Mittwoch, 23. Januar 2008

Rezension CD eins von SDG 128 Vol. 22, Gardiner, Kantaten für Ostern


SDG 128 Vol. 22

CD bei jpc zu beziehen !

Hallo,

hier beginne ich mit einer Rezension aus der SDG-Reihe mit der Nr. 128; Vol. 22 aus Eisenach mit den Kantaten zum Osterfest!

Sie wird in Zukunft fortlaufend aktualisiert!


Rezension CD 1

BWV 4 - Christ lag in Todes Banden; (zum 1. Osterfesttag), BWV 31 - Der Himmel lacht! Die Erde jublilieret (zum 1. Osterfesttag), BWV 66 - Erfreuet euch, ihr Herzen (zum 2. Osterfesttag). Gesangssolisten: Gilian Keith, (Sopran) Daniel Taylor, ( Alto) James Gilchrist, (Tenor) Stephen Varcoe, (Bass). Trompeten: Niklas Eklund, Marc Ulrich, Frode Jakobsen. Aufführungsort: Georgenkirche in Eisenach am 23-24. April 2000.



Foto: Aufführungsstätte der Oster-Kantaten die Georgenkirche in Eisenach / Thüringen

SDG 128; Vol. 22; Ostern-Kantaten, Aufführungsort: Georgenkirche, Eisenach / Thüringen, am 23. bis 25. April 2000.

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Foto: Innenansicht der Georgenkirche in Eisenach / Thüringen


BWV 4 „Christ lag in Todesbanden“ zum 1. Osterfeiertag


Die Kantate:
BWV 4 „Christ lag in Todesbanden“ ist eines der frühen Werke Bachs und dürfte um 1707 / Mühlhausen oder 1708 / Weimar entstanden sein. Formal repräsentiert die Kantate das Choralkonzert, wie es sich am Ende des 17. Jahrhunderts herausgebildet hatte. Die Instrumentierung basiert auf dem althergebrachten vollen, fünfstimmigen Streicherklang (mit geteilten Bratschen) ohne Oboen und Flöten; der mit den Singstimmen gehende Posaunenchor scheint erst bei der Wiederaufführung im Jahre 1725 hinzugekommen sein. Als Vorbild könnte Johann Pachelbels gleichnamige Osterkantate gewesen sein. Den Text bildet durchgängig Martin Luthers sieben Strophen umfassendes Osterlied von 1524 „Christ ist erstanden.“

Die Kantate: ist eines der frühen Werke Bachs und dürfte um 1707 / Mühlhausen oder 1708 / Weimar entstanden sein. Formal repräsentiert die Kantate das Choralkonzert, wie es sich am Ende des 17. Jahrhunderts herausgebildet hatte. Die Instrumentierung basiert auf dem althergebrachten vollen, fünfstimmigen Streicherklang (mit geteilten Bratschen) ohne Oboen und Flöten; der mit den Singstimmen gehende Posaunenchor scheint erst bei der Wiederaufführung im Jahre 1725 hinzugekommen sein. Als Vorbild könnte Johann Pachelbels gleichnamige Osterkantate gewesen sein. Den Text bildet durchgängig Martin Luthers sieben Strophen umfassendes Osterlied von 1524 „Christ ist erstanden.“
In Gardiners Reisetagebuch schwärmt er von diesem historischen Aufführungsort von Luther und Bach. Ich zitiere: „war niemals so stark oder so bewegend wie hier bei unserer Aufführung in Eisenach!“


Ergreifend erklingt die Eingangs-Sinfonia im 1. Satz und wird im 2. Satz durch den schwungvollen Einsatz vom Chorsatz „Christ lag in Todes Banden“ prägnant in Szene gesetzt, die wörtliche Artikulation und stimmliche Phrasierung in 16.tel Noten
bleibt absolut verständlich und gesanglich perfekt umgesetzt. Am Ende des Satzes erklingt
vom Monteverdi Choir ein „Halleluja“ in eindrucksvoller Symbolkraft, die zu Herzen geht.
Gardiner sagte aus, dass er dieses Bachwerk öfters als jede andere Kantate aufgeführt hat und sie ihm sehr vertraut ist. Genauso setzt er die hohe Qualität der Akzentierung in den folgenden Sätzen in der gleichen Qualität weiter und führt das Barockorchester und den Chor in ungeahnte Sphären einer musikalischen Wiedergabe, die zu berühren weiß.

Kantate: BWV 31 „Der Himmel lacht! Die Erde jubilieret“ zum 1. Osterfeiertag


Bach hat die Kantate innerhalb seines vierwöchigen Turnus in Weimar zum 21. April 1715 auf einen Text aus Salomon Francks Jahrgang - Evangelisches-Andachts-Opfer - komponiert. Die drei ersten Sätze feiern die Auferstehung Jesus, mit dem 4. und 5. Satz wendet sich der Dichter an die Christen, im 6. und 7. Satz muss der Christ mit Jesus leiden, im 8. Satz dem Schlusschoral bezeugt der Dichter die Auferstehung.
Die vollstimmige Festtagsbesetzung dieser Kantate hat in den Jahren 1724, 1731 und 1735 in Leipzig mancherlei Änderungen erhalten.


Der prächtige Eingangssatz mit drei Trompeten (Niklas Eklund, Marc Ulrich, Frode Jakobsen) und Pauke besetzt erzeugt eine festliche Oster-Jubelarie. Mit der einleitenden konzertierenden Sonata ist schon ein Juwel in der Kantate von Bach gesetzt worden, der Hörer lauscht ergriffen diesem grandiosen Anfang. Überzeugend präsentieren sich die schmetternden Trompeten mit einem grandios aufspielenden Barockorchester, welches in den herrlichsten Klangfarben dieser fantastischen Ouvertüre Prunk und Glanz verleiht. Gardiner versteht es einfach genial eine Einheit eines Klangkörpers zu bilden, der diesem fantastischen Auftakt mehr als gerecht wird. Hier erweist sich die hervorragende Akustik der Georgenkirche als ein Verbündeter, der den jubelnden Beteiligten die entsprechende Klangvollkommenheit mitliefert.


Ebenso prägnant ist er zweite Satz mit dem einfallenden Chor „Der Himmel lacht!” Die Erde jubilieret“ mit den begleitenden Trompeten, Ein Chor im Jubelgesang, der den Rahmen des herkömmlichen zu sprengen weiß und die richtige Akzentuierung zu setzen in der Lage ist und eine Vollkommenheit an den Tag legt, die ihresgleichen sucht.


Im 3. Satz dem Rezitativ für Bass (Stephen Varcoe), „Erwünschter Tag! Sei, Seele wieder froh!“ präsentiert sich in der stimmlichen Aussage ein großartiger Sänger.
In der anschließenden Bass-Arie „Fürst des Lebens“ fällt die fantastische Stakkatoform des Cellisten mit dem Orgel-Positiv besonders auf, die den Bassisten begleiten. Hier erweist sich wieder die Großartigkeit des Komponierens von Bach, auch dieser Arie eine wunderschöne Begleitung zuzuweisen.


Im 5. Satz des Rezitativs für Tenor (James Gilchrist), „So stehe dann, du gottergebene Seele“ ist ein großartiger Künstler zu hören, der in der wörtlichen Verständlichkeit und stimmlichen Wiedergabe ein Juwel darstellt.


Im 6. Satz in der Arie für Tenor „Adam muss in uns verwesen“ setzt ein sinfonisch spektakulärer Auftakt ein, die musikalische Ausdrucksform des Orchesters sprüht vor Spielfreude und bindet den Sänger großartig mit ein. Berührend das barocke Spiel und die gesangliche Qualität erhebt diese Arie zu einem weiteren Glanzpunkt.


Im 7. und 8. Satz, Rezitativ und Arie für Sopran (Gillian Keith), erweist sich die Sopranistin stimmlich allen Anforderungen mehr als gewachsen, ein Juwel in der Gesangsbesetzung. Vortrefflich erklingt ihr Part in der prächtigen Arie „Letzte Stunde, brich herein“ in der Begleitung der klagenden Flöte und den zupfenden Cellos und Geigen, eine aufwühlende Arie, die den Seelenzustand des Hörenden zu treffen vermag.


Im 9. Satz erklingt der Chor „So fahr ich hin zu Jesu Christ“ in dezenter Begleitung der Trompeten. Ein überragender Abschluss gelingt hier allen Beteiligten. In diesem Finalsatz erweist sich die Halligkeit der Georgenkirche als ein vortrefflicher Aufführungsort, Bach hätte seine hellste Freude gehabt, an dieser perfekten Kantatenwiedergabe sein Ausruf könnte nur gelautet haben: „Bravo - pravissimo.“

Kantate: BWV 66 „Erfreuet euch, ihr Herzen“ zum 2. Osterfeiertag


Diese Kantate wurde am 10. April 1724 und 26. März 1731 in Leipzig aufgeführt. Als eine Urfassung diente eine Köthener Glückwunschkantate zum Geburtstag von Leopold von Anhalt-Köthen von 1718 - BWV 66 a -. Den Eingang bildet ein ausgedehnter Chorsatz mit konzertierenden Orchesterritornell. Den Streichern ist ein Bläsertrio von 2 Oboen und Fagott gegenübergestellt, beide Gruppen konzertieren im Wechsel miteinander. Eine Trompete verstärkt meist nur die höchstgelegene Melodielinie.


Beschwingt in überschäumender Klangpracht präsentiert sich der erste Satz, schwungvoll setzt das Orchester die Trompete, anschließend der Chor und die Gesangs-Solisten in das Geschehen ein. Heiterkeit und überschäumende Freude strahlt dieser Satz aus, wieder zu nennen die großartige Halligkeit und Akustik der Georgenkirche die dieser Aufführung Glanz und Pracht verleiht. Ein Fundus, dass dieser Satz in da capo noch einmal zu hören ist. Fantastisch und Ausdrucksstark der Monteverdi Choir, ein Perlgesang allerfeinster Qualität.


Auf ein kurzes, streicherbegleitetes Rezitativ folgt eine prächtige Bass-Arie (Stephen Varcoe) mit einem kräftigen Stimmvolumen ausgestattet. Hervorragend besetzt und anzuhören.


In der gleichen Qualität erklingt die Bass-Arie des 3. Satzes: „Lasset dem Höchsten.“


Mit Satz 4 beginnt der Dialog zwischen Furcht und Hoffnung in einem Rezitativ für Alt (Daniel Taylor) und Tenor (James Gilchrist) „Bei Jesu Leben freudig sei.“ Ein überragender Tenor ist James Gilchrist, die Wortverständlichkeit und musikalische Artikulation ist vom Feinsten, Hier wird der Alto im schwungvollen Singen mitgenommen und erreicht ebenfalls eine gute gesangliche Qualität.


Wunderbar anzuhören - und eine Glanzkomposition von Bach - in der musikalischen Ausführung ist in Satz 5 “die Schlussfolge”…. für Alt und Tenor: das Duett in Begleitung der Violine und Basso continuo “Ich fürchte zwar des Grabes Finsternissen.”

Die beiden Gesangsolisten erreichen hier eine gesangliche Einheit von eindringlicher Schönheit die das Herz weit öffnet!!

Sie stellt einen absoluten Höhepunkt in dieser sonst so fantastischen Kantate dar. Immer wieder habe ich mir dieses herzzerreißende „Gesangs-Duett“ anhören müssen und komme aus dem Schwärmen nicht heraus, einfach genial gelungen.


Im 6. Satz erklingt der Choral aus dem Osterlied „Christ ist erstanden“ mit der Strophe: „ Alleluja! Alleluja! Alleluja! Des solln wir alle froh sein“ in einem schlichten Choralsatz gesungen, den der Monteverdi Choir in seiner unnachahmlichen Art entsprechend gesanglich umzusetzen weiß.

Damit endet eine freudig strahlende prachtvolle Kantate mit vielen musikalischen Leckerbissen behaftet, die immer wieder angehört werden kann, diesen Schwung und Drive - den Gardiner so perfekt umsetzt - verhilft dieser Aufführung mit der überragenden Akustik der Georgenkirche zu einem weiteren Glanzpunkt seiner Kantateneinspielungen der SDG-Reihe „Bach Cantata Pilgrimage.“

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Ende der Rezension CD 1 / SDG 128; Vol. 22.

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Die Rezension der CD 2 SDG 128; Vol. 22 folgt in Kürze!!

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Grüsse

Volker

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1 Kommentar:

volker hat gesagt…

1. meinhardo sagt:
28.2.2007 bei 14:00

Hallo Volker,

eine tolle Idee von Dir, die CD’s zu rezensieren, da bekommt man vor dem Kauf gleich einen Qualitätsbericht der Neuveröffentlichung von SDG.

Danke für deinen tollen und ausführlichen Bericht, Du erschlägst uns ja mit deiner Begeisterung für diese CD, sie steht auf meinem Einkaufsplan ganz oben an.

Grüße
meinhardo
2. Barbara sagt:
28.2.2007 bei 19:00

Hallo Volker,
Du triffst es ganz und gar. Montag früh waren die CDs in der Post und sind seitdem noch nicht aus dem CD-Spieler rausgekommen. Ich höre noch “unqualifiziert”, also einfach hören, freuen und nicht denken. Irgendwann später werde ich dann noch einmal ganz genau Satz für Satz hören, mit Deiner Rezension und und dem Reisetagebuch und mit Dürr (vielen Dank für den Tipp von wem auch immer, wieso habe ich das bis jetzt noch nicht gehabt?)und was sonst noch dazu da ist, daneben.
@ meinhardo: Der Kauf lohnt sich bestimmt.
Einen schönen Abend Euch allen
Barbara
3. Volker /admin sagt:
28.2.2007 bei 21:00

Hallo an “Alle”

@ meinhardo und @ Barbara: schönen Dank für eure Kommentare.
Barbara, das mache ich genau so, erst einmal höre ich mir die CD’s in aller Ruhe an und dann gehe ich Satz für Satz vor zum
Schreiben der Rezension.
Eine absolute Hilfe ist wirklich der “Dürr”, den ich ebenfalls besitze,

4.

@ meinhardo hatte @ Alex durch den Hinweis hier im Blog zum Kauf der Kantaten-Beschreibung animiert, kann ich jedem nur wärmstens empfehlen, die Historie und Werksbeschreibung sind fantastisch.
Im Reisetagebuch bin ich noch nicht weiter gekommen, da alles doch sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, Vorrang hat jetzt die Rezension der CD 2 von SDG 128.
Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass das Reisetagebuch am Blog-Rand rechts als Link aufgerufen werden kann.
* Reisetagebuch von Gardiner Bach Cantata Pilgrimage
* Reiseeindrücke persönlich verfasst von J.E. Gardiner
* während der Bach Cantata Pilgrimage 2000

Nochmal zurück zur CD 1, hier hat mir ganz besonders gut das
BWV 66 „Erfreuet euch, ihr Herzen“ der Satz 4 mit dem Gesangsduo: (Alto und Tenor) „Nun ist mein Herze voller Trost“ gefallen.
Diese Stelle finde ich so fantastisch und ergreifend, dass ich sie öfters mir anhören musste, das BWV 66 finde ich in der ganzen Struktur einmalig und geniesse dieses Werk besonders.

Allen einen schönen Abend
und Grüsse

Volker
5. Alexmusician sagt:
18.3.2007 bei 15:00

Hallo,
nach längerer Pause (dickes sorry) hier ein Lebenszeichen mit einer dicken Gratulation zu den tollen Rezensionen, die hier schon gepostet sind und denen ich mich nur anschließen kann.
Die beiden neuen CDs laufen bei mir sozusagen ohne Unterlaß und ich kann gerade vom Schluß der Kantate BWV 134 nicht genug kriegen. Vor allem die ganz kleine Variation, die James Gilchrist im da capo bringt, ist hinreißend!
Mir zeigt dieses Album besonders, wie wichtig es ist, daß die Kantaten von Gardiner neu eingespielt werden. Die alten Aufnahmen von BWV 4, 6 und 66 waren ja schon toll, aber das, was hier geboten wird, ist um ganz viele Klassen besser. Der Eingangschor zu BWV 6 gerät zu einem Juwel voll strömender Ruhe und strömender Kraft.
In BWV 31 zeigen Niklas Eklund und seine Kollegen wieder einmal,was sie können. Schon der Eingangschor gerät zu einem nicht endenden Feuerwerk und reißt einen wirklich vom Sitz. Zu schade nur, daß man das nicht live in Eisenach erleben durfte. Ich schätze, daß das wieder so ein typisches Erlebnis war, wo man im Boden leichte Vibrationen spüren konnte (Soll beim Meister ja ab und zu vorkommen, ich denke da nur an die h moll Messe).
NUN kann man sich schon fast auf die CD freuen, die im Mai kommen wird.
Einen schönen Restsonntag euch,
Alex
6. volker /Admin sagt:
19.3.2007 bei 01:00

Hallo Alex,

toll wieder von Dir zu hören!!
Deine Aussage: “Zu schade nur, daß man das nicht live in Eisenach erleben durfte”
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Hier sprichst Du mir direkt aus dem Herzen ich bin immer noch fasziniert davon, was Gardiner in Eisenach auf die Beine gestellt hat,
Am meisten freue ich mich darüber, dass er nach dem Zusammenbruch mit der DGG sich entschlossen hat, seinen eigenen Label zu gründen. Wenn es so nicht gekommen wäre, was wäre uns da an Schätzen verloren gegangen, Hut ab für seinen Mut, den wir mit unserem Kauf von CD’s ein wenig Unterstützung angedeihen lassen wollen.

Was mich am meisten an diesen CD’s so frappiert, ist der fantastische Raum und Klang als eine Einheit zu hören, wie ich es bei keiner CD in dieser Weise rausgehört habe.

Dass hätte ich am liebsten live miterleben mögen und bedaure es heute zu tieftst, es nicht wahrgenommen zu haben.
Beziehst Du die CD’s auch direkt von Monteverdi?

Mittlerweile hat der Blog auch von Neumitgliedern profitieren können, aber das wirst Du wohl auch schon gemerkt haben.

Freue mich, dass wieder ein Lebenszeichen von Dir gesetzt wurde.

Herzliche Grüsse

Volker