Montag, 29. Dezember 2008

Weihnachtsoratorium Teil 1 und 4 bis 6 erklangen in der St. Marienkirche Herford

Hallo,

mein Bericht vom Konzert in der St. Marienkirche, Stift Berg, in Herford mit dem Weihnachtsoratorium von J.S. Bach, mit Teil eins, vier, fünf und sechs.

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Programmheft Weihnachtsoratorium St. Marienkirche Herford


Die Ausführenden

Immer wieder überwältigend der Besucher-Zuspruch, wenn das Weihnachtsoratorium von J.S. Bach zur Aufführung gelangt, so stellte sich der Besucherzustrom schon eine halbe Stunde vor Konzertbeginn in St. Marien ein und füllte die Plätze restlos.


Foto: Grosser Chor und Instrumentalisten im Altarraum in der St. Marienkirche Herford


Eine weihnachtlich, stimmungsvoll geschmückte Kirche versprach weihnachtliche Festtagsmusik aus der Barockzeit. Strahlende Trompeten erschallten im Eingangssatz in Teil 1 mit dem "Jauchzet, frohlocket..."
Der Chor, bestehend aus ca. 40-50 Sängerinnen und Sänger setzte kraftvoll ein und verhallte im Kirchenraum, das war ein Problem, die Halligkeit von St. Marien ist berüchtigt und zeigte seine Wirkung. Ich kann mir vorstellen, dass der Chor sich gesamtheitlich nicht hören konnte, sondern nur sein Nachbarsänger wahrnehmbar wahr. Mir taten die Mitwirkenden leid, hatten sie doch Herzblut und Enthusiasmus an den Tag gelegt und erlebten dann diese gravierend schlechte Akustik trotz gefüllter Kirche.

Genau so präsentierte sich das Orchester, jede Unreinheit war sofort heraushörbar und ergab kein Gesamtklang-Erlebnis. Hier müsste in Zukunft - aufgrund der akustischen Probleme etwas unternommen werden, absorbierende, bewegliche Schallschutzwände wäre eine Möglichkeit.
Die Trompeter waren im Eingangs-Satz hervorragend und unterstützten den Jubelgesang entsprechend.



Foto: Gasangssolisten: links als Evangelist: Ulrich Cordes, (Tenor) daneben Andreas Wolf Bass


Die Gesangs-Solisten stellten sich auf die Gegebenheiten stimmlich hervorragend ein und waren gut zu hören, etwas schwerer hatte es die Sopranistin Gudrun Sidonie Otto, die nicht das Stimmvolumen der anderen Solisten erreichte. Ein fantastischer Evangelist offenbarte sich in dem Tenor mit Ulrich Cordes, eindrücklich erklangen seine Partien und waren sehr wortverständlich. Die Altistin: Alexandra Rawohl besitzt ebenfalls ein herausragendes Timbre und konnte ebenfalls vollends überzeugen. Ein Juwel der Bassist: Andreas Wolf, das war schon hervorragend, wie er die akustische Probleme mit seinem Gesang erst gar nicht aufkommen ließ. Diese junge Sängerschar ist beeindruckend und verlieh der Aufführung den entsprechenden Glanz.



Foto: Blick auf die Trompeter-Gruppe in der St. Marienkirche Herford

Was die Trompeter so fantastisch in Teil 1 umgesetzt hatten, wurde in Teil 4 mit den Waldhörnern nur zum Teil erreicht, Intonationsprobleme zum Anfang des Chorsatztes: "Fallt mit Danken, fallt mit Loben" waren heraushörbar. Die Choräle insgesamt bewältigte der grosse Chor zur Zufriedenheit, etwas mehr an Nuancierung hier - wäre durch den Leiter: Wolf-Eckart Dietrich, angebracht gewesen, so erklang alles leider im gleichen Stil und Lautstärke.

Bewundernswert ist der Einsatz aller Beteiligten zu nennen, wieviel persönliches Engagement haben sie dafür gebracht und wurde dann von den Besuchern mit einem riesigen, langanhaltenden Beifall dafür entsprechend belohnt.

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"Ich wünsche allen ein gesundes und glückliches neues Jahr 2009"

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Grüsse

Volker

Hier die Rezension von der NW zum Weihnachtsoratorium in der St. Marienkirche Herford vom 30.12.2008

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Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Liebe WO-Freunde!, lieber Volker!

Natürlich war das Konzert für uns Mitsänger die überragende weihnachtliche Erfüllung. Zur Gestaltung des Geburtsfestes unserer Hoffnung etwas stilistisch Echtes und die Zuhörer Erfüllendes beizutragen, ist ein uns befriedigendes Erlebnis. Während der gesamten Weihnachtszeit dudelte auf dem Neuen Markt aus der Weihnachtskrippe heraus das WO. Das hörte sich auch für einen aktiven Sänger wie mich hervorragend an. Innere Freude stülpte sich bei mir nach außen und fabrizierte die gewünschte psychische Stimmung: Weihnachten kaufen und nach Hause tragen. Zumal auch in der Klangkonserve alle technisch-musikalischen Erwartungen erfüllt wurden. Einsätze waren sekundengenau, orchestrale Ausgewogenheiten konnte man gut bei einem Glas Herforder Weihnachtsbier ausgleichen. In den Solistenstimmen konnte man sich auch einen Caruso vorstellen und wenn die Altistin 'Schlafe, mein Liebster' sang dachte man daran, dass die Kinder es doch in meiner Familie gut haben und ich gleich in mein weiches Daunenbett schlüpfe. Leider konnte man in den Stimmen, die da aus dem Krippenraum tönten keine menschlichen Gesichter erkennen. Auch von den Künsten, richtig Corno oder Oboe zu spielen, bekam man nichts mit. Also mußte man sich in Herford gedulden und sich 'zwischen den Jahren' auf den Herforder Stiftsberg begeben. Da hörte man Teile des WO zwar authentisch, doch aber auch musikalisch in vielem bedenklich. Irritiert, dass Musiker mit ca 10 Jahren Ausbildung die Naturtöne ihrer Corni nicht sicher intonierten, oder auch Tempi und Nuancen nicht punktgenau umgesetzt wurden, könneten die Veranstalter so manchem eigentlich sein Eintrittsgeld zurückgeben. Doch ür was war so mancher gekommen und hatte auch gelöhnt: für das Erlebnis, große Kunst, die eigentlich nur in die Hände von Fachleuten gehört, von Laien-Choristen unter der Anleitung von ausgebildeten Leitern und Instrumentalisten zu empfinden und zu merken:

das Weihnachtsgeschehen ist mitten unter uns.

So wie mancher Maler das Christgeschehen in die eigene Landschaft verlegt, so ließ es sich auch musikalisch transportieren und fruchtbar machen. Natürlich war es unausgewogen angekommen, da die digitale Industrie manches besser kann und so verkauft, dass es dem Kunstbeflissenen im Portmonnai nicht weh tut. Doch es tat dem Hörer gut, den gewissenhaften Ansatz dieses musikalischen Unternehmens mitzufühlen und zu erkennen, dass die Ausführung immer Stückwerk bleibt.

Trompeten hervorragend, Corni lapidar. Streicher quasi als Heiligenschein der Evangelistenworte, daneben ein verschuldeter Chor-Basseinsatz. Die Pauke zwar liebevoll behandelt, doch Bach hat sie zu wenig eingesetzt. Zuviel Sängerinnen, zuwenig Sänger.

Doch so gestaltet sich die musikalische Wirklichkeit. Wie schön, dass es die vor unserer Haustür noch giebt.

Gruß

Wolfgang

(fahre jetzt eine Woche nach Rheinhessen)

Anonym hat gesagt…

Hallo Wolfgang,

ich zitiere einmal Passagen aus deinen Ausführungen zum Weinachtsortatorium in der St. Marienkirche Stift Berg, Herford:

....." dass Musiker mit ca 10 Jahren Ausbildung die Naturtöne ihrer Corni nicht sicher intonierten, oder auch Tempi und Nuancen nicht punktgenau umgesetzt wurden, könneten die Veranstalter so manchem eigentlich sein Eintrittsgeld zurückgeben.

Doch für was war so mancher gekommen und hatte auch gelöhnt: für das Erlebnis, große Kunst, die eigentlich nur in die Hände von Fachleuten gehört, von Laien-Choristen unter der Anleitung von ausgebildeten Leitern und Instrumentalisten zu empfinden und zu merken...."

- Zitat-Ende -

Es ist die heutige technisierte Zeit, die uns die Möglichkeit gibt, auf hervorragenden CD-DVD-Einspielungen zurückgreifen zu können. Aufgrund dessen haben es die örtlichen Kantoreien sehr schwer, dagegen anzukommen, umso mehr sollten sie unsere Unterstützung geniessen und belohnt werden durch unseren Besuch ihrer Konzert-Veranstaltungen. Es ist von außerordentlicher Wichtigkeit, dass Kirchenmusik auch in Zukunft stattfinden kann. Aus diesem Grunde gebe ich gerne mein Eintrittsgeld und freue mich immer über den Mut der Kantoren, diese Werke aufzuführen.

Sicherlich gebe ich Dir Recht, wenn Profimusiker verpflichtet werden und sie nicht ihr Können abrufen und nur mittelmäßige Leistung bieten, dann ist man sehr darüber verärgert und enttäuscht denn sie sind die Verursacher, die die Unkosten in die Höhe schnellen lassen.

Meine Bewunderung gilt immer den Laienchören, die einen wunderbaren Enthusiasmus an den Tag legen und viel an persönlicher Freizeit dafür opfern. Hier ist der Leiter gefordert, seine Chorstärke dem Werk entsprechend anzupassen und sie nicht überfordert, Massenchöre gehören der Vergangenheit an, zumal wenn die akustischen Raumprobleme unüberwindbar sind wie in St. Marien.

Trotz so manchem Ungemach in der Wiedergabe des WO habe ich mein Kommen nicht bereut und werde wiederkommen und das ist das Wichtigste, was zählt.

Ein glückliches und gesundes neues Jahr 2009 wünscht allen

Volker

Anonym hat gesagt…

Lieber Volker!

Freut mich sehr, was von Dir zu hören! Ich bin wieder im Lande und habe inzwischen dankbar dein ausgeliehenes Ludwig Prautzsch, Bibel und Symbol, verarbeitet. Ab S.32 beschäftigt Prautzsch sich ja konzentriert mit dem WO. Deshalb war es ja gerade für mich hilfreich, nach dem WO mit Hilfe Deiner Leihgabe unsere Aufführung in St.Marien nochmal zu überdenken.

Zum Verstehen der Symbolsprache Bach's muß man sehr viel Zeit, in die Noten schauen und Hinhören mitbringen, um diese uns fremde Sprache näherkommen zu lassen. Wie der Autor zu Beginn verblüffend einfach beschreibt, war diese Sprache für die gebildeten Kinder die tägliche 'Schulkost', die bis in's spätere Leben und Beruf reichte und in vielen Künsten dann fruchtbare Anwendung fand. Bach wendete seine Symbolsprache also fast unbewußt an, während der heutige Sänger und Chorleiter es schwer hat, in diese besondere Sprache überhaupt einzudringen. Vielleicht ist das Verstehen der Symbolsprache ein 'Königsweg'zu den heutigen Bach-Aufführungen durch Laienchöre. Das Hin-und Her zwischen historisch-kritischer Aufführung und romantisierender Wiedergabe, akustischen Raumproblemen und unzureichendem Orchesterklang wäre dann quasi von innen angegangen. Jeder Aktive und vor allem der Dirigent müßte sich viel mehr überlegen, was Bach sagen will und wie er das singen und spielen kann. Leider werden solche inneren Verstehensvorgänge den Sängern und Spielern durch Vorträge oder workshops zu wenig vermittelt.

Natürlich weiß ich, daß wir uns beim nächsten Konzert wieder sehen.

Mit gesegneten Neujahrswünschen auch an Deine Frau

Gruß

Wolfgang

Gruß

Wolfgang