Sonntag, 5. Oktober 2008

Gardiner mit einer überragenden Brahms-Interpretation in der Alten Oper, Frankfurt

@Iris sagt:

Hallo,

Barbaras Nachricht mit der 1. Rezension des Gardiner-Konzertes am 30.09.2008 in der Alten Oper Frankfurt liegt mir bereits vor. Aber diese Kritik ist so hervorragend dass sie auf das 2. Konzert am 1. 10.2008 ebenfalls Alte Oper, übertragen werden könnte.

Foto. Alte Oper Frankfurt

Es war ein sehr geballtes, großartiges Programm. In einer Stunde kamen Ouvertüre zu Coriolan op 62 von Beethoven zu Gehör.
Geistliches Lied op. 30 aus Brahms Sammlung von Motetten und Psalmen des 16. U. 17. Jhdts. Der Monteverdi Choir war traumhaft schön. Genau so später mit dem "Sanctus und Benedictus" von G. Gabrieli.

J. Eccard mit „Übers Gebirg Maria ging“. Teilweise überirdisch schön. Der Sir hat`s hingekriegt, anschließend noch einen Bogen zu Orlando di Lasso und H. Schütz zu schlagen: der „Saul, Saul, was verfolgst Du mich“, war sehr bewegend.

Unser J.S. Bach hat auch nicht gefehlt, es wurde die Kantate: "Nach Dir Herr, verlanget mich“, BWV 150, aufgeführt - (in SDG-CD 131, 1.CD enthalten) - dieses Kantaten-Werk von J.S. Bach war der WEG-Bereiter der 4. Sinfonie e-Moll op.98., für Brahms.


SDG 131,Vol. 23. (Arnstadt), CD 1 mit dem BWV 150,
Bevor die 4. Brahms-Synphonie begann – nach der Pause – musste ich mich erst einmal sortieren. Das war so viel tolle Musik in 60 Minuten, soviel verschiedene Komponisten, die ich gar nicht so schnell verarbeiten konnte.
Dieser Brahms war eindeutig der Höhepunkt des Abends. Das "Orchestre Révolutionnaire et Romantique" – alle sehr weit auseinandergestellt und natürlich stehend konzertierend – haben einen solchen transparenten, durchsichtigen Klang gehabt, dass jede Stimme einzeln zu hören und trotzdem im Gesamten eingebettet war. Es war ein Traum. Nun ist der Traum erst mal wieder zu Ende.

Nachstehend sind Zeitung-Links aus Frankfurt zu weiteren Rezensionen angefügt:

http://www.wiesbadener-kurier.de/feuilleton/objekt.php3?artikel_id=3459623

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/1607704_Der-eingekreiste-Brahms.html

http://www.fnp.de/fnp/welt/kultur/rmn01.c.5202643.de.htm

Grüsse und einen schönen Sonntag

Iris


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P.S. Zusätze von Volker/admin am 06.10.2008, 18:10 h:

Ich stelle einmal Hörproben zur Gegenüberstellung zur Verfügung: J.S. Bach BWV 150, Satz 7 und J. Brahms, Symphonie Nr. 4, Satz 4, Ausschnitte !

Hörprobe: BWV 150, Satz 7


Hörprobe: J. Brahms, 4. Sinfonie, Satz 4


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Kommentare:

Volker hat gesagt…

Liebe Iris,

da ich nicht Teilnehmer des Konzertes in Frankfurt sein konnte, habe ich Deinen Bericht förmlich aufgesogen und kann mir nun ein eigenständiges Bild des Konzertes in Gedanken nachvollziehen.

War die Veranstaltung ausverkauft? Laut Internet waren wohl nur noch ein paar Rest-Karten verfügbar.

Schon in der Vorankündigung war folgendes zu lesen:

Nicht nur, dass dieses Mal Werke der drei bedeutendsten Kontrapunktiker – Bach, Beethoven und Brahms – an einem Abend erklingen werden, sondern der genaue Blick in die Werke von Komponisten früherer Jahrhunderte lässt auch erkennen, woher Brahms einen Teil seiner Inspirationen bezogen hat. Seine Sammlung von A-cappella-Werken des 16. und 17. Jahrhunderts gehört zu den kostbarsten Schätzen der Musikgeschichte und ist doch kaum je im Konzertsaal zu hören.

Sir John Eliot und der Monteverdi Choir werden diesen Schatz heben.

Auch bei der Orchesterbesetzung geht Sir John Eliot auf das 19. Jahrhundert zurück und bringt „Originalklang“-Instrumente mit zeittypischer Klangfärbung zum Einsatz. Die vierte Sinfonie von Brahms wird vielen Hörern im Klang völlig „neu“ erscheinen.

(Textquelle: frankfurter-bachkonzerte.de)
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Laut einer Rezension sollen Naturhörner ohne Ventil zum Einsatz gekommen sein, die ein fantastisches farbliches Klangvolumen dazu abgegeben haben.

Für Deinen Bericht herzlichen Dank.

Grüsse und wünsche einen schönen Sonntag

Volker

Iris hat gesagt…

Lieber Volker,
die Naturhörner waren da - für mich war das ein Kurzausflug Richtung Wagner. Einfach brilliant. Die Alte Oper war nicht ganz ausverkauft. In den oberen Rängen waren hier und da noch freie Plätze. Ich kannte diee 4. von Brahms bisher so gut wie gar nicht. Aber ein Kenner, den wir abends in der Brasserie neben der Oper kennengelernt haben, sagte uns, dass er so so noch nie gehört hätte und ein verzaubert sei.
Herzl. Gruss
Iris

Anonym hat gesagt…

Hallo Iris,

kannst du die Stelle in BWV 150 nennen, auf die sich Brahms in seiner 4. stützt?

Alex

Iris hat gesagt…

Hallo, Alex,
Gardiner selbst schreibt folgendes:´So mag der Hinweis auf den letzten Satz (4.)genügen, eine Passacaglia, deren achttacktiges Grundthema Brahms der Bach-Kantate "Nach Dir Herr verlanget mich" entlehnt hat. Allerdings griff Brahms auch hier variierend in die Substand ein, indem er das Thema um den vorletzten chromatischen Schritt (von a nach ais) erweiterte: eine gewichtige Maßnahme. Die nun folgenden 30 Vatiationen, unterteilt in zwei Hälften - in der 15. Variation erscheint das Grundthema, wie zur Erinnerung, noch einmal, bevor der zweite Teil der Variationskette in freier Wiederkehr des ersten Teils einsetzt, sich am Ende zur einer grandiosen Coda ausweitend.`
Die beiden Strophen:
1. Meine Augen sehen stets zu dem Herrn; denn er wird meinen Fuss aus dem Netze siehen.
2. Meine Tage in den Leiden
Endet Gott dennoch zur Freuden ...
(bis) hilft mir täglich sieghaft streiten.
Herzl. Gruss
Iris

Volker hat gesagt…

Hallo Alex und @Iris,

das sind schon sehr hinreichende Hinweise von @Iris, die ich noch ergänezen möchte:

in der von Johannes Brahms komponierten 4. Sinfonie, c-Moll, op. 98, wurde von ihm im 4. Satz seiner Sinfonie aus der Kantate BWV 150, „Nach dir, Herr, verlanget mich“ der Schlusssatz - (Satz 7, Ciacona, Choral: „Meine Tage in dem Leide“) – das Thema aufgegriffen und in leicht chromatisierter Abwandlung dem Finale seiner 4. Symphonie als eine „Passacaglia“, zugrundegelegt.

Bach hat im Satz 7, BWV 150, eine „Ciacona“ (Chaconne, ähnlich einer Passacaglia) die Analogieform für einen ursprünglich auf dem Gebiet der Instrumentalkomposition erwachsenden Satztypus verwendet. Das Thema wird im Verlaufe des Satzes in verschiedene Tonarten versetzt ( h – D - fis – A – E – modulierend – b ) und einmal auch umgekehrt.

Brahms gelang mit dem 4. Satz die Krone der Sinfonie. Eine Passacaglia-Form von niederschmetternder Gewalt. Er verwendete von Bach das Bass-Thema und ist bezeichnend für die archaische Prägung des ganzen Werks. In nicht weniger als 30 Variationen wird das fast im Bass liegende Passacaglia-Thema in unerschöpflichen Reichtum an Gestaltungsformen von Brahms angewendet.

Hörproben zum Vergleich füge ich dem Hauptbeitrag noch an, BWV 150, Satz 7 und J. Brahms, 4. Symphonie, Satz 4, schaut und hört Euch das dort einmal an, der Ausschnitt von Brahms folgt noch.

Liebe Grüsse

Volker

Anonym hat gesagt…

Hallo zusammen,

das Werk ist vollendet, das Hörbeispiel von Johannes Brahms mit der Sinfonie Nr. 4, Satz 4, ist zum Vergleich mit dem BWV 150, Satz 7 im Hauptbeitrag hinterlegt, schaut da einma rein und hört es Euch an.

Das linke schwarze Dreieck kräftig anklicken, ein wenig Geduld, bis ein Download erfolgt, dann kann das Werk angehört werden.

Die Hörproben sind von mir unter dem Zusatz im Hauptbeitrag am Ende hinzugefügt worden:

P.S. Zusätze von Volker/admin am 06.10.2008, 18:10 h:

Den Link vom Hauptbeitrag füge ich nachstehend noch einmal hinzu:

Hier klicken

@Alex, sind deine Fragen diesbezüglich hinreichend beantwortet worden, oder hast Du noch Zusatzfragen, dann melde Dich bitte.

Meine Bestellung der Brahms-CD, Sinfonie Nr.1 ging an Monteverdi und bin ganz gespannt auf die Einspielung.
Diese CD ist u.a. auch bei "Amazon" in Deutschland erhältlich..!!

Grüsse an alle

Volker

Anonym hat gesagt…

Hallo Iris und Volker,
danke für euren Einsatz, ich muss mich morgen damit näher beschäftigen, ist schon wieder soooooo spät. Gruß von Alex

Anonym hat gesagt…

Hallo Iris und Volker,
danke noch einmal für eure Tipps, ich hab's jetzt. Da fragt man sich, wer so etwas rauskriegt - oder hat Brahms das selbst offengelegt? Die Bach'sche Bassfigur aus Satz 7 (Meine Tage in dem Leide) findet man bei Brahms 4., 4. Satz, in der Eröffnungsfigur der Bläser wieder, gell? Leicht abgewandelt, weil der vorletzte Ton bei Bach auf der Quarte liegt, bei Brahms aber auf dem Tritonus.
Alex

Volker hat gesagt…

Hallo Alex,

danke für deine Rückmeldung. Du sagtest:
Da fragt man sich, wer so etwas rauskriegt - oder hat Brahms das selbst offengelegt? --

Das suche ich einmal noch heraus, das stand irgendwo niedergeschrieben, aber er hat sich eingehend mit Bach seiner Musik auseinandergesetzt, ich werde Dir noch darauf antworten.

Schönen Sonntag und Gruß
Volker

Anonym hat gesagt…

Hallo Alex,

eben habe ich mir von Gardiner noch einmal die Einführung zu Brahms durchgelesen, Hier erhälst Du viele Auskünfte zu Brahms und seine Vorliebe für die alten Komponisten, insbesondere zu J.S. Bach.

In einem Interview zwischen Hugh Wood und Gardiner zitiere ich:

JEG

Mendelssohn und Schumann haben ihm beide die richtige
Richtung gewiesen, aber Brahms war sehr viel gebildeter als alle sie,
was das deutsche Volkslied, die Polyphonie der italienischen
Renaissance und den Kontrapunkt betrifft, und das wirkte sich enorm
fruchtbar auf sein praktisches Musizieren und die schöpferische
Gestaltung seiner Musik aus. Auch Schumann kann der Katalysator
gewesen sein, der bewirkt hat, dass sich Brahms Bach so deutlich
erkennbar nahe fühlte – daran wird man ständig erinnert in seinen
ernsteren Vokalwerken und an gewissen Stellen in seinen Symphonien.
Was den Kontrapunkt betrifft, so scheint Brahms mit Bach wetteifern zu wollen....

Nachzulesen in seiner PDF-Veröffentlichung auf der Monteverdi-Seite zur Vorstellung der 1. Brahms-CD..

Click here for a German Translation of the sleeve notes.

Des weiteren bezieht sich Dürr in seinem Kommentar zum BWV 150 darauf, dass Brahms den Satz 7 für seine 4. Symphonie für seinen Schlusssatz verwendet hat. Diese gleiche Aussage fand ich in zwei weiteren Lexikas, demzufolge nehme ich an, dass diese Quelle wohl persönlich von Brahms herrühren muss..!?

Grüsse
Volker

Anonym hat gesagt…

Hallo Volker, dann bin ich ja beruhigt. Es hätte mich sehr beeindruckt, wenn jemand einfach so beim lesen oder probieren plötzlich gesagt hätte: "Hoppla, die Figur kenn ich doch aus der 4. von Brahms". Solche Leute wie der Dürr haben ein Leben darauf verwandt, solche Zusammenhänge aufzudecken; vielleicht, wie du sagst, hat Brahms es auch selbst offengelegt. Alex