Mittwoch, 15. Oktober 2008

Spiegel-Interview mit dem Klassik-Exzentriker J.E. Gardiner

@Alex sagt:

Hallo,

mir ist heute ein bemerkenswertes Interview im "SPIEGEL" mit Gardiner aufgefallen.

Bildrechte: www.spiegel.de/kultur/musik/


Ein rustikaler Ökobauer wird weich

Von Kai Luehrs-Kaiser
Ferien für die Ohren: John Eliot Gardiner, berühmt-berüchtigt als Divo der Alten Musik, hat sich den Meister des herbstlichen Schwermuts vorgeknöpft - und zeigt auf seiner neuen CD einen so frischen wie entspannten Brahms....

Zum Artikel vom SPIEGEL den unten stehenden Link anklicken..!!


Grüsse
Alex


Webnews

Kommentare:

Volker hat gesagt…

Hallo Alex,

danke für deinen Hinweis auf das Interview im Spiegel. Es sind überwiegend lobende Aspekte über ihn niedergelegt worden, der SPIEGEL kann auch andersartig sich artikulieren.

Mein Dank geht ebenfalls an @muriel, die mir eine Mail mit dem Hinweis zugesandt hat.

Grüsse an alle
Volker

Iris hat gesagt…

Hallo, Alex,
beim Lesen dieses Artikels hab` ich schallend gelacht. Unser Sir als Öko-Egozentriker! Aber die Rezension war ok. Ich hab` mir darauf hin die 1. Brahms-Sinfonie noch mal angehört und war wieder mal begeistert. In Frankfurt haben wir die 4. gehört und waren alle drei ganz hin und weg. Der Spiegel darf ruhig weiter unken.
Herzl. Gruss
Iris

Anonym hat gesagt…

Waaas, Iris, du hast schon die Brahms-Sinfonie? Ich habe mich ein bisschen geärgert über das "rücksichtslos spät". Nenn mir einen Dirigenten, der wie er so effizient arbeitet und so viel Zeit mit seinen Musikern verbringt. Von anderen großen weiß ich, dass sie sich zur Probe und zum Konzert vorfahren lassen und sonst nicht zu sehen sind - Gardiner tourt mit seinen Leuten in einem Bus. Gruß von Alex

Anonym hat gesagt…

Wo hat der SPIEGEL nur solche vorteilhaften Bilder wie das vom verehrten Sir her? Wenn Gardiner damit auf Brautschau ginge, würde es aus einer dritten Ehe mit Sicherheit nichts werden.

Liebe Grüße
muriel

Iris hat gesagt…

Hallo, Alex,
ich hab` mich über diesen Satz im Spiegelartikel auch geärgert. Unhaltbares einfach in die Welt setzen, und andere (in diesem Fall Gardiner) diffamieren. Aber so war der Spiegel schon immer. Genauso der Satz: "er geht über Leichen". Alles nur Aufpeitscherei!
Die neue Brahms CD gibt`s bei Monteverdi (Soli deo gloria,) und ich glaube sogar schon bei jpc oder amazon.
Herzl. Gruss
Iris

Anonym hat gesagt…

Hallo zusammen,

über den Artikel des Spiegels kann man sich über so manche unqualifizierte Äußerung ärgern oder man reagiert auf solch einen Blödsinn nicht, deshalb sind meine Aussagen dazu nur gebremst hier nachzulesen.

Das fängt schon mit dem Bild an, es soll aufreizend wirken und ist während der Probenarbeit aufgenommen worden und kann kein Glanzfoto sein, wo Gardiner doch als ein akribischer Proben-Arbeiter bekannt ist. Habe mir es lange überlegt, ob ich es in dem Artikel verwenden sollte, aber ich will gleichzeitig damit den SPIEGEL an den "Pranger" stellen, das ist wieder typisch für diese konträre Zeitschrift...!!

Damit habe ich wohl @muriels Kommentar entsprechend kommentiert.

Kritik lasse ich an Monteverdi los, vor 18 Tagen habe ich per Mail die Brahms-CD bestellt und bekommen von denen kein Lebenszeichen, wenn das Schule macht, sehe ich schwarz für das Unternehmen, wenn sie so mit den Kunden umspringen, dann gute Nacht, der Service dort strotz schon an Überheblichkeit, wie ganz anders war es am Anfang, da kam immer prompt eine Meldung.

Im Internet höre ich immer mehr an Klagen, das sollte dem Label doch nicht gleichgültig sein, scheint aber so.

Wer sie besitzt sollte sich glücklich schätzen, ich bin am überlegen, aufgrund dieser angesprochenen Situation, auf diese Veröffentlichung ganz zu verzichten, irgendwo leihe ich sie mir in der Zukunft dann aus, denn mein Ärger ist ungebremst...!!

Grüsse
Volker

Anonym hat gesagt…

Hallo zusammen,

nun ganz unschuldig an solchen Ansichten ist JEG nicht. Er hat schon so seine Marotten. Ich erinnere mich an die Aufführung der Matthäuspassion in Königslutter, als einer der Organisatoren fast einen Nervenzusammenbruch bekam, weil die zigste Last-Minute-Änderung vom Maestro verfügt wurde und er absolut kein Verständnis für logistisch unlösbare Herausforderungen hatte.
Ebenfalls ist auffällig, wie schnell seine General Manager und Tour Manager verschleißen. Mit Riitta Hirvonen ist nun erstmals eine langjährige Mitarbeiterin Chefin der Organisation. Rod McPhee, der während der BCP General Manager von Monteverdi war, äußerte sich ziemlich abwertend über Gardiner, als er das Unternehmen verlies.
Und dass Gardiner mit seinen Leuten im Bus tourt, ist auch eine seltene Ausnahme. So ist er z.B. von Amsterdam nach Wolfenbüttel (bzw. Hannover) geflogen, während seine Mannen mit dem Bus fuhren. In fast allen anderen Konzerten, die ich besucht habe, war das genauso.

ABER (und jetzt kommst das Entlastungsmaterial:-)): Das hat schlicht und einfach den Grund, dass er oft vor den Konzerten Termine absolvieren muss. Seien es Interviews oder Sponosrenessen oder ähnliches. Und das schafft er nur so.

Und dass er auch mal sehr eigen ist, macht seine Aufführungen nicht weniger interessant. Ich denke, dass ein Mann seines Formates sich durchaus einige Extratouren erlauben darf, wenn er sich damit wohler fühlt.

Übrigens haben alle Proben, zu denen ich anwesend sein durfte, auf die Minute pünktlich begonnen.

Noch ein Aspekt:
Gardiner erwähnte in einem Interview, dass sich seit der Cantata Pilgrimage seine Beziehung zu den Musikern verändert hat. Und das ist auch in den Proben deutlich zu sehen. Er berät sich lange mit diversen Musikern über Akustik, verschiedene Stellmöglichkeiten usw. Das sagt doch eine Menge über seinen Respekt gegenüber den Musikern aus, den er definitiv hat.

Im Übrigen kann eine Aufführung nur davon profitieren, dass der Leiter konsequent ist und seinen Vorstellungen Nachdruck verleiht. Er steht mit seinem Namen für gelungene Konzerte und ER ist derjenige, der weiß, wie man das Publikum in Verzückung versetzt. Und das ist ihm auch wohl bewusst.
Also kann es ihm doch egal sein, ob ihn der Ein oder Andere als arrogant oder exentrisch empfindet.

Mir fällt dazu ein Spruch ein, den (glaube ich) Beethoven mal gesagt hat, als sich ein Violinist über schwierig zu spielende Noten beklagte: "Was kümmert mich der Herr Geiger, wenn ich eine Eingebung habe?!".

Von dem Geiger hat man nichts mehr gehört. Beethoven kennt jeder.

Soll heißen:
Es kann uns (und dem Spiegel) doch gleichgültig sein, was für eine Persönlichkeit er ist. Das Produkt ist die von ihm geleitete Musik und die ist verehrungswürdig. Wenn man wie benommen aus einem seiner Konzerte kommt, denkt man doch wohl kaum darüber nach, ob der Maestro ein paar Minuten zu spät war oder mittags irgendwen angeblafft hat, weil z.B. die Bühne nicht nach seinen Vorstellung ausgeleuchtet ist. Das Endergebnis zählt und das stimmt bei ihm!

Plant eigentlich jemand, zu den Konzerten nach London zu reisen?

Einen schönen Abend,
Martin

Iris hat gesagt…

Hallo, Martin,
danke für Deinen ausgewogenen Kommentar. Wir fliegen vom 6.1.-9.1.09 nach London und freue mich wie ein kleines Kind auf die Gardiner-Aufführungen. Karten hab` ich für die Generalprobe am 6., für die 5. Kantate am 7.01. und die 6. Kantate am 8.01. Mehr war nicht drin. Meine Familie hält mich zwar völlig übergeschnappt, macht aber ganz brav mit.
Herzl. Gruss
Iris

Anonym hat gesagt…

Hallo zusammen,
eigentlich wollte ich mich zu dem Thema nicht äußern, weil dort so viel Spekulationen und persönliche Ansichten lauern, dass man eigentlich nur in welche Fettnäpfchen auch immer treten kann. In den wenigen Konzerten Gardiners, in denen ich bisher gesessen habe, bin ich jedesmal, wie Martin es so schön beschrieben hat, wie in einer anderen Welt gewesen und habe immer wieder gedacht:"Das geht doch eigentlich gar nicht, die machen doch das Unmögliche...". Und das geht sicher nicht, ohne dass irgendjemand mal berechtigte oder unberechtigte Kritik schlucken muss.
@ Volker: Nun bleib mal ruhig, was die Brahms-CD angeht. Meine war allein 10 Tage unterwegs - von Poststempel bis zu mir in den Briefkasten. Und ein paar Tage brauchen sie auch zur Bearbeitung. Ärgerlich ist schon, dass sie fast überhaupt nicht antworten. Ich habe jetzt auch einmal Ärger - mit den neuen Bach-Kantaten. Meine Kreditkarte war abgelaufen und aus irgendeinem Grunde haben sie zweimal abgebucht. Bis jetzt habe ich nur eine CD bekommen (die war nur 3 Tage unterwegs), auf meine Mail auch noch keine Antwort. Ich schicke jetzt noch mal eine Mail, warte dann noch ein paar Tage, dann hänge ich am Telefon. Noch bin ich nicht wirklich ärgerlich.
Viele Grüße
Barbara

Anonym hat gesagt…

Aber das mit der Ökoliebe stimmt wohl. Der Sir sagte mal: Er wühle so gern in der Sch.... wobei er natürlich keine Beziehungspunkte benutzte. An Euren Beiträgen sehe ich, das Denkmal Gardiner wankt.-
Im Ernst, etwas Humor sollte der Mensch schon haben. Vielleicht machen ja die Bachtexte alle so dröge.

Liebe Grüße
muriel

Anonym hat gesagt…

Hallo Volker,

ich denke ebenso wie Barbara, dass es nicht viel bringt, sich zu ärgern.
SDG ist sehr straff organisiert und hat wenige Mitarbeiter. Die haben mit Sicherheit gerade ordentlich "Land unter", nachdem für die Brahms-CD derart viel Werbung gemacht wurde.
Wenn ich nicht irre, ist die Werbetrommel für diese CD um einiges kräftiger gerührt worden, als für die ersten Kantaten-CDs. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese noch junge Firma mit dieser großen Nachfrage und der gleichzeitigen Veröffentlichung einer neuen BCP etwas überfordert ist.

Sicher ist es frustrierend, wenn man jeden Tag erwartungsfroh zum Briefkasten läuft und dann doch nichts drin ist (außer Rechnungen:-)). Aber die CD kommt bestimmt!
Meine CDs von SDG haben bis jetzt auch immer zwischen 10 und 14 Tagen gedauert.

Allen einen schönen Abend,
Martin

Volker hat gesagt…

Hallo zusammen,

die eingehende Kommentatoren-Flut ist mehr als erfreulich.

Aber @muriel, das Gardiner-Denkmal ist nicht am wanken, das Gegenteil ist der Fall, wie heisst es so schön:

"Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne" und genau genommen ist das so auch zu sehen, gesunde Kritik hat noch keinem geschadet, gerade die Großen der Klassik-Szene haben jeden Tag damit zu kämpfen, auch dort gibt es "Mobbing", der eine mehr, der andere weniger.

Wir sind offen und sagen unsere Meinung, wenn es etwas zu kritisieren gibt, das alles hat aber mit den grandiosen Konzerten, etc. mit Gardiner nichts zu tun, sie sind und bleiben ein Glanzpunkt in der heutigen Aufführungspraxis und gelten weiterhin als ein Meilenstein in den Bach'schen Wiedergabe,

Ebenso seine Betreten von Neuland, die Brahms-Einspielungen spiegeln das wieder, die Kritiker überschlagen sich mit Lobeshymnen, so haben wir Brahms noch nie gehört, desgleichen seine Beethoven-Einspielungen. Wenn er etwas neues anpackt, dann aber akribisch in seinen Vorarbeiten und Ausleuchtung der Werke bis zum Excess, da kann ihm so schnell keiner das Wasser reichen da bleibt er eine rühmliche Ausnahme und einsame Spitze.

Dass in seinem Umfeld nicht alles rund läuft, mag schon, wie @Martin, es so treffend ausgesagt hat, an den neuen Projekten liegen. Mir wird immer Angst und Bange, wenn ich im Internet mir seine Tourenpläne ansehe, wann kommt der großartige Künstler einmal zur Ruhe, eine schöpferische Pause würde ihm gut tun, denn dieses Pensum geht einmal an die Subtanz und wir wollen doch alle, dass wir ihn auch noch in Zukunft frisch, ausgeruht, vor Ideen sprudelnd ihn Live erleben wollen und er uns noch lange erhalten bleibt.

Grüsse an alle

Volker

Anonym hat gesagt…

Erstaunlich, dass ein SPIEGELbeitrag so viel Bewegung auslösen kann! Das heißt doch, dass unsere manchmal - ich meine damit natürlich auch mich - Beiträge ziemlich ungewürzt sind. Und es ist ja wohl auch so, dass irgend welche Schärfen sofort begradigt werden. Es gibt wohl kaum ein Forum, in dem so viel Konformität herrscht wie in unserem. Ehrlich, es macht auch keinen Spaß - was für eine abgedroschene Vokabel-, wenn einem sofort Dinge unterstellt werden - z.B. im Fall Quasthoff u.ä. -, die man nie im Traum im Sinn hat. Dazu kommen auch Beiträge, die überhaupt keine Bewegung auslösen. Z.B. die ellenlangen Radioempfehlungen oder das ewige Beifallgeklopfe... Deswegen möchte ich mich aus diesem Forum verabschieden. Bitte keine mails mehr, streicht mich aus der Teilnehmerinnenliste. Zur letzten Diskussion um Brahms, ich bin da wirklich keine auch nur laienhafte Fachfrau. Brahms höre ich, ein Brahms klingt mir fast wieder andere. Und nur "hurra" zu schreien, weil der Sir den Taktstock schwingt, das ist langweilig. Volker, danke für die viele Mühe, Dir ist mit diesem Forum ein Bau gelungen, der meines Erachtens komplett ist und so stehen gelassen werden sollte, wie er nun gerade ist. Die Herforther Nachrichten z.B. interessieren mich einfach nicht. Genau so könnte ich von den 10 Sommerkonzerten berichten, die in unserer Kirche jährlich durchgeführt werden, aber das ist doch Schnee. Und die Darstellungen der neuen alten Bachkantatenaufnahmen - entschuldigt - das sind doch nur Hofberichte.

Alles Gute
muriel

Volker hat gesagt…

Hallo muriel,

wenn es Dein ausgesprochener Wunsch ist, nicht mehr zu Posten, akzeptiere ich das selbstverständlich, zumal die Themen Deinen Bedürfnissen nicht entsprechen.

Ich danke Dir für Dein entgegengebrachtes Interesse für das Forum und wünsche Dir für die Zukunft alles Gute.

Liebe Grüsse
Volker

Anonym hat gesagt…

Es lebe die Toleranz, der Respekt vor der Musik, den Interpreten und der Musik sowie - am Wichtigsten - die Freude an der Musik.
Barbara

Anonym hat gesagt…

Hallo Volker,

Du hast völig Recht! Schade so, aber besser. Wer keine Lust hat, sich in diesem Forum auch mal über schöne Dinge zu freuen, kann ja woanders mitschreiben. Ich denke, dass wir alle sehr wohl auch um Ausgewogenheit bemüht sind. Nur eint uns einfach die Bewunderung Gardiners. Das ist ja das zentrale Thema des Forums. Wem das zuwider ist, tut es nicht weh, wenn er /sie nicht mehr Teilnehmer ist.

Liebe Grüße und ein ganz herzliches "Weiter so !!",
Martin

Anonym hat gesagt…

Hallo Barbara, Volker und Martin, ich möchte mich euch anschließen. Volker weiß aus unseren persönlichen Gesprächen, dass ich mich auch über das Eine oder Andere ärgere, das betrifft auch (aber nicht nur) musikalische Entscheidungen, aber Urteilen geht schnell, und jeder hat seine Hintergründe, die die anderen meistens nicht kennen. Außerdem haben wir auch unsere eigenen Hintergründe, die unser Urteil beeinflussen. Ich bin deshalb froh, dass in diesem Forum die Freude über das, was wir haben, überwiegt! Alex