Dienstag, 14. Oktober 2008

Spanische Trompeten an der Collon-Orgel erobern den Herforder Stiftberg

Hallo,

eine perfekte und bemerkenswerte Orgeleinführung und ein dazu gegebenes Orgelkonzert spielte sich in St. Marien, Herford ab.


Foto: St. Marien Herford, (Fotorechte: V. Hege)

Im Rahmen einer Orgelreise nach Westfalen, durchgeführt von dem Verein “Musikfreunde St. Cosmae e. V.” Stade, in Zusammenarbeit mit der Orgelakademie Stade, wurde am 11. und 12. Oktober 2008 eine Zwischenstation in Herford eingelegt. Hier galt das besondere Interesse für das außergewöhnliche, an südeuropäischen Vorbildern orientierte Instrument der Kirche St. Marien in Herford, die "Collon-Orgel." Der Referent Martin Böcker, Stade, erwies sich an den zwei Tagen als ein perfekter Kenner mit der Aufführungspraxis alter Musik für Tasteninstrumente.


Collon-Orgel in St. Marien, Herford (Fotorechte: V. Hege)

Am Samstag gab es durch den Orgel-Sachverständigen und Experten für "Alte Musik" Martin Böcker, auch für den Orgel-Laien sehr verständlich nachzuvollziehen, eine Einführung in die unterschiedlichsten Orgelarten der Barockzeit aus Frankreich, Spanien, Italien, Süd- und Mitteldeutschland. Alle Werke der Barockzeit aus den vorgenannten Ländern lassen sich an der wunderbaren Collon-Orgel wiedergeben. Seine Ausführungen zu den Spanischen Trompeten an der Collon-Orgel sorgten für Erheiterung und Bewunderung. Nach einer 1 1/2 -stündigen Erläuterung der unterschiedlichsten Facetten der Orgel mit Klangbeispielen, wurde der Besucher mit neuen Erkenntnissen und Wissen durch einen vorzüglichen Referenten und Orgelkenner - vertraut gemacht.

Das am Folgetag, Sonntag, 12.10.2008, gegebene Orgelkonzert durch Martin Böcker, Stade, untermauerten die erlangten Kenntnisse über die Klänge der Orgeln aus den genannten Ländern durch eine geschickte Werks-Auswahl.

Beginnend mit dem französischen Orgelkomponisten Nicolas de Grigny (1672-1703), wurde das

"Ave maris stella" (Plein jeu mit c.f. im Tenor))
Fugue a 4,
Duo Dialogue sur les Grand jeux
aus "Les Hymnes des Principal Fetes de I ' annee" (1699)

zu Gehör gebracht, es wurde traumhafter französischer Barockklang erzeugt, das war meisterlich und gekonnt vorgetragen worden.

Im Anschluss daran erklangen Werke spanischer Orgelkomponisten, die die St. Marien-Kirche fast erschüttern liessen.

Pablo Bruna (1611-1679)

"Tiento de segundo tono sobre la letania de la Virgen"

Mit diesem Abschnitt begann feurige spanische Orgelmusik der feinsten Art. Die ungewöhnlichen spanischen Trompeten-Klänge erbrachten eine ganz neue Sicht auf ungewöhnliche Orgelliteratur, - für uns Mitteleuropäer schmunzelnd zur Kenntnis nehmende Musik, - die begeisternd wirkt. Da wird aus der Collon-Orgel ein Spektakulum fabriziert, die den Hörer begeistert mitreisst.

Noch eins darauf gesetzt wurde mit dem anschließenden Werk des Komponisten

Juan Bautista Jose Cabanilles (1644-1712)

Tiento de Batalla de 5" tono

Was hier zu Gehör gebracht wurde, lässt Händel mit seiner Feuerwerksmusik vor Neid erblassen. Man sieht geistig vor Augen die Batallione durch die Trompetenstösse animiert - Stellung zu beziehen, die Heerscharen werden durch diese trompetenhafte Orgelmusik ermuntert, den Angriff zu beginnen. Feuriger und grandioser kann dieses Werk dem Hörer nicht näher gebracht werden. hier erweist sich der Organist als ein Kenner der iberischen Musik und weiss das fantastisch an der hierfür hervorragend geeigneten Collon-Orgel entsprechend umzusetzten. Die Kirche bebt, der "Herforder Stiftberg" ist bildlich im Sturm genommen worden, Dank dem hervorragenden Orgel-Interpreten "Martin Böcker" aus Stade.

Wer mehr davon hören möchte mit dem gleichen Interpreten: "Martin Böcker", sollte sich am

Dienstag, 4. November 2008, um 20:00 Uhr

auf den Weg machen, um diesen großartigen Orgel-Interpreten mit
"Iberische Orgelmusik aus drei Jahrhunderten"
nochmals hören und erleben zu können. Das Konzert, gegeben zum 2. Internationalen Orgelwettbewerb, in St. Marien, Herford, sollte ein weiterer Höhepunkt und Highlight sein.

Nach diesem Feuerzauber erklang Süddeutsche Musik der besonneren Art.

Georg Muffat (1653-1704), aus dem Elsass stammend. Er war Komponist und Organist in Straßburg, Wien, Salzburg und Passau tätig und schrieb das Werk:

Toccata sexta
aus "Apparatus musico organisticus" (1699)

und von Johann Kaspar Ferdinand Fischer (1656-1746), geboren in Karlsbad/Egerland und tätig als Hofkapellmeister in Rastatt-Württemberg. Erklang die

"Passacaglia in d"

Diese süddeutschen Interpreten wurden wunderbar registrierend und mit einer brocken Klangfülle ausgestattet, prägend wiedergegeben.

Ein kleiner Ausflug nach England erfolgte mit John Blow (1649-1708)

Voluntary for single organ
A Verse for the Double Organ

Ein weiterer Höhepunkt erschloss sich anschließend mit den Werken von Johann Sebastian Bach.

"Meine Seele erhebet den Herrn" (Magnificat)
a 2 Clav. et Pedal, BWV 648 aus den "Schübler-Chorälen"

Fuge über das Magnificat pro organo Pleno BWV 733

"Suscepit Israel" aus dem BWV 243, Magnificat, Satz 10, Arie, Terzett für Sopran I & II, Alt,
in einer Bearbeitung für Orgel

Herausgreifen möchte ich das BWV 243, Satz 10, aus dem Magnificat als eine Orgelbearbeitung. In dem normalen Vokal-Werk ist ein zartes, ruhig fließenden Frauen-Terzett „Suscepit Israel“ zu hören hier greift der Thomaskantor in der Oboenstimme auf eine gregorianische Weise des Magnificat zurück; ebenso wie sich der Hörer an diese altvertraute Melodie erinnern mag, so entsinnt sich Gott seines bereits zugesicherten Erbarmens („recordatus misericordiae suae“).

Dieser Orgelsatz berührte mich ungemein, fantastisch wie der Interpret innig und zu Herzen gehend diese Umarbeitung als ein Orgelstück vorzutragen weiss, das war wieder die berühmte Stelle, die als ein Gänsehauterlebnis einem die Gewissheit gibt, Bach ist der "Große", egal wie seine Musik zu Gehör gebracht wird, er ist immer stimmig und weiss die Besucher in seinen Bann zu ziehen.

Dieser Dank muss weitergegeben werden an einen fantastischen Orgel-Interpreten. Martin Böcker weiss die Barockepoche und Marienverehrung künstlerisch hervorragend vorzutragen, es war eine anderthalb-stündige Aufführung mit bewegender Orgelmusik. Die zahlreichen Besucher waren ihm zu Dank verpflichtet und spendeten enthusiastischen Schlussapplaus, was mit einer Zugabe durch den Künstler honoriert wurde.

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Hier geht es nachstehend zur Hörprobe aus dem BWV 243, Satz 10 aus dem Magnificat von J.S. Bach
mit dem "Suscepit Israel" das linke Dreieck links vom Banner betätigen, ein wenig Geduld, das Hörbeispiel wird geladen..!!




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Hier nochmals ein Hinweis auf den 2. Internationalen Orgelwettbewerb in St. Marien in Herford im November 2008..!!

Flyer zum 2. Internationalen Orgelwettbewerb, in Herford im November 2008

An dieser Stelle gilt nochmals mein Dank an @Wolfgang, der uns diesen schönen Tipp gegeben hatte und die OWL-Orgeltruppe daraufhin in Marsch gesetzt hat. Es waren zwei ausgiebige und inhaltsreiche Tage die wir in Herford miteinander erleben durften.


Grüsse

Volker

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1 Kommentar:

Iris hat gesagt…

Lieber Volker,
bin von dem Gehörten genauso beeindruckt wie Du und freu` mich schon auf die nächsten Konzerte. Danke für den einfühlsamen Bericht.
Herzl. Gruss
Iris