Sonntag, 21. September 2008

Rezension-Gardiner mit der Johannes Passion in Grafenegg-Österreich

Hallo,

bei den Festspielen in Grafenegg, am 28. August 2008, führte J.E. Gardiner die Johannes Passion auf.
Ein kleiner Auszug aus der Rezension von EVOLVER:

...."Am Abend des 28. August 2008 bescherte Sir John Eliot Gardiner den Zuhörern eine Sternstunde mit Johann Sebastian Bachs "Johannes-Passion". Mit seinen English Baroque Soloists und dem unvergleichlichen Monteverdi Choir gaben die Künstler ihren Einstand in der niederösterreichischen Ortschaft am Wagram.

....."Gardiners Ensembles sind weltweit einzigartig, wie sie auch an diesem Abend wieder beweisen. Es ist nahezu unglaublich, daß ein Chor mit bloß 24 Personen ein so enormes Klangvolumen erzeugen kann, das aber nie zu Lasten der Transparenz geht."

oder etwas Kritik:

.....genauso müßten die hochgelobten Wiener Chöre sofort ihre Arbeit einstellen, wenn sie dem Monteverdi Choir lauschen könnten. Doch die Wiener Kulturmafia ist offenbar so stark und mächtig (gemeinsam mit dem Feuilleton), daß sie bisher Gardiner - auch als Dirigent - und sein Ensemble nach einigen brillanten Auftritten in Wien erfolgreich verhindert haben.

Link zur vollständigen Rezension von EVOLVER:

http://www.evolver.at/live/Grafenegg_John_Eliot_Gardiner_Johannes_Passion_2008/

Schönen Sonntag und Grüsse
Volker





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Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo,

ich bewundere den Mut des Rezensenten seine Kritik an die Wien-Lobby sich so vom Herzen zu schreiben.

Wie seht Ihr das, gibt es eine Wien-Maffia in der Kultur?

Grüsse
Volker

Anonym hat gesagt…

Hallo Volker,

ob es wirklich mafiöse Zustände bei Intendanten und Festival- und Konzertorganisatoren gibt, ist sicher schwierig zu beurteilen, wenn man (wie ich) die Wiener Konzertwelt nicht wirklich kennt.

Aber dass es Unterschiede bei der Häufigkeit der Einladungen und der Aufnahmefreudigkeit des Publikums gibt, ist Fakt. Und beides hängt sicher zusammen.

Gardiner hat das selbst mal in einem Interview beschrieben, als ein Reporter ihn fragte, warum er und seine Ensembles eigentlich nie in Maulbronn, Regensburg oder München anzutreffen sei, wo ja z.B. ein Harnoncourt gross angelegte Aufführungen abhält. Antwort war, dass er ja schon gerne würde, aber er nunmal nicht der Organisator der dortigen Festivals ist.

Meine Vermutung daher:
Sicher haben die Organisatoren der jeweiligen Festivals auch immer eine große Menge von lokal prominenten Aufführenden zu berücksichtigen. Und in Wien gibt es ja nun eine ganze Menge alteingesessener und angesehener Ensembles, mit denen es sicher Probleme geben würde, wenn sie nicht eingeladen werden würde. Also wird der Raum für internationale Ensembles dünn. Wenn nun jetzt noch ein Gardiner kommt, der gerne und leidenschaftlich mit alten Musiktraditionen (für die Wien wie kaum eine andere Stadt steht) aufräumt und die Musik und deren Aufführung an ihren Ursprung zurück führen will, ist das vielleicht doch dem ein oder anderen etwas zuviel des Guten und man lädt sich in der Regel lieber jemanden ein, bei dem man sicher geht, dass Musik so aufgeführt wird, wie der Großteil des dortigen Publikums es am liebsten hat.

Natürlich nur eine Vermutung...

Was das Publikum angeht, kann man auch feststellen, dass Gardiner nicht überall gleich gut ankommt.

In dem Booklet zu dem BCP-Konzert in Kirkwall schreibt JEG ja, dass das Publikum dort nicht mitzureißen war, was ich aufgrund der dazugehörenden CD nicht im Ansatz verstehen kann.

Dagegen herrschte in Neviges, als er die Michaelis-Kantaten im September 2000 aufführte, regelrechte Rockkonzertstimmung. Auch in Leipzig und Köln im letzten Jahr war das ja nicht viel anders.

Wenn also sich ein Publikum von der Aufführung begeistert hinreißen lässt, ist es sicher sehr wahrscheinlich, dass die Aufführenden dort wieder gebucht werden und gerne wiederkommen wie eben nach Köln, wo nur wenige Tage nach dem Erfolg des letzten Jahres direkt der Vertrag für das morgige Konzert abgeschlossen wurde.

Grüße,
Martin

Volker hat gesagt…

Hallo Martin,

eine Umfangreich Sichtweise von Dir zu der angesprochenen Problematik von Wien und anderen Örtlichkeiten, dafür erst einmal meinen Dank.

Was das Klassik-Umfeld von Wien angeht, ist es sicherlich ein ganz schwieriges Pflaster, alt eingefleischte Ensemble haben dort eine eigenständige Vormachtstellung und das Publikum honoriert seine bekannten Grössen
mit dem entsprechenden Zuspruch.

Wenn dann einer von Aussen in diese Pharlance mit Neuerungen einzudringen versucht, wird es für ihn schwierig bestehen zu können, zumal wenn er versucht, die dortigen Orchester für eine historische Aufführungspraxis gewinne zu können. Hier werden sie nur wiederwillig seinen Vorstellungen folgen und ihm das Arbeiten fast unmöglich machen. So geschehen mit den Wiener Philharmonikern, ein Bruch in den Beziehungen ist dann unvermeidlich.

So geschehen, könnte diese Sichtweise höchstwahrscheinlich auch auf andere Örtlichkeiten übertragen werden, ich glaube, Wien und München liegen in dieser Hinsicht nahe beieinander.

Eingeladen wird Gardiner nach Villach zu den dortigen Festspielen und neuerdings auch nach Grafenegg, hier ist ihm das Publikum wohlgesonnener und aufgeschlossener.

Das sollte doch für JEG ein Grund sein, nur noch dort aufzutreten, wo seine künstlerische Sichtweise und Vorgehensweise voll akzeptiert wird.

Es ist nicht verwunderlich, dass JEG in Deutschland mit Kantaten von J.S. Bach den größten Zuspruch erhält und sehr gerne hier auftritt, sie verstehen seine Aufführungspraxis und er findet hier das geistige Umfeld dementsprechend vor, was er in England so häufig vermisst und mehr als bemängelt.

Intendanten sind ihre eigenen Spezies und laden am liebsten ihre bekannten Gesichter zu ihren Festivals ein, um unvorhergesehenes, was nicht den altbekannten und eingefahrenen Gewohnheiten entspricht, vermeiden zu können.

Guten Wochenstart und Grüsse

Volker