Dienstag, 26. Februar 2008

Bekehrung zu Ton Koopmann

Lieber Volker, lieber Blogger,

ich hatte eine Bekehrung. Ton Koopman und seine Bachkantaten haben mich völlig zu sich gezogen. Hätte ich nur Zeit. 


Foto: Ton Koopman

Am Wochenende hörte ich Ausschnitte von JPC und sah(!)
bei www.you tube.com 
Ausschnitte aus Kantaten und der Matthäuspassion. 
Ganz unbeschreiblich. Mertens, Pregardien, Lisa Larsson, Cornelia Samuelis, Deborah York...ich bin mit fliegenden Fahnen übergelaufen. Kein Harvey mehr mit Zitterstimme, keine englischen Dramatiker im Tenorfach...Entschuldigt, Ihr wisst, Konvertiten sind ganz abscheulich, eine Pest für die Menschheit...und ich bin eine Konvertitin. 



Foto: Amsterdamer Barock-Orchester

Was für ein Orchester, was für ein Chor...vielleicht ist es doch nicht so toll mit Originalmitschnitten. Ach, den (neuen)Meister vergaß ich. Wie der dirigiert und vor allem, was er aus seinen Orgelparts macht, das ist sensationell. Sehr und hört euch mal was aus dem Fundus der Amsterdamer an.

Liebe Grüße

von muriel, die freiwillig auf den Scheiterhaufen steigt, wenn es verlangt wird.

Kommentare:

Volker hat gesagt…

Hallo muriel,

herzlich willkommen mit deinem ersten selbständigen Beitrag im neuen Forum.

Mit deiner neuen Vorliebe für Koopman hast Du nun deinen Lieblingsinterpreten gefunden, das zeichnete sich aber schon in deinen Kommentaren in der letzten Zeit so ab. Es hiesse Eulen nach Athen zu tragen, als ein sehr guter Bach-Kenner und Interpret ist er in der Klassik-Welt anerkannt und beliebt.

Diese gleiche Stufe zeichnet sich für Masaaki Suzuki ab, seine Bach-Einspielungen sind mehr als beachtlich von den Fach-Kritikern bewertet worden, während die Alt-Gardisten wie Rilling sich so langsam von der Klassik-Welt verabschieden werden.

Gerne hören wir weiterhin von Dir etwas aktuelles über deinen Lieblingsinterpreten Koopman, denn das interessiert uns alle und kann das Forum nur bereichern.

Liebe Grüße
Volker

Anonym hat gesagt…

Kommentar von @Barbara

Hallo Muriel,

lass das mal lieber mit dem Scheiterhaufen, ist zu heiß. Ist doch schön, dass Du Aufnahmen gefunden haben, die alles in Dir zum schwingen bringen. Bei mir ist das i.d.R. Gardiner, aber wir wollen ja nicht einseitig werden.

Allerdings wirst Du Dich noch wundern, denn an den englischen Tenören kommst Du auch bei Koopmann nicht vorbei. James Gilchrist und Paul Agnew sind bei nicht wenigen Kantaten mit von der Parie. Vor kurzem kam auf WDR eine Koopmann -Aufnahmen der BWV 97, die ich wegen James Gilchrist mitgeschnitten hatte. Von der Aufnahme war ich auch sehr begeistert.

Etwas mehr Probleme habe ich da schon mit Suzuki. Da springt bei mir der Funke nicht so über. Bei einer Bachkantate, aufgenommen bei den Proms im letzten Jahr, saß ich dann da und dachte, mhh, da fehlt doch was und habe mir dann den Spaß gemacht, die entsprechende Gardiner Aufnahme parallel zu hören.

Sehr interessant. Schon die Zeitvergleiche bei den einzelnen Arien und Chören sagen eine Menge aus. Hier ziehe ich eindeutig die intensivere Gardiner-Aufnahme vor.
Aber noch einmal zu Koopmann: Kennst Du diese Website:
Link:

Hier klicken

Hier ist zu jeder Box eine Pdf-Datei mit vielen Detail-Infos, z.T. die kompletten Booklets zu finden. Und auf seiner eigenen Website sind auch viele Hörbeispiele hinterlegt.

Viele Grüße - und erzähl weiter von dem, was Du entdeckst.

Barbara

Anonym hat gesagt…

Liebe Barbara, lieber Volker,

während meines Urlaubs hörte ich Kantaten der Koopmann-Reihe. Erstaunlich, wie sich die beiden Aufnahmereihen in den Tempi unterscheiden. Dabei ist der Mann aus Zwolle durchaus nicht immer "langsamer" als der Sir. Er hat ganz ausgezeichnete Instrumentalisten. Z.B. den Trompeter Stephen Keavy, der auf seiner Trompete "singen" kann. Dann natürlich die Laute - Mike Fendros. Der stellt die einzelnen Stücke in einen ganz anderen Rahmen als es der Sir kann. Die Choräle bleiben bei Koopmann Choräle und werden keine Dramen. Welch ein Glück, dass Koopmann - bis auf den Bass - keine feste Solistentruppe hat. Es wäre ja furchtbar, würde Barbara Schlick in allen Kantaten Sopran singen. Eine Pleite sind die beiden Tenöre Gilchrist und Agnew. Wie die die Töne nachdrücken und flüstern und schreien, für mich nachgerade unerträglich. Bei Koopmann gibt es eine so vorzügliche Continuogruppe, dass man schon wegen ihr die Reihe kaufen sollte.
Alles subjektiv, alles Gefühl. Der Hexenmeister aus Zwolle hat mich in den letzten Wochen so einseitig auf Bach fixiert, dass alle andere Musik zur Zeit für mich völlig gegenstandslos ist.

Liebe Grüße
muriel

Volker hat gesagt…

Hallo muriel,

deine Begeisterung für Ton Koopman spüren wir überschwenglich in deinen Beiträgen, ist auch in Ordnung, jeder hört seine Lieblinge und setzt seine eigenen Qualitätsmerkmale. Dass Koopman ein beseelter Bachkenner ist und in seiner Auswahl der Solisten neuerdings auch auf die Gardiner-Garde setzt, ist schon mehr als erstaunlich.

Mit deiner Kritik zu James Gilchrist muss ich dich leider enttäuschen, er ist für mich ein hervorragender Tenor, der mich immer wieder begeistert, inniger kann ein Gesangsvortrag mit Rezitativen und Arien von Bach nicht vorgetragen werden, er ist und bleibt einer meiner Lieblings-Tenöre.

Solltest Du die nächste SDG-CD erhalten, dann fixistiert Du dich wieder einmal auf einen anderen Interpreten, denn in der Vielfalt wirst Du so manches Kleinod entdecken und beglückt feststellen, es existieren noch andere Könner auf dem Erdballl und so sollte es auch sein...!!

Lieben Gruß
Volker

Anonym hat gesagt…

Hallo Muriel,
wenn wir beiden mal zusammen an einem Tisch sitzen würden, würde es sicher ein spannender Abend. Bei so konträren Ansichten über Sänger, Choräle, Tempi... Sprich: das Meiste von dem, was Du schreibst, empfinde ich genau anders herum. Wie für Volker, ist auch für mich James Gilchrist einer überzeugendsten Tenöre für Bach, Händel usw. Allerdings bin ich sehr erstaunt, wie unterschiedlich bei gleicher Kantate ein James Gilchrist bei Gardiner, Koopmann oder Suzuki klingt. Vor einigen Wochen hatte ich Sonntagmorgen eine Bachkantate aus der Koopman-Reihe aufgenommen und konnte einfach nicht glauben, dass der im Programm aufgeführte J. Gilchrist gesungen haben sollte. Recherchen auf Koopmans Website haben ergeben, dass er tatsächlich der Sänger war - und ich habe die Löschtaste meines Computers gedrückt. Diese Aufnahme war, im Vergleich zu anderen, einfach indiskutabel.
Schönen Abend
Barbara

Anonym hat gesagt…

Hallo Muriel,
zu Deinem Kommentar:

Ja @Barbara, da stimme ich mit Dir überein, auch ich möchte bei den Koopmannaufnahmen immer auf den Löschknopf drücken, wenn die Engländer zu singen anfangen. Daran hindert mich das hervorragende Istumentenensemble.

Da hast Du aber etwas gründlich missverstanden. Ich meinte EINE EINZIGE Kantate, bei der ich die Löschtaste gedrückt habe. Ich habe andere Rundfunkaufnahmen, zB BWV 97, mit Gilchrist und Koopman, die ich ganz hervorragend finde. Man muss einfach jedesmal hinhören und sich ein Urteil bilden und sich nicht hinter "die Engländer" oder "mein Lieblingssänger" verstecken. Kritikfähigkeit in beide Richtungen halte ich für sehr wichtig. Haben wir doch alle mal beigebracht bekommen, dass Pauschalurteile grundsätzlich nicht angebracht sind.
Schönen Abend
Barbara

Anonym hat gesagt…

Das meine ich auch, dass wir uns missverstehen. Es gibt wenige Sängerinnen/Sänger die heute toll und morgen zum Abschalten singen. Z.B. Dieskau. Es gibt keine Aufnahme, auf der er zum Abschalten schlecht singt. Oder Pregardien, man kann sich darauf verlassen, einen spannenden Vortrag zu hören. Und dann hat man eben die Sänger, die einen nerven, mich die "wundervollen" englischen Tenöre und ich muss sagen, schon bei den Passionen und dem WO hat Gardiner einen Tenor singen lassen, der den Aufnahmen einfach abträglich war. Ich wollte nur sagen, dass ich Dir nicht unterstelle, dass Du bei Gilchrist generell abschaltest, so wie ich es gern tun würde. Immerhin hat ihn ja die Rezensentin der FAZ bei der Besprechung der "Johannespassion" hoch gelobt. Pauschalurteile sind das eine, Pauschallob das andere. Beides ist nicht gut aber bei der Beurteilung von Sängern möglich.

Auch einen schönen Tag
muriel