Montag, 11. Februar 2008

Archiv-Beitrag: Brahms Gesänge mit der Gächinger Kantorei

16.4.2007 von Alexander Behrens.

Hallo liebe Blog-Leser,

ich möchte gerne diese Kategorie für eine Nicht-Bach-nicht-Gardiner-CD-Empfehlung nutzen: Brahms-Gesänge mit der Gächinger Kantorei und Helmut Rilling.



Es handelt sich hierbei um eine Wiederauflage einer aus den siebziger Jahren stammenden Einspielung der Liebeslieder-Walzer op. 52, der neuen Liebeslieder-Walzer op. 65, der Sechs Chöre op. 93 und der Fünf Chöre op. 104.

Die Aufnahmen waren mir noch in guter Erinnerung aus der damaligen Zeit. Damals galt die Gächinger Kantorei als einer der weltbesten Chöre, und ich bin erstaunt über die Frische dieser Aufnahme und ihre choristische Qualität – hätte ich doch erwartet, dass nach soviel Verwöhnung durch Gardiner und so vielen Jahren, in denen sich die Chorkultur immens weiter entwickelt hat, manches von damals verstaubt klingt. Aber die Wahrheit ist, dass sich die Aufnahme von 1977 vor der bestehenden Einspielung von John Eliot Gardiner und dem Monteverdi Choir keineswegs zu verstecken braucht.

Herausragend ist die Wortkultur des Gesangs dieser Einspielung. Man spürt die Dieskau-Ära. Was mir aber vor allem an dieser Einspielung auffällt, ist der rhythmisch packende Vortrag Rillings. Während Gardiners Aufnahme eher mit weitem Gewande getanzt scheint (ich bin gerade bei den Walzern) und von großer Grazie und unsagbarem Edelmut, ist jene Rillings vor allem eines: mitreißend, aufrüttelnd.

Chorisch kann die Gächinger Kantorei dem Monteverdi Choir nicht ganz das Wasser reichen (was besagt, dass sie ein ausgezeichneter Chor ist :-) und kommt oft etwas unbedarfter rüber, was dem romatischen Pathos aber auf natürliche Weise Nachdruck verleiht. Es steckt gegenüber der Gardiner-Einspielung mehr Naivität, ja vielleicht sogar Glaubwürdigkeit dahinter.

Hier Hörbeispiele der Gächinger-Kantorei und bei amazon zu erwerben:

Überzeugend ist die Gardiner-Aufnahme durch die hohe Chorqualität vor allem der anderen dann, wenn es um Klang geht. Lieder wie Im Herbst (op. 104) leben vom Klingen, und da beweist sich einmal wieder Gardiners choristische Klasse.



Hier Gardiner - Hörbeispiele bei amazon und dort zu erwerben

Insgesamt sei die neu herausgekommene Rilling-Aufnahme allen im Forum wärmstens empfohlen!!

Alexander Behrens

1 Kommentar:

Volker hat gesagt…

Volker /admin sagt:
16.4.2007 bei 20:00

Hallo Alexander,

wieder für mich etwas neues über Gardiner, habe ich nicht gewusst, dass er auch solche Einspielungen mit dem Monteverdi Choir vorgenommen hat.

Fantastisch gelingt dir hier der Vergleich durch die bereitgestellten Hörproben von Johannes Brahms, der “Gächinger Kantorei” und dem Monteverdi Choir. Mit der Hörprobe von Brahms seinem op. 52, Nr. 9 “Am Donaustrande, da steht ein Haus” gefällt mir aufgrund der Unbekümmertheit und fantastischen “Wort-Artikulation” (worauf ich ganz besonders Wert lege) die „Gächinger Kantorei“ besonders gut.

In seiner Interpretation von Gardiner und dem Monteverdi Choir wird mir zu professionell alles gesungen und verschwimmt tonal, die Wortverständlichkeit lässt sich hier nicht besonders gut raushören.

Wie anders gelagert in Brahms seinem op.104; “Im Herbst” wo der Monteverdi Choir punkten und glänzen kann, da singt mir die “Gächinger Kantorei” zu pastoral, eben wie ein Kirchenchor, die feinen Gesangs-Nuancen erreichen sie in diesem Opus nicht, wahrscheinlich technisch auch schwer zu singen?
Die Wortverständlichkeit vermisse ich hier aber bei beiden Chören, hier muss man genau hinhören, um den Text verstehen zu können.

Mir würde die Auswahl einer CD besonders schwer fallen, beide haben ihre Stärken und Schwächen, daher müsste ich einen Kompromiss schließen und beide Einspielungen mir besorgen.

Eine glückliche Synthese von dir, einmal Brahms-Musik von Rilling und Gardiner hier vorzustellen, die Hörproben kann ich allen nur sehr empfehlen, da sie von einer ausgezeichneten Hörqualität sind.

Grüße

Volker