Freitag, 16. Mai 2008

Helmuth Rilling feiert am 29.5.2008 seinen 75. Geburtstag !

Hallo,

falls es noch nicht bekannt sein sollte, so möchte ich für die Rilling-Fans diesen Hinweis ins Forum stellen.

Am 29. Mai 2008 wird der Dirigent, Pädagoge und Botschafter der Musik Johann Sebastian Bachs, Hellmuth Rilling sein 75. Geburtstag feiern.


Foto: Helmuth Rilling, Dirigent und Bach-Interpret (Foto Michael Latz, (c) Internationale Bachakademie Stuttgart)

Laudatio:

»Musik darf nie bequem sein, nicht museal, nicht beschwichtigend. Sie muss aufrütteln, die Menschen persönlich erreichen, sie zum Nachdenken bringen.« Dies ist das persönliche Leitbild von Helmuth Rilling. 1954 gründete er die Gächinger Kantorei, 1965 kam das Bach-Collegium Stuttgart als instrumentaler Partner dazu. Seit dieser Zeit datiert die intensive Beschäftigung Helmuth Rillings mit dem Werk Johann Sebastian Bachs, mit dem sein Name heute eng verbunden ist.

Er hat außerdem entscheidend zur Wiederentdeckung der romantischen Chormusik beigetragen und fördert durch regelmäßige Kompositionsaufträge die zeitgenössische Musik. Mit seinen Ensembles gibt Helmuth Rilling weltweit Konzerte und ist gefragter Gastdirigent bei führenden Orchestern in Europa, den USA und Kanada. Eine besondere Freundschaft bindet ihn seit über 25 Jahren an das Israel Philharmonic Orchestra. Seit 1970 ist er künstlerischer Leiter des von ihm mitbegründeten Oregon Bach Festivals, eines der profiliertesten Musikfestivals in den USA.

1981 gründete Rilling die Internationale Bachakademie Stuttgart, die sich Person und Werk Johann Sebastian Bachs und seinen Auswirkungen auf die Musik seit 1750 bis in unsere Zeit in allen Facetten widmet: Sie veranstaltet Konzerte, Meisterkurse für Sänger und Dirigenten, Symposien, das Europäische Musikfest Stuttgart, die Bachwoche Stuttgart und die Akademiekonzerte, eine Konzertreihe mit oratorischen Werken vom 17. bis 21. Jahrhundert.

Aktuelle Projekte und Engagement
Im Jahr 2008 wird Helmuth Rilling mit dem Preis der Europäischen Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd sowie dem Georg-Friedrich-Händel-Ring des Verbands Deutscher Konzertchöre ausgezeichnet. Auf CD sind zuletzt Werke von Haydn, Händel und Gubaidulina erschienen; in Vorbereitung ist die Aufnahme des War Requiems von Benjamin Britten. 2009 ist ein Mitschnitt des Verdi-Requiems mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR geplant.

Gastdirigate führen Helmuth Rilling 2009 u. a. nach New York (»Messias« mit dem New York Philharmonic Orchestra und der Gächinger Kantorei), Washington, Valencia und Madrid.

Gemeinsam mit der Gächinger Kantorei und dem Bach-Collegium Stuttgart wird der Dirigent im November 2008 "Bachs h-Moll Messe" im Petersdom aufführen und 2009 auf Israel-Tournee gehen.


Bereits zum dritten Mal folgt Helmuth Rilling einer Einladung der New Yorker Carnegie Hall und gibt einen Workshop für den Festivalchor der berühmten Konzerthalle.

(Auszüge und Textquelle: Internationale Bachakademie Stuttgart)

Grüsse
Volker




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Kommentare:

Volker hat gesagt…

Hallo zusammen,

wer vom Forum mag die Interpretationsform von Helmuth Rilling und besitzt CD's von ihm. So langsam entsteht bei dem Bach-Interpret auch ein Gespür für die historische Aufführungspraxi, die er ansonsten so vehement abgelehnt hatte.
Sein Credo dazu: "Auch mit modernen Instrumenten klingen die Werke von J.S. Bach, warum muss es die h.A. sein!"

Da wohl nun alle Bach-Interpreten auf diesen Zug der Zeit gesprungen sind, macht er es halbherzig und nicht aus Überzeugung.

Wie ist Eure Meinung dazu, lasse mich gerne anders überzeugen.

Grüsse
Volker

Anonym hat gesagt…

Hallo, ich habe Rilling seit 20 Jahren schon nicht mehr gehört, fand ihn damals, wie gesagt, überzeugend, packend, wegweisend vor dem Hintergrund des straube'schen Interpretationsstils, den ich bis dahin kannte. Auch wenn ich glaube, dass ich es inzwischen recht gruselig finden könnte - irgendwie kann nicht allein entscheidend sein, wie irgendwelche Aufnahmen heute klingen - der Mann hat viel bewegt, und bestimmt hat Großmeister Gardiner direkt oder indirekt auch von ihm profitiert. Gruß von Alex

Montanus hat gesagt…

Guten Tag!

Rilling habe ich mehrfach im Konzert erlebt, und ich besitze auch einen Packen seiner Aufnahmen, die ich allerdings inzwischen kaum noch auflege – das Bessere ist halt der Feind des Guten.
An Alex’ Beurteilung kann ich mich jedenfalls großenteils anschließen, Pauschal-Verrisse dagegen sind so kritisch zu sehen wie undifferenziertes Lob.

Rillings richtige These: Wir können Bachs Aufführungs-Situation nicht rekonstruieren, unsere Hörgewohnheiten sind von späteren Erfahrungen geprägt. Folglich baut er auf der Praxis seines Lehrers Grischkat auf; Rilling steht im Gefolge von Ramin und Richter, neben Thomas, Rotzsch, Winschermann, Hellmann.
Was er dabei zu übersehen scheint: Unsere Bach-Rezeption ist in den letzten 35 Jahren gehörig umgekrempelt worden, und die Zeit ist über Rillings konservativen Ansatz hinweggegangen. Wir hören Bach heute anders, Harnoncourt und Leonhardt, mehr noch derzeit Koopman und Suzuki, natürlich Gardiner, sind für unsere Ohren „Bach-Alltag“ geworden.
Gemerkt haben dürfte Rilling das allerdings auch, es gibt deutlich ohrenfällige Belege.
Man vergleiche etwa seine Einspielungen der weltlichen Kantaten von Mitte der 60er und Ende der 90er Jahre: Rilling war wohl selbst nicht mehr überzeugt von dem damaligen breiten, flächigen Musizieren, statt dessen nimmt man Elastizität und Transparenz erfreut zur Kenntnis.

Rillings Verdienst ist für mich vor allem die Hinführung zu Bachs Opus. Wer hat wie er mit solcher Hingabe nicht nur die Musik der Kantaten, sondern darüber hinaus ihre Texte, die Wort-Ton-Beziehungen, den christlichen Hintergrund breiteren Kreisen nahe gebracht? (Erst Gardiner tat es wieder in seinem „Tagebuch“, wenn auch auf andere, sehr subjektive Weise.)
Leider war es mir nie vergönnt, Rillings Stuttgarter Kantatengottesdienste samt Einführung zu besuchen, aber vor 25-30 Jahren im Hessischen Rundfunk gesendete „Gesprächskonzerte“ aus der Frankfurter Alten Oper dürften ein gutes Bild davon gegeben haben.
Eine kleine Fortsetzung brachte vor einigen Jahren das SWR-Fernsehen, am letzten Sonntagmorgen wurden BWV 137 und 67 wiederholt. Und dort kommt noch mehr von und mit Rilling, so am kommenden Sonntag von 9.15 bis 11 Uhr, Näheres hier:
http://www.swr.de/swr2/faszination-musik/tv/archiv/2008/05/25/beitrag.html

„Rilling hat sich um Bach (und beileibe nicht nur um ihn!) verdient gemacht“ das stimmt, doch es klingt sehr nach Nachruf. Wir sollten ihm – bei aller kritischen Distanz – dankbar sein für sein unermüdliches Wirken und ihm noch etliche Jahre mehr davon wünschen.

Viele Grüße von Montanus.

Volker hat gesagt…

Hallo montanus, hallo Alex,

für die inhaltsreichen Kommentare seid ganz herzlich gedankt.

Deine ausführlichen Aussagen, lieber @montanus, zu Helmuth Rilling sehe ich genau so aus meiner Sicht, wer als sonst in der Person von H.R. konnte die Ära eines Karl Richters nach seinem Ableben 1981 in diesem Sinne fortsetzen. Karl Richter war ein entschiedener Gegner der historischen Aufführungspraxis und setzte seine Ausdrucksmittel entsprechend der sächsischen Musizier-Tradition (Straube, Leipzig) fort, großer Klangkörper, moderne Instrumente und gewaltiger Chor.

Diesen Anspruch versuchte Rilling nahe zu kommen und entsprach der althergebrachten Aufführungsform.

Für heutige Ohren erklingen diese Aufnahmen als alte Relikte einer Vergangenheit, die aber ihre absolute Daseinsberechtigung besitzen, sie möchte ich nicht missen, welche fantastischen Vergleichsmöglichkeiten hat der Bachfreund, die Interpretationsstile und Nuancen der Bachschen Musik nach Interpreten vergleichen zu können.

Die Entwicklung der Aufführungsform ist in den vergangenen drei Jahrzenten Atemberaubend gewesen, wie mag der Hörer in fünfzig Jahren die historische Aufführungspraxis auffassen?

Die Musik von J.S. Bach erträgt alle Interpretations-Epochen und Stile, gerade darin liegt die Würze der genialen Musik von Bach, sie ist unzerstörbar und darüber sollten wir uns freuen!

Gerne hätte ich noch weitere Kommentare von Spezialisten und Freunde von H. Rilling, die seinen Aufführungsstil und theologische Auffassung zur Bach'schen Musik als Non Plus Ultra ansehen.

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Die Link-Angabe von @montaus zur Sendung vom swr2 am 25.5.2008 stelle ich nochmals als Direcktverlinkung hier zur Verfügung:

Hier klicken

Herzliche Grüsse an alle

Volker

Volker hat gesagt…

Hallo,

nochmals der Versuch mit der Direcktverlinkung zum swr2, in meinem vorangegangenen Kommentar klappte es nicht richtig.

Hier klicken

Volker

Anonym hat gesagt…

Rilling, ich sehe meine Meinung zu von ihm durch Montanus komplett gedeckt. Der Mann hat neben den immensen musikalischen Fähigkeiten auch sehr menschliche. So besuchte er regelmäßig Kantorinnen und Kantoren in der DDR und öffnete ihnen in langen, spannenden Gesprächen die Bachwelt neu. Gern erinnere ich mich an eine Aufführung der h-moll-Messe, die R. in Ostberlin mit dem Berliner Domchor aufführte. Er versorgte die Ostmusiker mit den damals brandneuen Aufnahmen der Kantaten, ich besitze davon noch eine. R. ist ein wirklich humaner Mensch. Mich hat es sehr gefreut, dass er bei der Wende mit seinem Chor zur Feier dazugeholt wurde und nicht die Thomaner o.ä.
Noch eins, Rilling scheint mir einer der wenigen große Musiker zu sein, die Bach von seinen christlichen Grundlagen her verstehen und keiner der hoch musikalischen Neuheiden, die Bach groß musizieren und doch komplett verfehlen.

Liebe Grüße
muriel

Iris hat gesagt…

Hallo, zusammen,
ich bin im Besitz der Gesamt-Bachausgabe von Rilling; und ich muss ehrlich gestehen, dass ich noch immer viel Freude daran habe. Das Notenbüchlein f. A. M. Bach ist z.B. immer in meinem Reisegepäck. Die "Schlummerarie" aus "Ich habe genug" BWZ 82, ist so sagenhaft schön wiedergegeben, dass keine andere Einspielung das Wasser reichen kann.
Herzl. Gruss
Iris

Anonym hat gesagt…

Hallo,
am Sonntag, 25.5.08, sendet das SWR-Fernsehen zum 75. Geburtstag von Helmuth Rilling:
07.30 Uhr Helmut Rilling - mit Hingabe und Leidenschaft (Wdh. vom Dienstag, 20.5.)
Ein Film von Irene Klünder
09.15 Uhr J.S. Bach: Konzert für 2 Violinen d-moll BWV 1043
09.30 Uhr J.S. Bach: Kantate BWV 56 (Gesprächskonzert)
10.05 Uhr: Rilling dirigiert Antonio Vivaldi: Magnificat, Kyrie, Dixit Dominus
00.00 Uhr: Die Gächinger Kantorei - Von der Alb in die Welt

siehe auch:
http://www.swr.de/swr2/faszination-musik/tv/archiv/2008/05/25/beitrag.html

Weitere Sendetermine im SWR Fernsehen mit Helmuth Rilling
Sonntag, 01/06/08
9.30 Uhr J. S. Bach: "Kaffee-Kantate" BWV 211, Gesprächskonzert
10.00 Uhr Helmuth Rilling - Mit Leidenschaft und Hingabe (Wh.)

Falls ich diese TV-Hinweise hier im Forum übersehen habe, bitte ich den Moderator mein Posting wieder zu löschen.

Gruß,
Carl

Volker hat gesagt…

Hallo zusammen,

nach meinem Kurztripp über das wunderschöne und sonnige Wochenende in meine ehemalige Wahlheimat nach Kiel sehe ich die zahlreichen Kommentare von Euch, dafür danke.

Hallo @Carl, aufgrund deiner Angaben habe ich gestern um Mitternacht mir die Aufzeichnung im sfw-fernsehen angesehen. Es ist schon beeindruckend, mit welcher Hingabe und Begeisterung die kleine "Gächinger Kantorei" entstanden ist. Ein beeindruckender Filmbeitrag ist da entstanden mit schönen Musikeinspielungen.

@ Iris, Du besitzt von Rilling die Gesamt-Einspielungen, das war mir neu, dann bist Du bestens präpariert für die Gesamt-Einspielungen der Pilgrimage 2000.

@ Muriel, deine Angaben von Besuchen Rillings in der ehemaligen DDR fand ich interessant, auf diesem Gebiet (Bach) waren wenigstens Übereinstimmungen zu erzielen.

Grüsse an alle
Volker