Dienstag, 22. Januar 2008

Rezension CD SDG 121 Vol. 15, Gardiner, Weihnachtskantaten



SDG 121 Vol. 15 "Weihnachtskantaten" (1 CD)
Veröffentlichung am 30. Oktober 2006 bei monteverdi

Hallo,

ich bemerke gerade, dass die angesprochene Rezension zu SDG 121, Vol. 15 fehlt, und setze sie nachträglich in den Blog;

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29. Oktober 2006 / Kantaten für den dritten Tag an Weihnachten:

Kantatenwerke: BWV 64 “Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget” (Kantate zum 3.Weihnachtstag);

BWV 151 “Süßer Trost, mein Jesus kömmt” (Kantate zum 3. Weihnachtstag);

BWV 57 “Selig ist der Mann” (Kantate zum 2. Weihnachtstag);

BWV 133 “Ich freue mich in dir” (Kantate zum 3. Weihnachtstag).

Gesangs-Solisten: Gillian Keith (Sopran; BWV 64 + 151); Katharine Fuge (Sopran; BWV 133);Joanne Lunn (Sopran BWV 57); Robin Tyson (Counter-Alto BWV 64 + 133); William Towers (Counter-Alto BWV 151); James Gilchrist (Tenor); Peter Harvey (Bass). Trompete-Horn: Gabriele Cassone; Paul Sharp; Mauro Bernasconi; Orgel; Howard Moody. The Monteverdi Chor, The English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner.

Aufführungsort: New York / USA, Str. Bartholomews Kirche, am 27.12.2000;

3. Weinachtsfeiertag.

Rezension:

Kantate: BWV 64; „Sehet, welch ein Liebe hat uns der Vater erzeiget“, wurde am 27.Dezember 1723 in Leipzig erstmals aufgeführt. Bach hat hier eine vierstimmige Motettenform gewählt, Streicher und Posaunen geben dem 1. Satz eine gewisse Strenge und nehmen keinen Bezug aufs weihnachtliche Geschehen. In der Diktion und Artikulation unübertrefflich der Monteverdi Choir. Ebenso erklingt der Choral im 2. Satz: „Das hat er alles uns getan“, erhaben und getragen vorzüglich gesungen.

3. Satz: Rezitativ für Alt; „Geh, Welt! Behalte nur das Deine“, wird vom Counter-Alto: (Robin Tyson); gesungen.

Im 4. Satz: Choral: „Was frag ich nach der Welt“, wird sehr ausgewogen gesungen.

5. Satz: Arie für Sopran, (Gillian Keith); „Was die Welt in sich hält“, erklingt mit einem leichten Stimmentimbre wohlgefällig. Schön erklingen die Violinen und das Bc im Vor- und Nachsatz sowie in der Begleitung, herrlich!

6. Satz: Rezitativ für Bass: (Peter Harvey); “Der Himmel bleibet mir gewiss“ erklingt voluminös und prächtig vorgetragen durch einen hervorragenden Bassisten.



Foto: Peter Harvey; Bass-Bariton

7. Satz: Arie für Alt, (Counter-Alto: Robin Tyson); „Von der Welt verlang ich nichts“ erklingen Anfangs in herrlichen barocken Klangfarben Oboe und das Bc. Abstriche wiederum beim Counter-Alto; was für eine schöne Alt-Arie…..

8. Satz: Choral: „Gute Nacht, o Wesen“; wird vom Monteverdi Choir perfekt wiedergegeben. In der tonalen und wörtlichen Ausdrucksform einfach großartig, wie der Text:“ Gute Nacht, du Stolz und Pracht“, wirklich mit Stolz und Pracht gesungen wird, ist ein absolutes Prädikat des Könnens!

Kantate: BWV 151; “ Süßer Trost, mein Jesus kömmt“ (Kantate zum 3. Weihnachtstag); entstand im Jahr 1725. Hier überwiegt eine kammermusikalische Besetzung, der Chor wird nicht sehr in Anspruch genommen und erklingt nur als Schlusschoral.

Die Eingangs-Arie für Sopran; (Gillian Keith): „Süßer Trost, mein Jesus kömmt“, der bekannteste Satz der Kantate, gehört zu den glücklichsten Kompositionen Bachs. Einzigartig die weit gespannten Melodiebögen, begleitet durch die Oboen und Streicher, erklingt h i m m l i s c h e Musik! Hier läuft einem ein Schauer über den Rücken, ob so einer innigen Musik!

Im Format dieser Arie präsentiert sich eine Sopranistin von „Gottes Gnaden“, die fast übernatürlich im Format der textlichen und tonalen Wiedergabe mehr als gewachsen ist, ein vorzüglicher Part von ihr, der ein absoluter Glanzpunkt in der Kantateneinspielung darstellt. Glücklich für den Hörer, eine Dacapowiedergabe lässt noch einmal eine Wunder-Arie erklingen. Nach so einer prachtvollen Kantaten-Arie tritt alles Folgende zurück.



Foto: Junge kanadische Nachwuchs-Sopranistin Gillian Keith

(Fotorechte: www.classicalperformers.com

2. Satz: Rezitativ für Bass; (Peter Harvey); „Erfreue dich, mein Herz“; ein prachtvolles Rezitativ von Harvey.

3. Satz; Arie für Alt: (William Towers als Counter-Alto); „In Jesu Demut kann ich Trost“; agiert er etwas glücklicher als der Counter: R. Tyson in seinem Part. Prächtig erklingt als Begleit-Musik das Barockorchester.

4. Satz: Rezitativ für Tenor: (James Gilchrist); „Du teurer Gottessohn“; erwärmend sein Gesang nach dem 3. Satz.


Foto: James Gilchrist; Tenor

5. Satz: Schlusschoral: „Heut schleußt er wieder auf die Tür“ erklingt vom Chor in weihnachtlicher Pracht und zum Mitsingen wird der Hörer ob so eines schönen vorgetragenen Chorals direkt animiert!

Kantate: BWV 57; „Selig ist der Mann“ (Kantate zum 2. Weihnachtstag); ist eigentlich keine Weihnachtskantate weil sie keinen Bezug zu Christi Geburt herleitet. Die Besetzung der Kantate beschränkt sich auf 2 Solosänger >Sopran und Bass<>

Absolut erwähnenswert ist der 5. Satz mit dem Bass-Rezitativ:“ Ja, Ja, ich kann die Feinde schlagen“ gelingt in ihrer Stakkato-Form dem Orchester famos mit einem glänzend aufgelegten Peter Harvey. Diese Kantate lebt von einer ungeheuren Vielfalt an musikalischen Themen und ihrer perfekten Umsetzung durch ein großartiges Orchesters.

Kantate: BWV 133; „Ich freue mich in dir“ (Kantate zum 3. Weihnachtstag). In 1724 entstanden trägt sie Züge der Rücksichtnahme für alle Beteiligten nach vorherigen konzertierten Werksaufführungen an den vorangegangenen Weihnachtsfesttagen. Das Orchester ist mit 2 Oben, sowie Streichern und Continuo auf eine normale Besetzung reduziert. In der Beschränkung und Schlichtheit erweist sich Bach wieder als ein großartiger Komponist.

Der Chor singt - im vorangestellten virtuos konzertant gespielten Orchester-Eingangssatz - den Choral: „Ich freue mich in dir“ einen schlichten vierstimmigen Satz. Im 2. Satz: „Getrost! es fasst ein heilger Leib“ > Arie für Alt <>

Der 4. Satz: „Wie lieblich singt es in den Ohren“ > Arie für Sopran < (Katharine Fuge); ist im waren Sinne des Wortes von allen Beteiligten “lieblich“ gelungen. Virtuose Streicher, lieblich melodisch klingend werden sie von einer großartigen singenden Koloratur-Sopranistin (Katharine Fuge) komplettiert. Diese Sopran-Arie ist in ihrer Einfachheit - aber gespickt mit musikalischen Leckerbissen – ein Herzstück dieser Kantate.



Foto: Engl. Sopranistin Katharine Fuge

Im 5. Satz; Rezitativ für Bass: „Wohlan! Des Todes Furcht und Schmerz“ entpuppt sich hier einmal mehr, welch ein großartiger Oratoriensänger - Peter Harvey – aufgrund seiner Ausdrucksstärke und seines Gesangsvolumen ist. Als eine ganz starke Top-Besetzung in der Garde der Gesangssolisten ist er hier gesondert zu benennen.

Der 6. Satz mit dem Schlusschoral: „Wohlan, so will ich mich“ erklingt in einem vortrefflich konzertant gesungenen Choral-Stil, der nicht schöner zu Gehör gebracht werden kann. Ein Abschluss, der in der zu hörenden Schlichtheit entsprechend dieser Kantate nochmals lobend zu erwähnen ist.

Eine CD, die durchaus als weihnachtliche Überraschung für den Gabentisch angedacht erscheint. Diese Kantateneinspielungen besitzen Perlen an Chorälen, Rezitativen, Arien sowie Instrumentales, die durchaus das Prädikat der gewohnt sehr guten Einspielungen vom Label: SDG erreichen!

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Bereits abgegebene Kommentare:

1 Kommentar:

volker hat gesagt…

1. Alexander Behrens sagt:
2.1.2008 bei 21:00

Willkommen allerseits im neuen Jahr, bin Volkers Anmerkung, Kantate 57 sei “eigentlich keine Weihnachtskantate”, nachgegangen: sie ist dem 26. Dezember nicht als dem 2. Weihnachtstag gewidmet, sondern als dem Stefanitag
http://de.wikipedia.org/wiki/Stefanitag
Am meisten bewundere ich an ihr die lange “Passions”-Arie “Ich wünschte mir den Tod”, die mich an “Erbarme dich” oder “Zerfließe” erinnert und von meiner Klanglogik her so überhaupt nicht weihnachtlich ist! Alex
2. Volker /admin sagt:
11.1.2008 bei 20:00

Den Kommentar von @Iris stelle ich nochmals hier herein, da er zu dieser CD gehört..!!
Volker/admin

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Iris Budde sagt:
11.1.2008 bei 18:00

Lieber Volker,

mein Gewinn-Geschenk (Vol 15 - 3. Sonntag nach Weihnachten, BWZ 64, 151, 57)hat voll bei mir eingeschlagen. Seit gestern abend höre ich nichts anderes. Von mir aus kann es dank dieser Kantaten das ganze Jahr über Weihnachten sein.

Die Arie für Sopran (151), (Süßer Trost, mein Jesus kommt) ist von solch ergreifender Schöheit, das meine bisherige Lieblingsarie “Schlummert ein, ihr matten, müden Augen fallet sanft und selig zu”(Notenbüchlein Ana Mag. Bach, Sopran; BZW 82) zunächst mal auf Platz 2 gefallen ist.

Ich bin so begeistert von dieser Einspielung, von den Solisten, von der Art und Weise wie Gardiner seinen Chor und das Orchester bis an die Grenzen führt - Solisten natürlich eingeschlossen - dass ich sie während des ganzen Jahres immer wieder hören werde, nach dem Motto: Weihnachten ist jeden Tag.

Mein Mann hat heute schon mal vorsichtshalber für 4 Stunden das Weite gesucht.

Herzl. Gruss
Iris