Mittwoch, 23. Januar 2008

Mein Kurzbericht vom Gardiner-Konzert

Hallo,

Ich hatte schon Sorge, dass die vielen Karnevalsmusikgruppen in der Philharmonie noch zu hören wären. Dem war natürlich nicht so.

Foto: Konzert von Monteverdi in der Kölner Philharmonie

Gardiner hat ein berauschendes Konzert hingelegt, so außer “Rand und Band” wie beim Requiem habe ich ihn noch nie erlebt. Ein ganz ausgesuchtes Programm führte über Schütz, J. Rudolf Ahle, J. S. Bach Heinricht Schütz und Christopf Bach bis zur Musik Brahms. Gardiner hat für mich die Wurzeln, aus denen Brahms kommt, in den ausgewählten Stücken fantastisch dargestellt. Aufgeführt in einer so subtieln und beeindruckend Art und Weise: Minibesetzung des Chores (8 Sänger/innen - vielleicht waren es auch 10.) und Minimalsbesetzung des Orchesters.

Bei dem “Es ist genug” von Ahle und J. S. Bach, Schlußchoral aus “o Ewigkeit du Donnerwort (BWV 60), war der Chor von solcher Weichheit und Zartheit und hauchte dieses “Es ist genug” wirklich aus. Ich hab` den Atem angehalten, weil ´diese Stücke wirklich überirdisch schön klangen. Dieses “überirdisch schön” wurde auch in der Pause immer wieder hervorgehoben; einfach eine großartige chorische und natülich Gardiner-Leistung.

Beim Requiem waren Monteverdichoir und l`orchestre révolutionaire et romantique in voller Besetzung zu erleben. Über 40 Sängerinnen und Sänger und ein riesen Orchester, das wirklich mit Pauken und Trompeten ein großartiges Feuerwerk veranstaltete. Gardiner hat auch an diesen fortissimo Stellen mit großartiger Sicherheit geführt und erst recht bei den Traumstellen, wie z. B. “Wie lieblich sind Deine Wohnungen”, in denen Chor und Orchester bis ins Pianissimo geführt wurden.

Die beiden Solisten, Camilla Tilling, Sopran und Matthew Brook, Bariton wirkten gegenüber dem Chor etwas schwach, sie haben mich nicht ganz überzeugen können. Und noch etwas ist mir aufgefallen: Gardiner hat im Frack dirigiert - ein ganz fremder Anblick. Das Konzert hat natürlich nicht darunter gelitten, es war einfach großartig. Von überirdisch schön bis zum rauschenden Feuerwerk war alles drin.

Jetzt muss ich erst wieder sehr lange bis auf das nächste Highlight warten.

Grüße

Iris

Bereits abgegebene Kommentare:

1 Kommentar:

volker hat gesagt…

1. Volker /admin sagt:
16.11.2007 bei 01:00

Montanus sagt:
15.11.2007 bei 19:23 |

Liebe Gardiner-Fans,

Gardiner war nun in Köln – und ich konnte nicht hin! Statt eigener Eindrücke deshalb die Besprechung des Kölner Stadt-Anzeigers von gestern, vielleicht interessiert’s den Einen oder Anderen.
Viele Grüße,
Montanus.

TRAUERMUSIK GROSSARTIG INTERPRETIERT
John Eliot Gardiner mit Werken von Schütz, Bach und Brahms in Köln
von Markus Schwering

Der November ist ein Besinnung einfordernder Monat, das Sterben in der Natur weist den Menschen an das eigene unausweichliche Schicksal. Das tat ausgiebig auch das Konzert des Monteverdi Choir und des Orchestre Revolutionnaire et Romantique unter John Eliot Gardiner in der Philharmonie. Nicht nur Brahms’ Deutsches Requiem passte zur Jahreszeit, von Vergänglichkeit und Tod handelte auch der erste Programmteil, Sterbemotetten und –chöre von Schütz über Bach bis Brahms; kein unverbindliches Vorgeplänkel, sondern ein zwingend-idealer Anlauf voll der textlichen und musikalischen Bezüge zum Hauptwerk des Abends.
Traurige Musik kann auch entsprechend wirken – zumal dann, wenn sie schlecht aufgeführt wird.

Der gegenteilige Eindruck stellt sich ein, wenn überlegene technische und künstlerische Gestaltung den musikalischen Vanitas- und Todesgedanken die humane Selbstbehauptung nachdrücklich gegenüberstellt. Das war beim Konzert der illustren englischen Gäste entschieden der Fall.

Gardiners Idee wurde gleich bei den ersten, den Chor in den Vordergrund stellenden Stücken deutlich: Mahnung und Trauer raufen sich bei ihm nicht die Haare, geraten auch nicht zur hemmungslosen Tränenflut, sondern bleiben emotional gezügelt, entwickeln sich ganz aus der musikalisierten Sprache. Dass die Chormitglieder exzellent Deutsch singen und jedes Wort verständlich ist, gehörte dabei zu jenen Vorzügen, die man schnell als selbstverständlich hinnimmt.
Gardiner, hochengagiert, aber ohne jede Show bei der Sache, hat seine Ensembles eisern im Griff – sie reagieren mit maschineller Präzision auf kleinste den Klang antizipierende oder korrigierende Gesten.

Im Deutschen Requiem war dann auch das Orchester gefragt, dessen differenzierte Instrumentalfarben gleichfalls in ihrer plastischen Artikulation glänzten. Eine große, dabei pathosarme Interpretation, der nur die Leistung der Vokalsolisten teilweise Abbruch tat – nicht der Sopranistin Camilla Tilling, aber des Baritons Matthew Brook, der stimmlich und stilistisch auf dem falschen Dampfer saß.

P.S. Den Kommentar von @Montanus, habe ich der Vollständigkeithalber nach hier nochmals reingestellt!

Volker /admin
2. Alexander Behrens sagt:
16.11.2007 bei 08:00

Hier gleich meine Frage an die Zeitzeugen:
1. Hat Gardiner den Brahms wieder mit historischem (nichtromantischem) Instrumentarium aufgeführt?
2. Wenn ja, wie kann man das aufführungspraktisch erklären?
Mir gefällt seine Einspielung des Requiem gut, auch, dass vorromantisches Instrumentarium verwendet wird. Aber warum?
Alex
3. Volker /admin sagt:
16.11.2007 bei 15:00

Hallo @ris, Hallo @Alex,

für die Kurzfassung des Gardiner-Konzertes ein Dank an @Iris, selbst als ein Kurzbericht verfasst läuft plastisch das Konzert vor einem ab, so anschaulich wurde es von Dir beschrieben.

Nun warten wir noch auf die Rezension von @Martin, der sich ebenfalls freundlicherweise bereit erklärt hat, darüber zu berichten und uns Fotos zur Verfügung stellen wird.

An dieser Stelle noch mein Dank an @Montanus, für die zur Verfügung gestellte Presse-Kritik des Kölner Stadt Anzeigers.

Was @Alex, in seinem Kommentar angeführt hat, interessiert mich auch sehr stark, hat Gardiner beim Deutschen Requiem von Brahms mit “Historischen Instrumenten” gespielt, oder waren es gar “Moderne”? Das können uns die teilnehmer sicherlich beantworten….

Grüße an alle

Volker
4. Barbara sagt:
16.11.2007 bei 16:00

Hallo Iris, hallo Montanus,
das muss wirklich ein beeindruckendes Konzert gewesen sein.
Für alle die, die nicht dabei sein konnten (mich eingeschlossen) und für die, die die Erinnerungen wieder aufleben lassen möchten, habe ich eine gute Nachricht. BBC3 sendet Konzertmitschnitte von den beiden Londoner Konzerten am 14. und 15.1.2008. Das erste Konzert hatte dasselbe Programm wie in Köln und das Zweite als Hauptwerk die 1 Sinfonie von Brahms (Programm2). Im Augenblick ist die Übertragungsqualität von BBC richtig gut, im Gegensatz zum Sommer, wo sie manchmal grausig war. Hoffentlich bleibt das so. Außerdem werden gerade in Paris alle 3 Konzerte aufgezeichnet und sollen nächstes Jahr bei SDG veröffentlicht werden.
Viele Grüße
Barbara
5. Iris Budde sagt:
16.11.2007 bei 17:00

Hallo, Barbara, hallo, Volker,

von Alex kam auch die Frage nach der Instrumentierung. Warum einen Brahms auf historischen Instrumenten spielen und nicht auf modernen. Hier eine Antwort aus “Kölner Philharmonie”Gardiner hat
in diesem Konzert wieder “seine” historische Aufführungspraxis” gewählt: die Violinen mit Darmsaiten bespannt, Wiener Oboen, kleinere hellklingende Pauken “all das ergab einen leichteren, klareren Klang,
als man ihn zuvor gewohnt war. Hinzu kamen zügige Tempi, gewissenhafte
Beachtung der genauen Dynamik- und Phrasierungsangaben des Komponisten - und schon wirkte das alte Repertoire-Schlachtross wieder ganz neu und aufregend.

Gardiner versteht Originalklang nicht als Dogma oder Selbstzweck. Er will vielmehr herausarbeiten, wie die Musik der Vergangenheit in unserer Zeit klingen kann, was sie uns heute sagt. Und dazu, meint er, sei es eben hilfreich, den
Staub abzuwischen, der sich im Lauf der Interpretationsgeschichte über die Werke gelegt hat” (Jürgen Ostmann aus “Kölner Philharmonie-persönlich”.

Barbara, Deine Terminangaben sind ja gold wert. Hab` sie mir gleich eingetragen, dass ich sie ja nicht verpasse. Danke!

Herzl. Gruss
Iris

P.S. Ich setze hier eine Kritik zu dem Gardiner-Konzert aus dem Bonner Generalanzeiger hinzu, diesen Artikel hatte mir @Iris freundlicherweise zur Verfügung gestellt, er lautet wie folgt:

11. November 2007

John Eliot Gardiner in der Philharmonie: So wird’s gemacht!
„So wird’s gemacht, von Bach bis zu mir.” Mit dieser Bemerkung zum jungen Alexander Zemlinsky outet sich Johannes Brahms nicht nur als selbstbewusster Komponist, sondern auch als einer, der sich als Bestandteil einer langen musikalischen Traditionslinie versteht.

Was John Eliot Gardiner in der Kölner Philharmonie macht, ist daher gut und richtig: Das Programm mit barocken Trauergesängen in der ersten Hälfte und dem Deutschen Requiem nach der Pause konfrontiert Brahms Musik mit ihren Wurzeln. […] Auch das Deutsche Requiem klingt in Gardiners Deutung neu und aufregend. Das Orchestre Revolutionnaire et Romantique überzeugt bei seinem Philharmonie-Debüt mit einem hellen Klang – die mit Darmsaiten bespannten Geigen, Naturhörner und Wiener Oboen machen es möglich. In schönstem Einvernehmen mit dem wiederum grandios auftretendem Chor geben sie dem oft weihevoll geglätteten Werk seine rhythmische Vitalität und Expressivität zurück. […]

Auszug aus einer Kritik von Gunild Lohmann für den General-Anzeiger Bonn vom 13. November 2007

Link: http://www.koelner-philharmonie.de/de/03_news/03_03_news_kritiken.php

Grüße
Volker /admin
6. Volker /admin sagt:
16.11.2007 bei 19:00

Hallo,

@Iris, Deine vier Fotos habe ich in das Gardiner-Web-Album mit reingestellt,
Link für das Web-Album: http://picasaweb.google.com/meinharderich/GardinerImBraunschweigerLandKlosterStMarienbergDomStBlasiiPhilharmonieKLn

Grüße
Volker
7. Martin sagt:
18.11.2007 bei 20:00

Hallo zusammen,

na, da bleibt ja nicht mehr viel zu berichtem bzw zu rezensieren…;-)

Das Konzert war (von den leider etwas schwachen Solisten abgesehen) absolute Spitzenklasse, was man bei den Preisen aber auch erwarten konnte.

Wohl auch wegen der Preise war die Kölner Philharmonie großzügig geschätzt nur zu 75% voll. Am selben Tag beginnt traditionellerweise allerdings auch die Karnevals-Session und wer sich in Köln auch nur halbwegs der Gesellschaft zugehörig fühlt, verbringt diesen Tag ab 11.11Uhr in einem der Karnevalsvereine oder natürlich in der Altstadt, an deren Grenze die Philharmonie liegt.

Das Konzert begann ein paar Minuten zu spät, offensichtlich konnten die Organisatoren nicht so recht glauben, dass tatsächlich so viele freie Reihen unbesetzt bleiben sollten.

Wie gewohnt stellte Gardiner während des Konzertes mehrfach alle Beteiligten um. Er begann mit Brahms´ Begräbnisgesang. Hier stellte er den Chor vor die Instrumente.

In den folgenden Stücken stand der Chor weit vorne auf der Bühne, bis dann beim Deutschen Reqiuem die ganze Bühne besetzt war.

Die Aufführenden hier zu nennen, wäre wohl ein wenig zu viel des Guten. Es waren ja diesmal ein paar mehr (siehe Fotos). Konzertmeister war Peter Hanson. Ansonsten viele bekannte und gewohnte Namen in Chor und Orchester. Mit dabei diesmal auch die neuen Monteverdi Aprentices. (siehe monteverdi.co.uk).

Besonders eindrucksvoll waren wie schon von Iris geschildert der erste Teil des Konzerts mit den Chorälen “Es ist genug” von Ahle / Bach und natürlich das “Es ist nun aus” von J.C. Bach. Die Strophen wurden immer leiser und pointierter und es war beeindruckend, dass im ganzen Saal wirklich totale Ruhe herrschte und sich niemand zu husten wagte, was in der Kölner Philharmonie wirklich eine Ausnahme ist.

Das Requiem erschien mir auch etwas rhytmischer genommen, als man das von Gardiners Aufnahme kennt.

Auch eine Ausnahme war, dass sich das sonst sehr mürrische Publikum von Gardiner und seinen Ensembles mitreißen ließ und schon zur Pause soviel lauten Applaus spendete, dass Gardiner nochmal auf die Bühne zurück kommen musste.

Nach dem Requiem gab es dann schlagartig Standing Ovations, die für gut 10min anhielten.

Später erfuhr ich, dass man bei Monteverdi wirklich enttäuscht war, dass das Haus so schlecht verkauft war, allerdings sehr erfreut über das während der Aufführung ruhige und danach euphorische und applausfreudige Publikum. Man wird auf jeden Fall erwägen, nächstes oder übernächstes Jahr wiederzukommen. Das würde natürlich die Rheinländer freuen, die ansonsten ziemlich weit zu Gardiner fahren müssen. Das letzte Konzert von Gardiner mit Monteverdi Choir / EBS war am 3.12.00 während der BCP in Köln. Davor war der letzte Besuch im Jahre 1990 mit der H Moll Messe in der Kölner Philharmonie.

Gardiner hatte nach dem Konzert beste Laune und ich hörte, dass er am Künstlerausgang knapp 10min in aller Seelenruhe und Geduld Autogramme in dutzende CDs und Bücher und Hefte schrieb. Man stelle sich die Situation mal mit Karajan vor…

Der Rest der Aufführenden vernügte sich ob des gelungenen Auftritts im Keller der Philharmonie, wo sich eine Bar befindet. Der Veranstalter hatte Freibier ausgegeben und davon wurde reichlich Gebrauch gemacht und auch noch ein ziemlich schräges Happy Birthday für eine Sopranistin gesungen.

Schöne Grüße,
Martin
8. Volker /admin sagt:
19.11.2007 bei 01:00

Hallo Martin,

Danke für Deine Zusatzinformationen zu dem Gardiner-Highlight in Köln, Du rundest den Eindruck zu einer komplexen Sichtweise ab, so daß wir uns einen Gesamt-Eindruck bildlich verschaffen können.

Deinen Hinweis auf Monteverdi Aprentices werde ich im Blog noch gesondert aufgreifen, habe bereits rechts am Rand unter Blogroll: Blog Monteverdi (Google-Übersetzung in Deutsch) hinterlegt. Frü diese aktuelle Neuigkeit nochmals meinen Dank.

Schönen Wochenstart und Grüße

Volker
9. Horst sagt:
14.1.2008 bei 23:00

Mein Gott, was war das für ein Abend in Köln! Habe gerade das Konzertprogramm (Brahms Requiem) auf BBC3 angehört (Internet!! Klang ist ok) Hab alles liegen lassen und nur zugehört. Die Solisten in der Royal Festival Hall waren auch nicht besser als in Köln, eher schlechter. Aber das Orchester und und der Chor! Das Konzerterlebnis vom 11.11.07 (und vom ganzen Jahr 2007)ist noch einmal ganz da gewesen. Schade, dass ich nirgendwo was gefunden habe über die Aufführungen der Brahms Sinfonien hier in Deutschland. Freue mich daher schon auf die morgige Übertragung der 1. Sinfonie auf BBC3 im Internet.
Schöne Grüße an alle
Horst
(habe heute am 14.01.08 erst eure Seite entdeckt!)
10. Volker /admin sagt:
15.1.2008 bei 00:00

Hallo Horst,

erst einmal herzlich willkommen im “Blog Diskussionsforum J.S. Bach und Cantata Pilgrimage 2000.”

Ein schöner Kommentar von Dir zum Brahms-Requiem-Konzert in Köln aus 2007. Oben im Blog gibt es einen Reiter “Web Radios” mit interessanten Link-Angaben.

Würde mich freuen, wenn Du weiterhin hier im Diskussionsforum mitmachen möchtest, nähere Einzelheiten würde ich Dir dann per Mail zukommen lassen, schau Dir alles einmal in Ruhe an.

Liebe Grüße von

Volker /admin
11. Barbara sagt:
15.1.2008 bei 09:00

Hallo Horst,
auch von mir hier ein herzliches Willkommen an Dich.
Das Konzert in Köln war auch das Einzige der Brahms-Tour im letzten Herbst in Deutschland. Die Sinfonien wurden hier gar nicht aufgeführt. Um so mehr freue ich mich auch über die BBC-Übertragungen. Nachher werde ich in aller Gemütsruhe das Programm von gestern abend abrufen, meinen Recorder dabei anwerfen (die Übertragungsqualität ist bei späterem Abruf der Sendungen definitiv besser)und mich auf ein tolles Konzert freuen, dass ich mir immer wieder anhören kann.
Einen kleinen Trost gibt es noch: alle 3 Programme der Tour sollen in Paris aufgezeichnet worden sein und irgendwann bei SDG erscheinen.
Viele Grüße
Barbara