Dienstag, 22. Januar 2008

Kurz-Kritik zu Gardiners SDG 134, Vol. 6


Hallo zusammen,

der bereits in der amazon-Kritik beschriebene Altus (Counter-Tenor) in der Gestalt von Robin Tyson, er singt in dem BWV 69a “Lobe den Herrn, meine Seele” in Satz 4 der Kantate das Rezitativ für Alt; “Gedenk ich nur zurück.” (1:23 Min. Dauer)hier sollte man einfach wegklicken, braucht man sich nicht anhören

Schlimmer im BWV 35 “Geist und Seele wird verwirret” im 2. Satz: Arie für Alt, singt Tyson als Altus den Part: “Geist und Seele wird verwirret” und setzt sich mit ihm im 3. - 4. sowie 6. und 7. Satz als Altus fort….. leider, Gesamt-Dauer mit Tyson als Altus - ca. 15 Minuten, er offenbart Schwäche in der “Deutschwörtlichen Aussprache” und in der Intonation , daran krankt diese Kantateneinspielung, hier hätte ich sehr gerne Nathalie Stutzmann als Besetzung gehabt, die diesen Part famoser rübergebracht hätte, sie überzeugte in den bisherigen Pilgrimage-Einspielungen als eine fantastische Altistin.

In der Kantate BWV 137 “Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren” ist Tyson wiederum im 2. Satz zu hören.

Als Fazit kann für die CD 1 nur gezogen werden, bis auf die Altus-Partien kann wiederum mit schönen Kantaten-Passagen durch den überragenden Monteverdi Chor und das vorzügliche Barock-Orchester, sowie mit den sonstigen Gesangs-Solisten - absolut als eine gelungen Einspielung herhalten.

Die Aufführenden in der CD 1 Aufführungsort: Jakobskirche Köthen; sind:

Katharine Fuge (Sopran)
Robin Tyson (Altus)
Christoph Genz (Tenor)
Peter Harvey (Bass)

——————

Ein Volltreffer ist die CD 2; Aufführungsort: Dreikönigskirche in Frankfurt/Main,

mit den Kantaten:
BWV 77 “Du sollst Gott, deinen Herren, lieben”
BWV 164 “Ihr, die ihr euch von Christo nennet”
und BWV 33 “Allein zu dir, Herr Jesu Christ”

Was hier von allen Beteiligten geboten wird, entspricht allerhöchstes Niveau, hier kann sich der Hörer genüßlich zurücklehnen und den Aufführenden für die überragende Einspielungen nur Respekt zollen.

Diese CD m u s s ein Bach-Freund im Besitz haben, hier wird überirdische Musik zelebriert….., kein störender Altus sondern hervorragende Gesangs-Solisten sind zu hören.

Was hier vom glänzend aufspielenden Barock-Orchester und dem in Weltklasse-Format singenden Monteverdi Choir geboten wird, berührt und läßt den Mithörer mitsummen, so schön und erfrischende Musik ist einfach himmlisch….

Gesangs-Solisten in CD 2
Gilian Keith (Sopran)
Nathalie Stutzmann (Alt)
Christoph Genz (Tenor)
Jonathan Brown (Bass)

Grüße
Volker

----------------------------------------------------------------------------------


Bereits abgegebene Kommentare:

1 Kommentar:

volker hat gesagt…

1. Alexander Behrens sagt:
27.9.2007 bei 07:00

Hallo Volker! Ich muss mal eine Lanze für Robin Tyson brechen, den ich (neben Blaze) für einen der begabtesten Altus dieses Projekts halte. Sein Vortrag ist phraseologisch extrem gut durchgearbeitet und nuancenreich. Auch im Klanglichen stimme ich dir nicht zu, auch wenn sein Timbre markant ist; als Counter der King’s Singers beweist er eine unglaubliche klangliche Flexibilität und Bewusstsein für den Gesamtklang. Werde mal in einer weniger stressreichen Minute einige mp3-Belege rauskramen. Gruß, Alex
2. Alexander Behrens sagt:
27.9.2007 bei 08:00

So, hier ist es: http://www.cantatafinder.com/tmp/1.zip
Die Titel stehen in den mp3-Dateien drin. Die Besetzung findet man hier:
http://www.kingssingers.com/aboutus/profile_robintyson.htm
3. Volker /admin sagt:
27.9.2007 bei 15:00

Hallo Alex,

das Du eine Lanze für Robin Tyson brichst, kann ich nachvollziehen und akzeptiere Deinen Standpunkt.

Ich habe einfach Probleme mit einem “Altus” und kann mich immer noch nicht an ihrem Gesang gewöhnen, da ziehe ich eine gute Altistin allemal vor, das ist aber als eine subjektive Meinung meinerseits zu verstehen.

Was mir bei Tyson ganz stark aufgefallen ist, die “Deutschwörtlichkeit” ist nur teilweise gesanglich akzeptabel und sein stimmliches Vibrato stört mich ungemein.

Irgenwann werde ich mich wohl an diese Stimmen gewöhnen müssen, denn es ist ja Praxis, die Counter immer öfters einzusetzen……

Grüße
Volker
4. Alexander Behrens sagt:
27.9.2007 bei 16:00

Hallo Volker, wie du weißt, habe ich auch so meine Pappenheimer, die mir eine ganze CD versauen können, ich denke nur an Derek Lee Ragin (wo ich das Gefühl habe, der kann überhaupt nicht singen) oder … na, du weißt schon :-)
5. Montanus sagt:
27.9.2007 bei 17:00

Derek Lee Ragin?
Hab ich in den 80er Jahren im WDR-Funkhaus gehört: Gardiner dirigierte “Tamerlano” von Händel. Eine unvergessene, packende Darbietung trotz fast 4 Stunden Dauer. Und Ragin war damals Spitze! Wie Michael Chance, der war auch dabei und (noch) richtig gut.
Aber wenn ich mir jetzt Ragin in BWV 74 anhöre, sehne ich mich nach Blaze, Towers oder (ja, sogar) Tyson…
Viele Grüße von Montanus.
6. Montanus sagt:
27.9.2007 bei 17:00

Übrigens, Volker:
In Deiner Rezension von BWV 91 zählst Du das Duett zu den “Höhepunkten” der Aufnahme und erwähnst die “prächtigen Gesangssolisten” - und einer davon ist Robin Tyson!
Ist der Sänger nun schlechter geworden, oder hat sich Dein Geschmack geändert?
Gruß Montanus.
7. Volker /admin sagt:
28.9.2007 bei 20:00

Hallo Montanus,

ich stelle meine von Dir zitierte Rezension zu SDG 113 (Vol.14) CD 1 - (nur in meiner Homepage nachzulesen, im Blog nicht enthalten!) - hier für die Blogteilnehmer zur Verfügung.

Auszug aus meiner Rezension:

BWV 91, „Gelobet seist du, Jesus Christ“, der Einganssatz mit den Waldhörnern und dem Chor ist schön ausmusiziert und verbreitet eine festliche Stimmung, das anschließende Sopran-Rezitativ von Katharine Fuge erstrahlt nicht minder überzeugend. Der Tenorpart im 3. Satz mit James Gilchrist besetzt ist gelungen anzusehen..

Im 5. Satz ein Höhepunkt dieser Kantate das Duett für Sopran *) und Alt, (mit Robin Tyson besetzt) „Die Armut, so Gott auf sich nimmt“, prächtige Gesangssolisten in Verbindung mit dem Orchester grandios gespielt und anzuhören

*) Sopran: Katharine Fuge
———————————

Wie Robin Tyson stimmlich sich im Volumen dem Sopran anpasst gelingt ihm vorzüglich, klanglich ist das Duett für mich gelungen, und habe fast nichts zu mäkeln. Mag es aufgrund der letzten Veranstaltung der Pilgrimage gewesen sein, dass er hier zu überzeugen weiß…?

Eine Hörprobe des sehr gut anzuhörenden Duetts aus SDG 113, Vol.14, BWV 91, Satz 5 „Die Armut, so Gott auf sich nimmt“, stelle ich hier als Diskussion zur Verfügung.

Wie ganz anders präsentiert er sich in der beschriebenen SDG 134, Vol.6, CD 1, da überzeugt er mich überhaupt nicht und komme mit seinem Solo-Gesang nicht klar…

Ein Hörprobe von SDG 134, Vol.6, CD 1 füge ich ebenfalls bei. Tyson singt im 2. Satz des BWV 137; „Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret“ als Solo-Sänger in Begleitung der Violine und BC diesen Part.

Ich habe Probleme mit Counter und beurteile sie sehr kritisch, der Gesangsstil wirkt auf mich befremdend und finde nur bedingt den Zugang zu dieser Gesangstechnik.

Aber da stehe ich nicht alleine auf weiter Flur, ein Counter (Altus) wird von vielen Musikliebhabern nicht unbedingt gemocht und akzeptiert…,

Grüße

Volker
8. Volker /admin sagt:
28.9.2007 bei 21:00

Hallo Alex,

jetzt habe ich ein wenig Zeit und habe mir Deine Hörbeispiele von den King’s Singers einmal angehört. Damit kann ich mich anfreunden, im Ensemble-Gesang sind sie Spitze und klingen angenehm, damit kann ich mich durchaus anfreunden…

Habe gesehen, daß Du die Musikbeispiele wieder entfernt hast, könntest Du einen Beispielmix nochmals in Kurzfassung hier zur Verfügung stellen? Ich kann es von meiner Festplatte nicht rüberladen, da streikt WordPress, von einer Zwischen-Datei geht das wohl nicht.

Grüße
Volker
9. Montanus sagt:
10.10.2007 bei 18:00

Hallo Volker,
vielen Dank zu deiner Erklärung zu Countertenören im allgemeinen und Tyson im besonderen. Nach Anhören der Klangbeispiele gehe ich völlig konform mit Deiner Beurteilung.
Nun ist die Arie Nr. 2 in BWV 137 eine Choralbearbeitung, und der/die Ausführende sollte den nur wenig verzierten Cantus firmus schlicht (wenn auch nicht ausdruckslos) vortragen.
Ein Anlass für mich, in die mir zur Verfügung stehenden Aufnahmen hineinzuhören:
Keiner der Herren (Tyson bei Gardiner, Buwalda bei Leusink, Esswood bei Harnoncourt) überzeugen ganz; neben der stimmlichen “Künstlichkeit” stören Vibrati und Probleme bei der Intonation.
Die Damen (Russ bei Thamm, Scherler bei Werner, Hamari bei Richter, Schreckenbach bei Rilling, Wenkel bei Rotzsch) sind meiner Meinung nach auch keine ideale Lösung, denn die sehr persönlichen Timbres können den glaubensfesten Lobpreis der Gemeinde (oder der gläubigen Seele?) nicht als allgemeingültig erscheinen lassen.
Bleibt die dritte Lösung (Richter auf einer alten LP von 1955, Hellmann bei einer SWF-Produktion von Anfang der 70er Jahre sowie Koopman), und die favorisiere ich: Sie lassen den Choral von den Chorstimmen singen, und das scheint so plausibel, dass ich am liebsten mitsingen möchte!
Hochinteressant bei allen Aufnahmen, wie “singend” oder “sprechend” die Solovioline musiziert - und hier ist Gardiner Spitze!
Viele Grüße Montanus.
10. Volker /admin sagt:
10.10.2007 bei 19:00

Hallo Montanus,

Dein Kommentar:
————————————

“Bleibt die dritte Lösung (Richter auf einer alten LP von 1955, Hellmann bei einer SWF-Produktion von Anfang der 70er Jahre sowie Koopman), und die favorisiere ich: Sie lassen den Choral von den Chorstimmen singen, und das scheint so plausibel, dass ich am liebsten mitsingen möchte!
Hochinteressant bei allen Aufnahmen, wie “singend” oder “sprechend” die Solovioline musiziert - und hier ist Gardiner Spitze!”

————————————

Das ist ein interessanter Aspekt, den Du da anführst, das vom Chor zu singen ist eine großartige Alternative und würde
eine optimale Wiedergabe als Choral: “Lobe den Herrn..” erklingen lassen.
Ob Altistin oder Altus, ein Gesangs-Solist bringt diese mächtigen Worte als Lobgesang auf Gott nicht rüber.

Im BWV 137 feilt Gardiner an jeder Nuance, mit der Violine als Begleitung erklingt wirkliche Traummusik.

Grüße

Volker
11. Muriel sagt:
6.11.2007 bei 17:00

Liebe Freundinnen/Freunde,

ich hörte nun die neuen Platten von Gardiner endlich auch. Natürlich sind es gute Aufnahmen. Zum Beispiel
bin ich froh, dass Ch.Genz die Tenorpartien singt und endlich die dramatischen und hauchigen Engländer mal
Pause haben.

Den Altus Tyson, Volker schrieb ziemlich entsetzt über ihn, finde ich gut. Altus ist eben kein Altistinnenersatz! Übrigens bin ich mit mir noch nicht im Klaren, wie ich Natalie Stutzmann einzuordnen habe, mir klingt das oft sehr behäbig bei.

Noch eine sehr persönliche Meinung, die sicher nicht allen gefällt: Peter Harvey! Zweifellos ein sehr intelligenter und hochmusikalischer Sänger. Aber, aber… er hat einen schwachen (Tenor)Bariton. Da bin ich immer wieder froh, Bassarien aus der Brillantaufnahme hören zu können,meiner Ansicht nach zur Zeit der beste Bass.

Ich hoffe keine Blasphemie geäußert zu haben und grüße alle

freundlich
muriel

P.S.
11.

Liebe Muriel,
Deinen kommentar habe ich ebenfalls hier reingestellt, da er Bezug auf die neuste CD-Veröffentlichung nimmt.

Grüße

Volker /admin
12. Volker/admin sagt:
6.11.2007 bei 18:00

Liebe Muriel,

in Deinem Kommentar führtest Du folgendes aus:
“Da bin ich immer wieder froh, Bassarien aus der Brillantaufnahme hören zu können,meiner Ansicht nach zur Zeit der beste Bass.”
——————–

Die Brillant-Aufnahmen kenne ich nicht, welche meinst Du dort und wer singt die Bass-Partien….

Grüße
Volker
13. Barbara sagt:
6.11.2007 bei 20:00

Hallo Muriel,
es lebe die Vielfalt. Ist es nicht wunderbar, dass es DIE EINE richtige passende Stimme nicht gibt? Dass jeder es anders empfindet? Jeden einzelnen Punkt, den Du aufführst, sehe ich genau anders: ich liebe die “dramatischen und hauchigen Engländer” und lasse Christoph Genz dafür gerne in der Ecke stehen, Peter Harvey ziehe ich, zumindest bei Bach, den “richtigen” Bässen vor und bei Tyson sehe ich es zwar nicht so wie Volker, dass ich seine Einsätze überspringe, aber er hat wie fast alle Altus-Sänger eine Frequenz, bei der sich bei mir einfach der Magen umdreht. Na und? Gerade die Vielfalt an verschiedenen Stimmen lässt die Großartigkeit der Kantaten, von denen ich die meisten mit diesen CDs zum ersten Mal höre, um so deutlicher werden.So findet sich irgendwo jeder wieder… Das ist mir gerade beim Lesen Deienes Kommentas deutlich geworden - FÜR MICH.
Viele Grüße
Barbara