr anzustrengen, da ich in der Bruststimme oft an meine Grenzen stosse, mir richtig schwindelig wird.

Trotz dieses inneren Einsatzes wird unsere Aufführung am 28.12. bestimmt nicht so großartig sein, wie der verwöhnte Disc-Hörer es erfordert. Dafür dürfen wir einige autentische Faktoren des WO erfahren:

1.der Raumklang. St.Marien soll 4-6sec Nachhall haben. Für Kantor und Sänger eine Herausforderung. Der Hörer kann aber das WO in der Dimension des 'Abgehobenen' neu erfahren.
2.Ich als einzelner Sänger bin mittendrin.
3.Meine investierte Zeit kommt mal wieder zum Ziel. Seit Juli proben wir, jetzt ist Höhepunkt und dann Schluss.
4.Mitwirken am Gemeinschaftsgeist
5.Eintauchen in die bachschen Linien und Lernen von Noten und Affekten.



Gerne besorge ich euch Karten. (€12-17) Oder auch bei: gesine.klein@gmx.de Tel:05221/86077)
Ihr könnt mich auch gerne abends(außer Di) dazu mal anrufen: 05221/1216576

Gruß

Wolfgang