Montag, 11. Februar 2008

Archiv-Beitrag: Besuch der Orgel-Nacht-Musik bei Kerzenschein in der Frauenkirche Dresden am 22.06.2007 um 23:00 Uhr

Dresden, 22.06.2007 Volker


Besuch der Orgel-Nacht-Musik bei Kerzenschein in der Frauenkirche Dresden am 22.06.2007 um 23:00 Uhr




Foto: Frauenkirche Dresden (Fotorechte: V.Hege)


Mit großen Erwartungen und voller Vorfreude, eine wunderschöne Orgel-Nachtmusik bei Kerzenschein an der neuen Kern-Orgel in der großartigen Frauenkirche erleben zu können, lenkten wir unsere Schritte auf die uns zugewiesene Eingangstür. Nach einem längeren Aufstieg gelangten wir auf die erste Empore links, hier angekommen schnappten wir erst einmal nach Luft, so stickig und schwül war der kleine Raum.

Schnell wurde in das zuvor gekaufte Programmheft geschaut, um uns schlau zu machen, was denn für Orgelwerke an dem Konzertabend anstehend würden. Der erste Blick galt in dem Programmheft dem ausführenden Organisten, die Mine hellte sich auf, nichts Geringeres als der Dom-Organist aus Erfurt „Silvius von Kessel“ wurde angekündigt, ein Großer seiner Gilde, da schien der Abend schon einmal Verheißungsvolles anzukündigen.


Foto: Stimmungsbild von der Orgel-Nacht-Musik bei Kerzenschein

Weiterlesend verzog sich das Minenspiel mit Längen nach unten, angekündigt in den Programm-Zeilen wurden Texte und Musik – Gottesfragen – Menschenworte von „Annette von Droste Hülshoff“ mit Orgel-Improvisationen des ausführenden Organisten.

Der eingenommene Sitzplatz auf der 1. Empore links erwies sich schon als eine Zumutung, 9,80 € als Eintritt war ganz schön happig und dann das ständige Knattern der Holzbänke und des Fußbodens während der Lesung und Orgelmusik, keine Sicht in das Frauenkirchen-Mittelschiff, kippte unsere Stimmung ins Gegenteil um. Hier fühlten wir uns verschaukelt, unser Wunsch, ein tolles Orgelkonzert zu erleben, erwies sich als Trugschluss, wie groß war die Werbung auf eine Orgel-Nachtmusik bei Kerzenschein ausgerichtet, und dann wird man so in die Irre geleitet.



Foto: Beetstuben darüber die erste Empore

Die Lesungen, vorgetragen von Mitgliedern des Staatsschauspiels Dresden, waren allesamt sehr verständlich vorgetragen aber hatten eine Länge, die dem erschöpften Angereisten nur ein müdes Interesse hervorzulocken vermochten.

Nach insgesamt acht Themen Lesungen wurde dazwischen als Übergang zu der folgenden Lesung eine spezifische Orgel-Improvisation des Dom-Organisten zu dem vorangegangenen Thema zu Gehör gebracht.

Diese Orgel-Improvisationen waren so schrecklich für unsere barocken Ohren anzuhören, dass wir in Erwägung gezogen hatten, zur Halbzeit die Kirche zu verlassen. In Scharen verließen zuvor die angelockten Besucher die Frauenkirche, wir aber harrten aus, und erlebten weiter ermüdende Lesungen und nicht erträgliche Orgelmusik, diese Musik strapazierte nur unsere Ohren. Die Improvisationen an der Orgel dauerten zwar nur ca. 20 bis 25 Minuten, aber auch das war schon des Guten zuviel.



Foto: die Kern-Orgel der Frauenkirche in Dresden

Frustriert strebten wir dem Ausgang zu und waren von dem Gebotenen total enttäuscht, es erhebt sich die Frage, muss der Besucher so etwas angeboten bekommen, eine Programmgestaltung mit klassischer Orgel-Literatur wäre empfehlenswerter, hier sollten sich die Veranstalter der Orgel-Nacht einmal Gedanken darüber machen.....

Volker

1 Kommentar:

Volker hat gesagt…

3 Antworten auf “Unser Besuch der Orgel-Nachtmusik in der Frauenkirche Dresden am 22.06.2007, 23:00 Uhr”

1. Barbara sagt:
27.6.2007 bei 17:00

Hallo Volker,
das war ja ein halber Alptraum. Da freust Du Dich auf ein herausragendes Erlebnis und wirst so enttäuscht. Aber Improvisationen sind immer heikel, je nachdem wer spielt. Hast Du mal Matthias Eisenberg improvisieren hören? Wahnsinn, jedenfalls für mich. Nach meinem Erlebnis in Braunschweig letztes Jahr kann ich voll nachfühlen, wie enttäuscht Du bist. Aber damals stimmte wenigstens die Musik… Und gerade die Orgel ist nach meiner Erfahrung ein Instrument, das Bauch-, Kopfschmerzen und schreckliche Verspannungen auslöst, wenn die Musik einfach nicht zu mir passt. Aber Du bist doch sicher am nächsten Tag mehr als entschädigt worden! Oder? Das werden wir hoffentlich noch von Dir hören.
Viele Grüße
Barbara
2. Volker /admin sagt:
27.6.2007 bei 18:00

Hallo Barbara,

das war wirklich ein Zumutung, es wurde z.B. ein Text: “Geh aus mein Herz und such dir Freud”, vorgetragen, dieses bekannte Lied enthält so eine schöne Melodie, doch was dazu als Improvisation geboten wurde, war reinste “Willkür”, die Melodie kam fast garnicht vor, nur schrille Töne des 21. Jahrhunderts, von einem Organisten, der recht ordentliche Einspielungen vorzuweisen hat.

Dass Orgelmusik heikel sein kann, ist mir voll bewusst, ich liebe dieses Instrument über alles, deshalb bin ich bei Improvisationen sehr sehr skeptisch, hier habe ich aber schon großartige Improvisationen,z.B. über Kirchenlieder gehört, dass in der Frauenkirche war Blechbüchsen-Musik pur, keine nur annähernde Harmonik war zu hören, nur schrille Töne, so schlimm habe ich das noch nie erlebt, mit so einer Orgelmusik gewinnt man keine neuen Besucher, sondern vergrault und verschreckt sie, dass sollten die Verantwortlichen sich einmal ins Stammbuch schreiben.

Was für eine fantastische Kern-Orgel besitzt die Frauenkirche, man hat versucht, mit ihr alle Perioden nachspielen zu können, was ja nur bedingt möglich ist, wenn es kein Original-Instrument z.B. aus der Bachzeit ist, umsomehr sollte diese Möglichkeit ausgiebig von den Organisten genutzt werden, aber nicht mit Schreckschussmusik.

Grüße
Volker.