Dienstag, 22. Januar 2008

Rezension CD eins von SDG 131 Vol. 23, Gardiner, Kantaten für Ostern


Hallo,

nun erfolgt nach langer Zeit von mir die Rezension der CD Nr. 1 von SDG 131; Vol.23

CD bei a m a z o n ” zu beziehen !

CD 1 Kantaten für den ersten Sonntag nach Ostern:

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BWV 150 -
Nach dir, Herr, verlanget mich, BWV 67 - Halt im Gedächtnis Jesum Christ, BWV 42 Am Abend aber desselbigen Sabbats, BWV 158 Der Friede sei mit dir.
Gesangssolisten: Gillian Keith (Sopran), Daniel Taylor (Alto), Charles Daniels (Tenor), Stephen Varcoe (Bass).

Aufführungsort: Bachkirche in Arnstadt am 29 und 30. April 2000.



Foto: Bachkirche Arnstadt




Foto: Bachkirche Arnstadt, Innenansicht



Foto: Die neue Wender-Orgel in der Bachkirche Arnstadt

Rezension CD 1

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BWV 150 “Nach dir, Herr, verlanget mich”
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Dieses nur in Sekundarquellen überlieferte Werk hat sich viel Kritik und Echtheitszweifel gefallen lassen müssen. „Dürr“ schreibt dazu: Die Kantate wirkt in vielen Teilen unreif und verhält sich zu den frühen Weimarer Kantaten Bachs wie eine Skizze zur Ausführung.

Die Instrumentalbesetzung besteht lediglich aus 2 Violinen, Continuo sowie Fagott. Aus den vier Singstimmen tritt nur der Sopran solistisch hervor, die drei übrigen werden in Satz 5 zum Terzett zusammengefasst. Wahrscheinlich war ihre künstlerische Leistungsfähigkeit beschränkt.
Es wird vermutet, dass unter tätiger Mithilfe Bachs, ein Bachschüler die Kantate komponiert haben könnte und in die Weimarer Zeit um 1708/1709 datiert wird.


Der 1. Satz des BWV 150 beginnt mit einer kurzen „Sinfonia für Violine I und II, Fagott und Basso-Continuo.“ Sehr verhaltend und getragen gespielt von den Baroque Soloists erklingt dieser kurze Eingangssatz.
Im 2. Satz erklingt der Chorsatz “Nach die, Herr verlanget mich”, überzeugend vorgetragen durch den Monteverdi Choir.

Der 3. Satz, Arie für Sopran, (Gillian Keith), „Doch bin und bleibe ich vergnügt.“ Mit gut artikulierter Stimme ausgestattet gelingt ihr ein respektabler Gesangs-Vortrag.

Die Sätze 4 bis 7 sind mehrstimmige Chorsätze. Zu Bewundern das Singen des Monteverdi Chors und das Spiel des Orchesters, die gekonnt Akzente in dieser einfältigen Komposition zu setzen vermögen.

BWV 67 “Halt im Gedächtnis Jesum Christ”
Diese Kantate zum 1. Sonntag nach Ostern, komponierte Bach in seinem 1. Amtsjahr in Leipzig und wurde am 16. April 1724 erstmals aufgeführt und gehört mit zu den großartigen Kantatenwerken.

Der erste Satz beginnt mit dem prächtig vorgetragenen Choral: “Halt im Gedächtnis Jesum Christ” mit Hörnern, Querflöte. Oboe d’ amore, Streichern und Continuo-Begleitung.


Der zweite Satz, “Mein Jesus ist erstanden”, als Rezitativ für Tenor (Charles Daniels), beginnt mit einer vuriosen beschwingten Einleitung durch die Streichergruppe. Wortverständlich gelingt ein respektabler Tenorvortrag.


Im dritten Satz erklingt ein Kurz-Rezitativ für Alt, vorzüglich gesungen vom Counter: Daniel Taylor.

Der Kurz-Choral des 4. Satzes: “Erschienen ist der herrlich Tag”, erklingt erfrischend vorgetragen durch den Monteverdi Choir.


Das Rezitativ für Alt im 5. Satz, “Doch scheinet fast”, wird sehr wortverständlich und akzentuiert gesungen.


Der 6. Eingangs-Satz besticht durch die Sechzehntelbewegung und Tumultmotivik des Orchesters, die durch die heftige Bewegung den Ansturm des Feindes abbildet.
Die Bass-Arie, (Stephen Varcoe), “Friede sei mit euch”, wird sehr verhalten und einem nicht üppigen Gesangs-Volumen ausgestattet, gesungen, hier wünschte ich mir mehr an Volumen, umso prächtiger gelingt die entsprechende Akzentuierung durch den Chor “O! Herr, hilf und laß gelingen.”

Im siebten Satz beschließt ein schlichter Choral-Satz; “Du Friedefürst, Herr Jesu Christ” die Kantate.
In einer unnachahmlicher Art und Weise singt der Monteverdi Choir diesen schönen Choral und verleiht der Kantate nochmals einen Glanzpunkt in der Wiedergabe.


BWV 42 “Am Abend aber desselbigen Sabbats”.


Diese Kantate zum 1. Sonntag nach Ostern, wurde von Bach zum 8. April 1725 komponiert.
Die einleitende Sinfonia ist möglicherweise ein bereits früher komponierter Satz aus einem Instrumental-Konzert. Dem Streicher-Tutti steht ein Concertino von 2 Oboen und Fagott gegenüber.
Virtuos lässt Gardiner sein Barock-Orchester agieren, in einem Da-Capo erklingt diese Sinfonia noch einmal zum Genießen.


Im 2. Satz erklingt das Rezitativ für Tenor: (Charles Daniels); “Am Abend aber desselbigen Sabbats.”
Wortverständlich und Aussagekräftig wird der Tenor-Part vorgetragen.


Die Arie für Alt im 3. Satz (Counter: Daniel Taylor); “Wo zwei oder drei versammelt sind”, wird mit einer klagenden Oboe und Continuo eingeleitet. Eine wunderschöne Wiedergabe erklingt mit der folgenden Alt-Arie. Daniel Taylor singt sie wunderbar aus und setzt die richtige Phrasierung in seinem Gesangs-Vortrag, ein Juwel Bach’scher Kompositionen. Hier vermisse ich einmal keine Altistin, so fantastisch singt der Counter. In einem Da-Capo wird diese Wunder-Arie nochmals zu Gehör gebracht.


Im Choral-Duett: “Verzage nicht, o Häuflein klein”, im 4 Satz für Sopran: (Gillian Keith) und Tenor: (Charles Daniels); erklingt ein fantastisches Duett. Beide Gesangs-Interpreten überzeugen durch eine
gekonnte Wiedergabe. Das begleitende Fagott, in seinem Staccato-Spiel finde ich dazu eine herrliche Kompositionsform.


In dem folgenden Rezitativ im 5. Satz für Bass: (Stephen Varcoe); “Mann kann hiervon ein schön Exempel sehen”, erklingt wortverständlich das Rezitativ.


Mit der Arie im 6. Satz für Bass: “Jesus ist ein Schild der Seinen”, wird nochmals ein Glanzpunkt in diesem Kantatenwerk gesetzt. Ein furioser Auftakt gelingt der Streicher-Gruppe und Basso-Continuo am Anfang des Satzes, mit dem einsetzenden Bassgesang wird leider das Nievoe nicht gehalten, anstelle von Stephen Varcoe wäre eine anderweitige Besetzung optimaler gewesen, sein Gesang erreicht nicht das zum Ausdruck bringende “Jesus ist ein Schild”, verschluckende Worte und Töne, für mich nicht überzeugend sein Interpretations-Stil, somit wird diese sonst so wunderbare Arie nicht zu dem Höhepunkt, was man sonst normalerweise erwartet.
Das Barockorchester spielt vom Feinsten, Ausdrucksstark läßt Gardiner sie gewähren, sie bringen die Arie zum Leuchten…….


Einen genialen Schlusspunkt im 7. Satz setzt Gardiner mit dem doppelstrophigen Choral: “Verleih uns Frieden gnädiglich”, was für ein bezaubernder Vortrag des Monteverdi Chores, ruhig, getragen mit einer Innigkeit gesungen, die zu begeistern weiß.


BWV 158 “Der Friede sei mit dir”.


Diese Kantate ist durch ihre mangelhafte Quellenüberlieferung ein Rätsel, sie erscheint zerstückelt oder gar ein Fragment zu sein, vorherrschend und bemerkenswert sind die Bass-Arien in diesem Fragment. Die Entstehungszeit könnte Bachs Weimarer Zeit zugeordnet werden.


Der 1. Satz beginnt mit dem Rezitativ für Bass: (Stephen Varcoe); “Der Friede sei mit dir.”
Mit Basso-Continuo-Begleitung gelingt ein eingermaßen erträglicher Bass-Vortrag.


Im 2. Satz “Welt, ade, ich bin dein müde”, beinhaltet einleitend ein wunderbares Solo-Violinspiel und eine Continuo-Begleitung.
Im Wechsel ist der Bassist und der einsetzende Chor vorzüglich abgestimmt heraushörbar, Diese Passagen gelingt den Interpreten vorzüglich, ein bemerkenswerter Satz in der Kompositionsform, fantastisch…


Den Schlusspunkt des Fragments setzt der Monteverdi Choir mit einem vorzüglich vorgetragenen Choral: “Hier ist das rechte Osterlamm”, beeindruckend und beglückend wiederum ihr Gesang….


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Eine bemerkenswerte Schlussbetrachtung zieht Gardiner zu den Konzerten in Thüringen in seinem Reisetagebuch, ich zitiere wie folgt:


Über die Ostertage fünf Konzerte innerhalb einer Woche und in zwei Städten, die mit Bachs Leben und Familie so eng verknüpft sind – insgesamt zehn Kantaten, einige von ihnen in der Thüringer Landschaft verwurzelt –, hatten uns in Bachs Arbeitrhythmus und das Wirken seiner schöpferischen Phantasie Einblick gewinnen lassen. .

Bei ihm war es nicht die Inspiration eines gedankenvoll die Natur durchstreifenden Wanderers, nicht das Tagträumen des Romantikers am plätschernden Bach auf der Suche nach seinem Selbst: Er komponierte in einem weltzugewandten, disziplinierten Rhythmus, wenn er montags oder dienstags die Order bekam, die Predigt des folgenden Sonntags mit seiner Musik zu untermauern.


Man ist sprachlos angesichts der beispiellosen Kunstfertigkeit dieser wöchentlichen, auf die Jahreszeit abgestimmten Produktion, aber noch mehr erstaunt diese unendliche Fülle an Einfällen, die Raffinesse und Komplexität dieser unübertroffenen Höhenflüge seiner Schöpferkraft.


- Zitat-Ende -

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Bereits abgegebene Kommentare:

1 Kommentar:

volker hat gesagt…

# Barbara sagt:
3.8.2007 bei 13:00

Hallo Volker,
diese CD gehört auch zu denen, die bei mir höher im Kurs stehen. Über BWV 150 kann man richtig diskutieren. Als wir diese Kantate vor einigen Jahren mit unserer Kantorei aufgeführt haben, kam auch die Frage auf “WENN diese Kantate tatsäschlich NICHT von Bach ist, von wem dann??”. Wir haben uns auf Stölzel geeinigt, einer der wenigen Komponisten, die Bach selbst sehr geschätzt hat und mit dessen Weihnachtsoratorium wir uns kurz zuvor intensiv beschäftigt hatten. Da gibt es wirklich sehr große Ähnlichkeiten. Aber diese Frage wird wohl niemand mehr beantworten können.

Eigentlich war die Cd von Thomas Quasthoff mit den Solokantaten für Bass immer eine meiner liebsten CDs. Aber nachdem ich die Aufnahme mit Peter Harvey von “Der Friede sei mit dir” gehört hatte, wanderte die Quasthoffaufnahme ziemlich weit nach hinten im CD-Schrank. Welch ein Unterschied! Hier der Poltergeist, der selbst bei “welt, wie bin ich müde” noch am kämpfen ist, dort der wirklich zu Tode und von der Welt erschöpfte Mensch.

Viele Grüße
Barbara
# Volker /admin sagt:
7.8.2007 bei 16:00

Hallo Barbara,

über deine Angabe mit “Der Friede sei mit dir” handelt es sich doch um das BWV 158, die Basspartien singt in der SDG-CD Nr. 131, Vol. 23; Stephen Varcoe. Wo singt dieses als Bassist Peter Harvey? Kannst du da eine andere Einspielung benennen….!!

Gruß
Volker
# Barbara sagt:
7.8.2007 bei 17:00

Erwischt! habe ich einfach falsch im Kopf gehabt!
Sorry - Barbara
# Volker /admin sagt:
7.8.2007 bei 18:00

Hallo Barbara,

das ist alles nicht so schlimm, wie schnell hat man einen Namen im Kopf und schon ist er eingetippt, hierbei ertappe ich mich des öfteren.