Montag, 11. Februar 2008

Archiv-Beitrag: Geistliche Chormusik des Dresdner Barock: Jan Dismas Zelenka (1679-1745) “Miserere c-Moll” ZWV 57

18.4.2007 von Volker /admin.

Hallo,

als einen weiteren Beitrag im Blog über “Andere Interpreten im Gegensatz zu J.E. Gardiner” berichte ich über eine CD-Einspielung von “Jan Dismas Zelenka” (böhmisch-österreichischer Komponist). Es sind Aufnahmen: “Geistliche Chormusik des Dresdener Barock” die vom WDR aufgenommen wurden in den Jahren 1983 / 1993 und von Capriccio 1996 veröffentlicht worden ist.



Die CD enthält folgende Einspielungen:

Psalm 50 (Miserere c-moll); Komponist: Jan Dismas Zelenka (1679-1745)

Miserere c-moll; Komponist: Johann Adolf Hasse (1699-1783)

Magnificat A-dur; Komponist: Johann David Heinichen (1683-1729)

Verwundrung, Mitleid, Furcht und Schrecken; Komponist: Gottfried August Homilius (1714-1785)

Aufführende: Rheinische Kantorei; Dormagener Jugendkantorei; Das Kleine Konzert; Sopran: Maria Zadori; Barbara Schlick; Altus: Kai Wessel; Tenor: Wilfried Jochens; Hein Meens; Bass: Stephan Schreckenberger; Stephen Varcoe.

Hier zu den Hörproben bei amazon:

Leitung: Hermann Max

Unter den Kurfürsten Friedrich August I., genannt August der Starke (Regierungszeit 1694-1733), und Friedrich August II. (1733-1763), dem einzigen legitimen Sohn Augusts des Starken, erblühte die Residenzstadt Dresden zu einer der schönsten Städte Europas.

Zwar war Sachsen als das Stammland der Reformation ein durch und durch lutherisches Territorium. Aus machtpolitischen Gründen war jedoch August der Starke im Jahre 1697 zum Katholizismus konvertiert, denn dies war eine Voraussetzung für die Wahl zum König von Polen. Auch Friedrich August II. hat diese Krone erlangt.

Daher kommt es, dass in der kursächsischen Handelsstadt Leipzig der Lutheraner J.S. Bach seine Kirchenkantaten schrieb, während einige Kilometer weiter östlich in der Residenzstadt Dresden Messen, Psalmen, und andere liturgische Werke für den katholischen Gottesdienst entstanden.

Die zweifellos bedeutendsten Dresdener Komponisten dieser Zeit waren der aus Böhmen stammende Jan Dismas Zelenka, der Sachse Johann David Heinichen und der Hamburger (Bergedorf) Johann Adolf Hasse.

Zelenka war vom Hause aus ein Vertreter der älteren böhmisch-österreichischen Tradition; er nahm erst spät die Elemente des neuen Stils der italienischen Oper auf. Jan Dismas Zelenka wurde 1679 in dem böhmischen Dorf Launowitz (heute: Lounovice) geboren. Er besuchte das Jesuitengymnasium in Prag. Um 1710 wurde Zelenka als Kontrabassist an den Dresdener Hof verpflichtet. Als Kirchen-Compositeur starb er 35 Jahre später am 23.12.1745.

Das Miserere in c-Moll (ZWV 57) ist ein Spätwerk des Meisters und ist datiert auf den 11.3.1738. Das Werk beginnt und endet mit einem Satz über den Text “Miserere mei Deus” (”Herr, sei mir gnädig”); dies darf durchaus persönlich verstanden werden. Denn es ist lithurgisch nicht vorgesehen, geht also auf ein bewußtes Arrangement Zelenkas zurück, daß dieser Vers am Schluß des Psalms wiederholt wird.

Im zweiten Satz hat Zelenka ein Werk von Girolamo Frescobaldi (1571-1643), dem berühmtesten italienischen Organisten des 17. Jahrhunderts, mit dem vollständigen Psalmtext versehen. Das Stück stammt aus der “Messa delli Apostoli” (für Orgel), die in Frescobaldis “Fiori Musicali” 1635 gedruckt worden war. Die Zusammenstellung eigener und fremder Kompositionen zu einem persönlichen Gesamtwerk ist für Zelenka durchaus untypisch.

(Textauszüge: CAPRICCIO)

————————————

Meine Bewertung:

Im barocken Klangfarben erklingt das “Adagio” durch das Barockorchester als sinfonische Einleitung des 1. Satzes (Miserere I) mit dem nachfolgenden “Miserere” durch den schlanken Chor. Mir scheint, dass die Tenöre lauter vernehmbar sind, als die die weitere Sängerschar.

Der 2. Satz (Miserere II) erklingt singend verhaltener durch einen gut durchhörbaren Chor.

Im 3. Satz (Gloria Patri I) beginnt wieder mit einer Sinfonia durch das Orchester, etwas schrill im Ton, keine Darmseiten des Orchesters? Die Sopran-Solistin (Maria Zadori) singt sehr verständlich und Aussagekräftig das “Gloria Patri I.”

Der 4. Satz besticht durch einen recht gut besetzten mehrstimmigen Chor in dem “Gloria Patri II” und mit voller Orchesterbegleitung.

Das “Sicut erat” im 5. Satz erklingt in der gleichen Form der Besetzung wie im 4. Satz.

Das “Miserere III” im 6. Satz wird durch eine kleine Orchester-Sinfonia eingeleitet. Ein anschließender kraftvoller Gesang beeendet diese Psalmvertonung.

Als Kritikpunkt zum Orchester ist zu bemerken, dass die barocke Eleganz und Stimmigkeit nicht unbedingt vorhanden ist, wie ganz anders erzeugen Top-Orchester ein Klangvolumen, das den vorgenannten Kriterien überzeugender nachkommen. Die gesangliche Qualität des Chores ist durchaus beachtlich und angemessen.

Zelenkas Psalmvertonung ist in ihrer Gleichförmigkeit und ohne große Spannungsmomente besitzend als ein einfaches Werk anzusehen. Eine gewisse Faszination kann dem Werk nicht abgesprochen werden und wurde durch eine gute Interpretation des Leiters Hermann Max und der Rheinischen Kantorei entsprechend ordentlich umgesetzt.

Die gleiche Werkswiedergabe erfolgt durch J.E. Gardiner am 23.6.2007 in der Frauenkirche in Dresden mit der Sächsischen Staatskapelle und dem Monteverdi Choir. Nach dem Besuch des Konzertes an dortiger Stätte, werde ich einen Vergleich der Interpretation von Hermann Max zu J.E. Gardiner im Blog als Nachtrags-Kommentar abhandeln.

Grüsse

Volker

Kommentare:

Volker hat gesagt…

Hallo,

mich würde einmal eine Antwort aus dem Forum interessieren, wer besitzt eine CD von Jan Dismas Zelenka und kann dazu nähere Angaben machen.

Gruß
Volker

wadamo hat gesagt…

Lieber @Volker!

Jan Dismas Zelenka hörte ich zuerst im Hause Herford Ginsterweg 8, in das ich jetzt mit meiner Familie hineinziehe.

Ich war sofort begeistert vom Schwung und Einfallsreichtum des katholischen Hofmusikers des Prager und Dresdner Hofes. Der Herforder kulturelle Background war für mich damit angestoßen.

Da ich am Woende in Herford bin, kann ich Dir 3 CDs (Miseree, Messen, Orchestermusik) leihen und Du bringst sie mir Mitte April in den Ginsterweg 8, wohin ich Dich zum Tee einladen darf.

Treffen und erstes Kenbnenlernen. Vorschlag
Sa 11 Stadtbib Linnebauerplatz; oder 16 Spaziergang Stukenberg oder So im Laufe des Tages. 17.30 fahren wir dann zurück nach Hessen.

Vielleicht klappt's. Das wäre ein spannendes kleines kulturelles Abenteuer, wenn unsere @-Bekanntschaft persönlich würde.

Gruß

Wolfgang