Dienstag, 12. August 2008

Besprechung: CD's von SDG 144 Vol.25 veröffentlicht vom Label: "Monteverdi" im Mai 2008

Hallo,


meine Rezension von SDG 144, Vol. 25 / - zwei CD's -



SDG 144, Vol. 25 / zwei CD's

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Kantaten für den fünften Sonntag nach Ostern (Rogate)

BWV 86 - Wahrlich, wahrlich, ich sage euch
BWV 87 - Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen
BWV 97 - In allen meinen Taten

(Aufführungsstätte: Annenkirche Dresden am 27. und 28. Mai 2000)

Soloists: Katharine Fuge | Robin Tyson | Steve Davislim | Stephen Loges


Foto: Aufführungsort Annenkirche, Dresden


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Kantaten für den Sonntag nach Himmelfahrt (Exaudi)

BWV 44 - Sie werden euch in den Bann tun I
BWV 150 - Nach dir, Herr, verlanget mich
BWV 183 - Sie werden euch in den Bann tun
Fürchte dich nicht - Johann Christoph Bach

(Aufführungsstätte: Sherborne Abbey, Sherborne am 4. Juni 2000)


Soloists: Joanne Lunn | Daniel Taylor
| Paul Agnew | Panajotis Iconomou
The Monteverdi Choir | The English Baroque Soloists | John Eliot Gardiner



Foto: Aufführungsort Sherborne Abbey, England (Fotorechte: www.dorsets.co.uk)

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Click here "Gardiners-Reisetagebuch" for a German
Translation of the sleeve notes.


Hier klicken zur "Meinungsäußerung" von David 'Watkin; Violoncello,
zur SDG 144 Vol. 25


Hörproben und Bestellung der CD's über j p c - "

oder bei
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Rezension CD 1

Kantate:
BWV 86 - Wahrlich, wahrlich, ich sage euch (für den Sonntag Rogate)

Bach hat diese Kantate in seinem ersten Leipziger Amtsjahr zum 14. Mai 1724 komponiert.
Im Eingangssatz sind alle Stimmen, nicht nur der Bass, sondern auch der Streichersatz, vokal konzipiert.

Gardiner in seinem Reisetagebuch erwähnt dazu:

Bach betont den Optimismus, der im Text der Kantate angelegt ist, indem er eine abwärts gerichteten
modulatorischen Bogen beschreibt, der in E-dur beginnt und endet, einer Tonart, die an der obersten Grenze seines tonalen Spektrums angesiedelt ist und daher positive Assoziationen und Empfindungen
aufblitzen lässt. Die auf der obligaten Violine virtuos vorgetragenen gebrochenen Akkorde in der Alt-Arie (Nr. 2) symbolisieren natürlich die Rosenzweige, die gebrochen werden sollen. Die Arie schildert das
gewagte Unterfangen, die Dornen zu überwinden, um zur Blüte vorzudringen (eine Metapher für spirituelle Freude und Schönheit). Das Brechen der Rose ist hier nicht einfach nur ein Schnitt mit der Gartenschere, sondern eine sich drehende, zerrende Figur bei dem Wort ‚brechen’, und die Dissonanz kennzeichnet die ‚stechenden’
Dornen.

Im 5. Satz ist eine rührige Tenor-Arie (
Steve Davislim ) mit dem "Gott hilft gewiss..." zu hören, eine wertvolle "da-capo-Stelle." Dieser Text und das herrliche Bc gibt einem Trost und Zuversicht für den grauen Alltag, der Tenor:
- Steve Davislim - weiss diesen Text gesanglich vortrefflich vorzutragen. Es scheint, der gesamte Text wird dem Hörer vielfältig zugerufen...!!

Der Schluss-Choral: "Die Hoffnung wart' der rechte Zeit" wird vom Monteverdi Choir in seiner unnachahmlichen Art entsprechend vorgetragen.


Kantate:
BWV 87 - Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen (für den Sonntag Rogate)

Diese Kantate ist zum 6. Mai 1725 komponiert worden. Der zweite Satz scheint von Bach als Text persönlich hinzugefügt worden zu sein, um den Übergang zum folgenden Trostwort Jesu weniger schroff zu gestalten, wahrscheinlich auch, um die Folge ähnlicher Sätze; Arie - Arioso - Arie - , aufzulockern.

Im 5. Satz überzeugt mich der Tenor (
Steve Davislim ), mit der vortrefflichen Bass-Arie: "In der Welt habt ihr Angst" entsprechend der Text-Aussage kommt die "Angst" gesanglich in einer quantiativen Qualität zur Geltung.

Gardiner äußert sich zum 6. Satz: "Ich will leiden, ich will schweigen"

Erst im sechsten Satz, einem ausgedehnten Siciliano in B-dur von unbeschreiblicher Schönheit für Tenor, Streicher und Continuo, wird Bachs Gesamtkonzept deutlich: Er will Sorge und Freude, Moll und Dur so gewichten, dass die Verheißung, der gequälten Seele werde Trost zuteil, nur um den Preis der Passion und Kreuzigung Christi erfüllt werden kann. Die sanfte, lyrische, fast pastorale Stimmung, in der Reue und Akzeptanz geäußert werden, ist daher mit Dornen gespickt, gewürzt mit vereinzelten Dissonanzen bei den Wörtern ‚leiden’, ‚Schmerz’ und ‚verzagen’.

Eine Stelle, die beeindruckend mehrmals gehört werden kann, die Streicher und ein überragender Tenor vermögen dieser Arie den Stellenwert klanglich und interpretatorisch perfekt und berührend zu Gehör zu bringen.

Ein schöner Abschluss der Kantate erklingt mit dem Choral: "Muss ich sein betrübet."


Kantate:
BWV 97 - In allen meinen Taten (Kirchenkantate für verschiedene Bestimmungen)

Über das Entstehungsjahr dieser Kantate, 1734, wird durch Bachs autographe Datumseintragung gesichert.

Gardiner beschreibt in seinem Reisetagebuch dazu:

Sie greift in den Ecksätzen auf die herzrührende Melodie des Liedes ‚Innsbruck, ich muss dich lassen’ von Heinrich Isaac zurück. Einer Theorie zufolge soll sie ebenso wie die drei übrigen späten Choralkantaten (BWV 100, 117 und 192) ursprünglich als Hochzeitskantate komponiert worden sein. Aus der Rückschau betrachtet hätten wir diese wunderbare Kantate eigentlich an den Anfang unserer Pilgerreise stellen sollen, denn Paul Fleming schrieb seinen Text offensichtlich vor Antritt einer langen und gefahrvollen Reise, die er 1633 nach Moskau unternahm.

Bach vertont alle neun Strophen unverändert, vier als Arien, eine als Duett und zwei als Rezitative, und sorgt in der Instrumentierung (anders als sonst verzichtet er auf die Orgel im dritten, vierten und siebten Satz) und in der Stimmung für eine solche Abwechslung, dass die Aufmerksamkeit der ausführenden Musiker wie der Hörer ständig gefordert ist.

Diese Kantate ist mit innigen Köstlichkeiten nur so gespickt, schon der Eingangssatz versprüht ein musikalisches Feuerwerk der Genialität. Die Baroque Soloists spielen die Einleitung in straffen, punktierten Rhythmen in einer beeindruckenden feierlichen Form. Rhythmisch bewegt sich dazu in seiner gesanglichen unübertroffenen Art der Monteverdi Choir mit dem: "In allen meinen Taten." Das Orchester und der Chor beeindrucken mit einer fantastischen Ensemble-Leistung von absoluter Grösse, Perfektion und einer homogenen Einheit, die den Hörer mehr als beeindruckt.

Hervorheben möchte ich aus dieser wunderbaren Kantate den 4. Satz mit der Tenor-Arie: "Ich traue seinen Gnaden."
Ein virtuoser Violonsolo-Part erklingt in inniger und berührender Einmaligkeit und bildet mit dem qualitativ vortrefflichen Tenor eine grandiose Einheit. Eine da-capo Stelle, die zum verinnerlichen dieser herausragenden Komposition einlädt.

Katharine Fuge (Sopran), überzeugt im 8. Satz mit einer schönen Sopran-Arie: "Ihm hab ich mich ergeben."

Ein schlichter siebenstimmiger Choralsatz: "So sei nun, Seele, deine" beschliesst ein Kantatenwerk von erhebender Schönheit. Dieses zu unterstreichen vermag der Monteverdi Choir in allen Belangen vortrefflich umzusetzen, eine Freude, diesem vorzüglichen Gesangs-Ensemble zuzuhören, ein Genuss....

Meine Anmerkung zur Rezension von CD 1

Sir J.E. Gadiner findet immer die richtige Nuancierung, Rhythmik und Tempo für jeden einzelnen Satz. Nichts wirkt hektisch, gekünzelt, übereilt, eben ein Interpret und penibler Arbeiter in den Proben, der nichts dem Zufall überlässt und somit ein Gesamt-Kunstwerk mit Bach'scher Musik schafft, dass im Ergebnis vortrefflich ausfällt.


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Rezension CD 2

Kantate: BWV 44 - Sie werden euch in den Bann tun (für Sonntag Exaudi)

Die Kantaten 44 und 183 werden desselben Anfangs wegen oft als 1. Komposition bezeichnet, doch haben beide außer dem Sonntag ihrer Bestimmung nur den Text des einleitenden Bibelworts gemein, weitere textliche oder gar musikalische Beziehungen bestehen nicht.
Das BWV 44 ist in Bachs erstem Leipziger Amtsjahr zum 21. Mai 1724 entstanden.

Dürr sagt zu dieser Kantate folgendes:

Für die Vertonung des einleitenden Bibelworts wählt Bach eine Form, die in seinen Kantaten selten, bei Telemann um so häufiger zu finden ist und einen der zahlreichen Versuche darstellt, die traditionelle Reihungsform der Motette wegen ihrer vorzüglichen Eignung zu musikalischer Ausdeutung mehrgliedriger Prosatexte nicht aufzugeben, sondern mit den konzertanten Formen des Spätbarock zu vereinigen: Der Text wird so aufgeteilt, dass der Beginn von zwei "Concertisten" gesungen wird, (Satz eins), die Fortsetzung dagegen dem Chor zufällt.

Der konzertierender Eingangssatz ist von besonderer Schönheit, ein ausdrucksvoller Klagegesang. Vortrefflich abgestimmt, eine Offenbarung in der intensiven Musikalität und ein harmonisches Miteinander zeichneten in diesem Arien-Duett für Tenor (
Paul Agnew ) und Bass ( Panajotis Iconomou ) "Sie werden euch in den Bann tun", als ein ideales Gesangs-Duo aus.

Im zweiten Satz erklingt der Choralsatz: "Es kommt aber die Zeit." Was für ein rhythmischer und überirdischer Chorgesang wird hier wieder geboten, das ist Perfektion pur....

Dies setzt sich im Schlusschoral: "So sei nun, Seele deine" in der gleichen Qualität fort, getragen, sinnlich und von erhabener Schönheit ist dieser Chorgesang, da läuft einem ein Schauer über den Rücken und ist beglückt über eine Sanges-Kunst der Vollkommenheit.


Kantate: BWV 150 - Nach dir, Herr, verlanget mich (Kirchenkantate für verschiedene Bestimmungen)

Nach Dürr wirkt die Kantate in vielen Teilen unreif und verhält sich zu den frühen Weimarer Kantaten Bachs wie eine Skizze zur Ausführung. Dennoch ist nicht zu verkennen, dass sie die charakteristischen Züge der Bach'schen Satztechnik aufweist, insbesondere Stimmtausch sowohl inakkordliche Blöcken als auch in imitatorischen Abschnitten.
Die Chaconne kehrt als Chorsatz im Jahre 1714 in der Kantate 12 wieder, aber in wesentlich vollendeter Form.
Sollte die Kantate 150 unecht sein, so wäre zu vermuten, dass das Werk von einem früheren Bach-Schülers entstanden sein könnte unter tätiger Mithilfe des Lehrers..!! Diese Kantate hat sich viel Kritik und Echtheitszweifel gefallen lassen müssen. Um 1708 / 1709 könnte sie entstanden sein.

Hierzu kann ich nur folgendes feststellen, auch sie besitzt ihre nuancierten Feinheiten. Bedingt durch ein hervorragend klanglich aufspielendes Orchester und dem bezaubernden Gesang des Monteverdi Chores. Hier erweist sich wieder einmal die vortrefflich Grösse des Interpreten J.E. Gardiner was er aus dieser Kantate heraus kitzelt imstande ist. Piano-Gesang in Perfektion, rhythmische Verflechtungen an richtigen Stellen gesetzt, erweist sich als genial und geben dieser Kantate die entsprechende Würze.


Kantate:
BWV 183 - Sie werden euch in den Bann tun (für den Sonntag: Exaudi)

Die Kantate wurde von Bach zum 13. Mai 1725 komponiert.

Dürr sagt dazu: Bachs Komposition fällt durch ihre ungewöhnliche Instrumentenbesetzung auf: Außer Streichern und Continuo werden nicht weniger als 4 Oboen, 2 Oboi d'amore und 2 Oboi da caccia, verlant, ferner in Satz 2 ein Violoncello picollo.

Das Violoncello piccolo wurde erstmals in das Instrumentarium der Kantaten aufgenommen und wurde in dem BWV 180 erstmals verwendet. Es ist ein von J.S. Bach erfundenes Instrument, das einer überdimensionierten Bratsche gleicht, auf dem Arm gehalten wurde und sonderlich zur Darstellung bewegter Partien in Baß- und Tenorlagen zu dienen hatte.



Foto: Violoncello piccolo (Fotorechte: www.warrenellison.com)

Diese Kantate hat mich sehr betroffen gemacht, so großartig gelingt hier Bach eine Kantaten-Komposition der Einmaligkeit und in ihrer Aussage in Wort und Musik von unsterblicher Schönheit.

Gardiner in seinem Reisetagebuch sagt zu Satz 1 folgendes:
Der einleitende Spruch, ein fünf Takte umfassendes Accompagnato, wird von vier Oboen (zwei d’amore und zwei da caccia) vorgetragen, was in Bachs Schaffen außerhalb seines Weihnachtsoratoriums einmalig ist. Und als Symbol für den Weg aus der Verzweiflung lässt er die erste Oboe hier sogar in die Höhe klimmen. Diese Passage ist der prägnanteste und dramatischste Auftakt zu einer Kantate, den Bach jemals geschrieben hat,

Im 2. Satz, Tenor-Arie und "Violoncello picollo, solo": "Ich fürchte nicht des Todes Schrecken" bleibt einem das Herz stocken, das Cello-Solo berührt mich ungemein und lässt mich tief durchatmen, so schön und himmlisch kann eine Arie sein, ich halte mit meiner Rezension inne und lausche gebannt dem Violoncello-Spiel und dem vortrefflichen Tenor-Gesang von
Paul Agnew.

Tröstende und voller Zuversicht beinhaltende Worte und zu Herzen gehende Violoncello-Musik, geben einem die Gewissheit,
es wird ein gutes Ende geben können, so man es will.
Hier möchte ich Gardiners Worte zu Satz 1 verwenden und ausrufen: "
Diese Passage ist die prägnanteste und ausdruckvollste Musik zu einer Kantate, die Bach jemals geschrieben hat."

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David Watkin, Violoncello, sagt dazu in seiner Meinungen zur Cantata Pilgrame Tour: (SDG 144):

Was als Erinnerung an dieses besondere Jahr jedoch vor allem blieb, war trotz dieser drei ereignisreichen Tage (Eisenach) und anderer Konzerte, wo eine Cellosuite auf dem Programm stand (so auch in diesem Konzert in Sherborne), die immer wieder demütig stimmende Aufgabe des Continuo-Instrumentalisten, die Musik am Schweben und Klingen zu halten, Raum für das harmonische Gewebe zu schaffen und eine Antwort zu finden auf die harmonische Verflechtung von Tanz, Text und Melodie, ohne dabei gewollt oder schulmeisterlich zu wirken.

Wirklich gekannt hatte ich bis dahin nur die Standardwerke Bachs, und so glich das Jahr einer Sprache, die mit wachsender Vertrautheit immer mehr Facetten offenbarte. Ein wenig Abwechslung brachten die sieben über das Jahr verteilten Obligati für Violoncello piccolo. Es gelang mir, ein fünfsaitiges Leihinstrument nach einer Amati-Arbeit aus dem Jahr 1600 aufzutreiben. Das Instrument wurde 1995 von Clive Morris gebaut, der auch mein eigenes, in der Pilgrimage verwendetes viersaitiges Barockcello fertigte.

Ursprünglich wollte ich sämtliche Obligati für Violoncello piccolo auf diesem edlen Piccolo spielen, doch bald stellte sich heraus, dass viele der Obligati ohne die C-Saite auskommen und somit nur ein viersaitiges, eine Oktave tiefer als die Violine gestimmtes Violoncello erfordern, was der gängigen Stimmung kleinerer Instrumente vor dem Aufkommen der Saitenumspinnung um 1670 entsprach. Charles Beare lieh mir freundlicherweise ein altes italienisches kleinformatiges Cello, das ich mit seinem höchstwahrscheinlich originalen Bezug versah. Klanglich unterschied sich das so gestimmte viersaitige Instrument tatsächlich von einem fünfsaitigen mit nicht verwendeter C-Saite.

J
ene Augenblicke aber, wo ich aus der Continuo-Gruppe heraustrat und in den Violinschlüssel wechselte, erinnerten mich daran, wie untrennbar harmonische Kette und melodischer Schuss im Gewebe Bach’scher Musik sind.

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Bach, selbst Cellospieler, liebte dieses Instrument und schuf mit dieser Arie eine weiteren Meilenstein in seinen Kompositionen für Violoncello.

mp3 Hörprobe: BWV 183, Tenor-Arie: "Ich fürchte nicht des Todes Schrecken"



Der Satz vier als Arie für Sopran, (Joanne Lunn), bezaubert durch ihre musikalische Orchestrierung, Rhythmik und Phrasierung sie ist umwerfend schön, dazu der bezaubernde Sopran ergeben eine Kantaten-Einspielung von allerhöchstem Niveau.

Ein vierstimmiger Schlusschoral: "Du bist ein Geist, der lehret" wird ruhig, getragen und ohne Hetze, vom Monteverdi Choir in seiner bekannten Schönheit gesungen.

Mit dieser Kantaten-Einspielung vom BWV 183 gelang Gardiner wieder einmal "Grossartiges", das Gespür dafür, die
entsprechenden Phrasierungen zu setzen, ein umwerfendes Klangbild des Orchesters zu entwickeln und den Chor und die Gesangs-Solisten in das Gesamtbild zu integrieren, gelingt ihm vorbildlich.


Motette: Fürchte dich nicht - Johann Christoph Bach (1642-1703)

Aus Gardiners Reisetagebuch:

Um das Programm abzurunden und als Gegengewicht zu der Kantate BWV 150, die am Anfang stand, habe ich ein Werk von Johann Christoph Bach (1642-1703) ausgewählt. Seine fünfstimmige Motette: "Fürchte dich nicht" hätte sich von der späteren achtstimmigen Vertonung (BWV 228) seines jüngeren Vetters kaum deutlicher unterscheiden können: vollerWortmuster, die an Schütz erinnern, und fein ausgesponnener polyphoner Linien. In der Tat könnte sich erweisen, dass Johann Christoph das fehlende Bindeglied zwischen Schütz und J.S. Bach ist, das deutsche Musikwissenschaftler suchen, denn er hat bei Fletin studiert, der ein Schüler von Heinrich Schütz war.

Die Frage, ob alle Stücke, die ihm zugeschrieben werden, tatsächlich von ihm stammen und nicht von einem der anderen Bachs gleichen Namens (darunter auch J.S. Bachs ältester Bruder), konnte von der Musikwissenschaft bisher noch nicht geklärt werden. Diese Motette stammt‚ direkt oder letzten Endes aus thüringischen Quellen, deren Kontext [diesenbestimmten] Johann Christoph als Komponisten nahelegt, aber keine Garantie dafür gibt’, meint Daniel Melamed. Die Kenntnis anderer Werke, von denen bekannt ist, dass der Eisenacher Johann Christoph Bach sie komponiert hat, und die direkte Erfahrung mit ihnen beim Dirigieren haben mich überzeugt, dass dieses eindrucksvolle und ergreifende Stück tatsächlich von ihm stammt.

Das Werk kombiniert einen sehr bekannten Text, ‚Fürchte dich nicht, denn ich hab dich erlöst, ich hab dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein’, mit einem Vers aus dem Lukas-Evangelium (23, 43), ‚Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein’. Nach den ersten achtunddreißig Takten, die in zärtlichen Wiederholungen der Worte ‚Du bist mein!’ gipfeln, gesellen sich zu den vier tiefen Stimmen die Soprane mit den Worten ‚O Jesu, du mein Hilf und Ruh’, der sechsten Strophe aus Johann Rists Kirchenlied ‚O Traurigkeit’. Die Wirkung ist überwältigend, und der Wechsel der Perspektive durch die Verwendung des Pronomens ‚du’, erst in Bezug auf den Gläubigen (die vier tieferen Stimmen als kollektive Vox Domini’), dann auf Jesus (durch den Sopran als Gläubigen) ist raffiniert und eindrucksvoll. Das ist Musik, die sich über ihren Text zu erheben scheint und noch lange nachklingt.


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Als ein runder Abschluss zu dieser CD 2 ist eine Perle der Motetten von Gardiner hinzugefügt worden.

Eine Gesangskunst des Monteverdi Chores wird hier auf höchster Qualitätsstufe geboten – allein die Klarheit, feinsinnige Dynamik und der Zusammenklang des Ensembles ist ein Genuss. Ein "Chor a cappella", der zu begeistern und zu überzeugen weiss. Das ist absolute Weltklasse, wann hört man so ein Spitzen-Ensemble, dass ist einfach grossartig und überzeugend gelungen und sollte Gardiner dazu anspornen, weitere Motetten-Einspielungen vorzunehmen, dazu hat er die Spitzen-Sänger zur Verfügung und würde die Motetten-Freunde damit beglücken.

mp3-Hörprobe:
Johann Christoph Bach, Motette: "Fürchte dich nicht"





Mein Gesamt-Fazit zu CD 2 kann nur lauten: Kaufen, anhören, geniessen und entspannt einer grandiosen Ensembleschar zuhören, die Glücksmomente stellen sich dann wie von selbst ein.....!!

Grüsse

Volker




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1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo zusammen,

wie findet Ihr denn die Einspielung von SDG 144; Vol. 25 ? Würde mich über eine Stellungnahme aus dem Forum freuen und ob Eure Meinung dazu sich mit meiner Rezension deckt, wäre einmal darauf gespannt.

Schönes Wochenende und Grüsse an alle

Volker