Dienstag, 22. Januar 2008

Kurzfassung zur CD eins von SDG 128 Vol. 22, BWV 4;Gardiner, Ostern-Kantaten von @muriel


Ich schwöre, in den nächsten 24 Stunden keinen Beitrag mehr zu schreiben, aber was Gardiner und sein Superensemble mit der Einspielung dieser Kantate leistet ist unbeschreibbar.


Übrigens, auffällig im Beiheft die Länge von Gardiners Ausführungen genau zu dieser Kantate. Erinnere ich mich recht, so sagt er, dass die Kantate natürlich nur vom Chor gesungen werden soll. Gut gesagt, aber den Chor, der das singen kann, den gibt es nur einmal: Den Monteverdichor und die Bachsolisten natürlich, die sich so diszipliniert zurückhalten können. Was würde Bach dazu sagen? Genau das meinte ich in einer meiner früheren Auslassungen mit dem Wort “Neuschöpfung”. Die ganze Kantate ist unerhört neu, brandneu, also genau Bach.

Seid alle lieb gegrüßt von einer begeisterten
Muriel

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Bereits abgegebene Kommentare:

1 Kommentar:

volker hat gesagt…

1. Volker /admin sagt:
22.3.2007 bei 21:00

Hallo Muriel,
deine Aussage: “Ich schwöre, in den nächsten 24 Stunden keinen Beitrag mehr zu schreiben….”
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Ist doch wohl nicht im ernst gemeint, davon leben wir und möchten uns austauschen !!!
Diesen Beitrag habe ich in die Kategorie: “Rezensionen der CD’s von SDG zur “Bach Cantata Pilgrimage” verschoben und die Überschrift leicht ergänzt mit dem BWV!
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Bei dem BWV 4 “Christ lag in Todesbanden” handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um die erste komponierte Kantate von Bach, sie könnte zu seinem Amtsantritt in Mühlhausen
Ostern 24.04.1707, als ein Choral-Konzert mit Streichern, und Basso-Continuo, es ist k e i n e reine Choral-Aufführungsform sondern mit instrumentaler Begleitung von Bach angedacht und komponiert worden.
1725 wurde von Bach der mit den Singstimmen gehende Posaunenchor zusätzlich eingefügt.

Gardiner hat diese Kantate am häufigsten aufgeführt und kennt sie deshalb so vorzüglich. Was der Monteverdi Choir an Gesangs-Kultur zu bieten hat ist geradezu atemberaubend, an der richtigen Stelle sich zurücknehmend in der Artikulation dann wieder im “forte” Akzente zu setzten, ist wirklich überwältigend, glasklar und verständlich die wörtliche Aussage, für mich eines der weltbesten Gesangs-Ensemble und kann von niemanden getoppt werden. Richtig deine Einschätzung zum Barockorchester, wunderbar gelingt die Rücksichtnahme in der Continuo-Begleitung um dann wieder an der richtigen Stelle hörbarer aufzutrumpfen ist grandios, Gardiner besitzt das Händchen für solche gelungenen Phrasierungen wirkungsvoll umzusetzen.

Für mich ist auf der CD 1 in der Kantate “Der Himmel lacht” BWV 31 in Satz 6 die Stelle für Tenor (James Gilchrist) “Adam muss in uns verwesen” eine großartige gesangliche Interpretation durch Gilchrist gelungen, ein Tenor der extra Klasse und dazu das prächtig agierende Orchester, einfach eine Komposition der Großartigkeit, diese Arie habe ich mir immer wieder anhören müssen!!!
Seine Einleitung im Reisetagebuch zu Eisenach beschreibt er sehr ausführlich wahrscheinlich aus dem Hintergrund des Wissens, an welcher Historischer Stätte er hier an 3 Tagen Konzerte veranstalten wird, Luther, Bach, das sind die Größen, zu dem er sich verpflichtet sieht und entsprechend reagiert.

Genau so sind ihm diese fantastischen Einspielungen auch gelungen, es sind Schätze von einer außergewöhnlichen Qualität, bei einer Abstimmung unter seinesgleichen wäre ihm das “SDG” (und 1. Platz) sicher.

Herzliche Grüsse

Volker
2. Alexander Behrens sagt:
22.3.2007 bei 22:00

Hallo Muriel und Volker,

ich verstehe Muriel so: die Bachforschung diskutiert zwei Versionen: eine Version mit Chorbass und eine Version mit Solobass.

http://www.cantatafinder.com/de?begriff=4&genau=1&cell=bwv

Vielleicht meinte Gardiner, dass er erstere für richtig hält? Vielleicht habe ich mich jetzt auch vergaloppiert.

Alexander Behrens
3. Volker /admin sagt:
22.3.2007 bei 23:00

Hallo Alexander,

im “Dürr” habe ich nachgeschlagen und es wird stark angenommen, dass es selbst bei der Urfassung sich um eine Choral-Kantate handeln müsste, das heißt, mit Violinen und Bc als ein fünfstimmiger Streicherklang.

Gruß
Volker
4. Alexander Behrens sagt:
23.3.2007 bei 12:00

Hallo Volker und alle zusammen,
ich seh immer noch nicht durch :-( Geht es um choristisch (vs. solistisch) oder Choralkantate (basierend auf einem Choral)? Ich meine, eine Choralkantate ist es sowieso. Ich vermute fast, dass die Kantate lange solistisch aufgeführt wurde, und die aufführungspraktische Tendenz hin zur choristischen Interpretation zeigt. Oder bin ich völlig auf dem falschen Dampfer? Ich will mich nachher nochmal zur Interpretation melden. Bis dann, Alexander (Cantatafinder)
5. muriel sagt:
23.3.2007 bei 15:00

Hallo Alexander,

klar ist “Christ lag…” eine Choralkantate. Der Grund meiner Begeisterung ist die chorische Fassung, die Gardiner bietet.

Liebe Grüße
muriel
6. Volker /admin sagt:
23.3.2007 bei 16:00

Hallo @ Muriel, hallo @ Alexander,
ich zitiere noch einmal @ “Muriel”
“dass die Kantate natürlich nur vom Chor gesungen werden soll”
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Mittlerweile hat ja “Muriel” dazu schon Stellung bezogen, es ist und bleibt eine Choral-Kantate, Chor-Solistisch könnte ich sie mir auch ohne einen 5-stimmigen Streicherklang als Begleitung vorstellen, das müsste sich bei diesem Klasse-Chor fantastisch anhören.

@ Muriels neueste Aussage: ” Der Grund meiner Begeisterung ist die chorische Fassung, die Gardiner bietet.”

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Wie hast Du das denn jetzt gemeint? Sprichst Du die Aufführungsform des Hörens vom Monteverdi Choir an?

Grüße
Volker
7. Alexander Behrens sagt:
23.3.2007 bei 20:00

Hallo alle zusammen,

ich höre diese Aufnahme auch sehr gerne und halte sie für die beste, die ich kenne, und ich schließe mich eurer Begeisterung für den Monteverdi Choir an, für den es keinen Ersatz auf dieser Welt gibt. Dennoch gibt es ein paar Sachen, die mich an dieser Aufnahme geärgert haben.

Zum einen ist da das straubesche Pathos. Als ich die Aufnahme das erste Mal gehört habe, dachte ich, versehentlich Gardiners 1980ger Einspielung aufgelegt zu haben.

Die Tempi finde ich mutig, klasse gelungen ist der Satz “Es war ein wunderlicher Krieg” - dieses hektische Handgemenge. Aber warum kann der cantus firmus hier nicht mal decken? Für mich kommt der ein wenig gekläfft rüber. Der cant.firm. steht doch außerhalb der polyphonen Struktur und könnte einen Gegenpol zum wackeligen Gezänk bieten.

Und schließlich: ich bin mit einer choristischen Haltung groß geworden, wo die Regel “Vollstimme oder stirb” … naja jedenfalls nicht angesehen war, d.h. ein schönes Falsett bringt oft mehr. Ich meine vor allem den Tenor am Schluss von Nr. 5 “Ein Spott aus dem TOD ist worden”. Und dass die Tenöre im Monteverdi Choir zauberhaft falsettieren können, haben Sie in der weltlichen Schubert-CD bewiesen. Ein Freund hat mal von mir gesagt, ”als würde man Glas von unten blau anleuchten”.

Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zu viel rumgenörgelt, aber ich wollte sowas auch mal sagen als alter Gardiner-Fan.

viele Grüße und in der Hoffnung auf anregende Reaktionen,
Alexander (Cantatafinder)
8. Volker /admin sagt:
26.3.2007 bei 14:00

Hallo Alexander,

das ist ein schweres Geschütz an Kritik, die ich erst einmal verdauen muss.

Deine Kritik stelle ich noch einmal hier rein, die da lautet:
“Die Tempi finde ich mutig, klasse gelungen ist der Satz “Es war ein wunderlicher Krieg” - dieses hektische Handgemenge. Aber warum kann der cantus firmus hier nicht mal decken? Für mich kommt der ein wenig gekläfft rüber. Der cant.firm. steht doch außerhalb der polyphonen Struktur und könnte einen Gegenpol zum wackeligen Gezänk bieten.”
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In Satz 5 “Es war ein wunderlicher Krieg” ist der “Cantus firmus” tatsächlich ein wenig dünn hörbar, das könnte erfrischender und ausdrucksstärker hörbar sein.
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Der weitere Kritikpunkt: “Ein Spott aus dem TOD ist worden”. Und dass die Tenöre im Monteverdi Choir zauberhaft falsettieren können….
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Liegt es an der Stimmenanzahl des Tenors, sie scheinen mir im 5. Satz regelrecht dünn besetzt und heraushörbar zu sein da würde selbst ein falsettieren kaum ausreichen, denn einen
Volkschor mit schreiendem Tenor mag man sich von so einem Klasse-Chor nicht wünschen.

Grüsse
Volker